Jetzt wird’s langweilig! Darum überlass ich’s anderen

Entgeltpunkt, Zugangsfaktor, Rentenwert, Rentenartfaktor… das klingt ganz schön langweilig und doch sollte sich jeder zumindest mal kurz mit den Bedingungen der gesetzlichen Altersvorsorge auseinandersetzen. Weil mir das zu langweilig ist, verweise ich gerne auf dieses Erklärstück bei Zeit Campus.

"Hochdeutschland" von Alexander Schimmelbusch. (Cover: Verlag)
Empfahl ich gerne nochmal: “Hochdeutschland” von Alexander Schimmelbusch. (Cover: Verlag)

Wer damit durch ist, ist ganz gut informiert und hat auch gelesen, dass nebenher selber sparen eine gute Idee ist. Am besten kapitalgedeckt mit etwas höherem Risiko, schließlich geht es um langfristiges Anlegen. Das mag mancher langweilig finden, aber lieber mal ein paar Stunden mit einem etwas langweiligeren Thema beschäftigen, als sich später Jahre langweilen, weil das Geld kaum für einige gute Bücher und einen schönen Urlaub pro Jahr reicht.

 

 

Wie geht es nach fast 14% Rendite in einem Jahr weiter?

Satte 13,7% plus verzeichnete der norwegische Ölfonds im vergangenen Jahr als Rendite. Eine ziemliche Leistung, die wohl viele deutsche Sparer gerne erbracht hätten. Allein, es fehlt der Mut zur Aktie. Im ersten Quartal 2018 hat der Fonds übrigens mit 1,5% leicht im Minus gelegen. So ist das Leben (an der Börse), es geht ständig auf und ab. Aber solange es langfristig aufwärts geht, ist das doch in Ordnung.

Und langfristig ging es beim Ölfonds bisher stets aufwärts, wie dieser Chart zeigt. Den DAX ziehe ich übrigens zum Vergleich an, weil das wohl der Index ist, mit dem am meisten der in Deutschland lebenden Menschen etwas anfangen können – dieser entwickelte sich schlechter als der Ölfonds seit dessen Auflegung 1998 und schwankte vor allem viel stärker.

Schwankende Rendite, aber im Schnitt ziemlich gut: der norwegische Ölfonds.
Schwankende Rendite, aber im Schnitt ziemlich gut: der norwegische Ölfonds.

Wie es im zweiten Quartal und damit im gesamten ersten Halbjahr 2018 mit dem Ölfonds gelaufen ist, erfahren wir, wenn in einer Woche in Oslo der Bericht für die Monate April bis Juni 2018 auch online präsentiert wird.

Darum fordert das ifo Institut “Vermögensaufbau nach skandinavischem Vorbild”

Setzt Nordeuropa der Vermögensbildung die Krone auf? Ja, findet das ifo-Institu. (Foto: Bomsdorf)
Setzt Nordeuropa der Vermögensbildung die Krone auf? Ja, findet das ifo-Institu. (Foto: Bomsdorf)

Nordeuropa wird in vielen Politikfeldern gerne als Vorbild genannt. Mal kommen die, die dazu aufrufen aus der linken Ecke, mal aus der rechten, mal aus der liberalen. Jetzt ist das Münchener ifo Institut dran (eher liberal).  „Notwendig wäre ein Vermögensaufbau nach skandinavischem Vorbild”, mahnt Andreas Peichl an. Er ist Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen. Warum das Ganze? “Zur Bekämpfung von Ungleichheit”. “Einen Vermögensaufbau für die breite Masse zu erleichtern und die Sozialleistungen nicht schlagartig an bestimmten Einkommensgrenzen zu stoppen”, würde eben jener breiten Masse helfen, so Peichl.

"Hochdeutschland" von Alexander Schimmelbusch. (Cover: Verlag)
“Hochdeutschland” von Alexander Schimmelbusch. (Cover: Verlag)

Das klingt gut und wird auch durchaus von Linkeren vertreten. Ähnliches hatte die SPD mit dem Deutschlandfonds schon einmal auf kollektiver Ebene vor. An den Vorbereitungen war der jetzige Finanzminister Olaf Scholz beteiligt und es passt auch in das von Andrea Nahles als Arbeits- und Sozialministerin eingebrachte Betriebsrentenstärkungsgesetz. Jetzt könnte die Zeit für ein Modell nach nordeuropäischem Vorbild reif sein. (Lesenswert in diesem Zusammenhang auch der Roman “Hochdeutschland” vom Ex-Banker Alexander Schimmelbusch, hier ein Text dazu bei Spiegel Online. Schimmelbusch fragte sich in einem Interview, warum Deutschland nicht einen Fonds wie Norwegen hat.).

Wobei gesagt sei, dass es auch dort Unterschiede von Land zu Land gibt. Peichl spricht von Pflicht zu  eine privater, kapitalgedeckter Altersvorsorge, – “aber anders als bei Riester, wo nur die Versicherungen und die Vermittler davon profitieren.“ Der Pflichtgrad ist in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden unterschiedlich hoch, selbst wenn mit einbezogen wird, was Sozialpartner unter sich aus machen und nicht nur darauf geschaut wird, was wirklich gesetzlich bindend ist. Das ändert nichts an der Qualität der Idee. Nicht umsonst stehen die Alterssicherungssysteme im Norden Europas ziemlich gut da.

Beispielhaft sei hier einmal das Ranking der Allianz genannt. Dort schneidet Norwegen am besten ab, Schweden und Dänemark aber auch besser als Deutschland, Finnland hingegen nicht und Island wurde nicht bewertet.

So gut stehen die Pensionssysteme unterschiedliche Länder da. (Quelle: Allianz.com)
So gut stehen die Pensionssysteme unterschiedliche Länder da. (Quelle: Allianz.com)

Nicht nur der norwegische Ölfonds könnte als Beispiel dienen, damit in Deutschland die Absicherung im Alter gestärkt und zugleich Arbeitnehmer mittels Vermögensaufbau an den steigenden Kapitalgewinnen beteiligt werden. Dazu eignen sich auch die Pensionssysteme Schwedens und Dänemarks, wo die Arbeitnehmer einen individuellen Anteil an “ihrem” Fonds haben (das Model gibt es in Norwegen übrigens zusätzlich).

Obwohl die SPD entsprechende Ideen auch schon diskutiert hat (s.o.), sieht es derzeit nicht danach aus, als würde der Deutschlandsfonds oder eine kapitalgedeckte Altersvorsorge nach nordeuropäischem Vorbild bald kommen.

Bis es soweit ist (und am besten auch darüber hinaus), bleibt jedem die Möglichkeit individuellen Vermögensaufbau zu betreiben, freiwillig zu sparen und zu investieren also. Dass würde Risiken stärker streuen und Beteiligung am Produktivkapital und den damit verbundenen Gewinnen aufbauen. Nebeneffekt: Investierer setzten sich mehr mit dem Auf und Ab der Wirtschaft sowie der Geschäftspolitik “ihrer” Unternehmen auseinander. Denn die Wirtschaft, das sind wir alle, nicht nur “die Großen” oder “die da oben”.

The flip side of the (bit-)coin – Warum Sie lieber keine Bitcoin kaufen oder nur zum Spaß

Es dürfte im Spätherbst vergangenen Jahres gewesen sein, dass am selben Tag zwei meiner Freunde erwähnten in Bitcoin eingestiegen zu sein. Bei dem einen war der Kauf schon etwas länger her gewesen, beim anderen noch ziemlich neu. Gemein war ihnen, dass sie zu wissen meinten, dass es mit dem Kurs nur noch oben gehen könne. Dass es an der Börse nur nach oben gehen kann, ist genauso falsch wie, dass es im Leben stets nur besser (oder schlechter) werden kann.

Bildlich stellt sich das bezogen auf zwei ausgewählte Kryptowährungen so dar:

Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum vs. Euro, August 2017 bis August 2018. (Eigene Darstellung)
Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum vs. Euro, August 2017 bis August 2018. (Eigene Darstellung)

Ein ziemliches Auf und Ab. Wer genau vor einem Jahr eingestiegen ist und jetzt aussteigt, steht gut da. Schade aber um die, die Ende 2017 Bitcoin oder Ethereum gekauft haben…

Die Werte der beiden Kryptowährungen (und nicht nur dieser beiden) schwanken sehr stark (siehe Grafik, gemessen an US-Dollar sind die Schwankungen ähnlich). Es ist halt ein kleiner Markt, der zudem intransparent ist. The Wall Street Journal meint, dass sich das einige zu nutze gemacht und durch Kursmanipulationen tüchtig Geld verdient haben (hier geht es zum aktuellen Artikel). Erst redeten sie die Kurse hoch, dann machten sie Kasse. Mit so simplem wie betrügerischem Verhalten lässt sich nur aus einem Grund Geld machen: weil es Leute gibt, die an vermeintliche Geheimtipps glauben. Sie kaufen im Glauben (das sie wohl als Wissen bezeichnen würden, Hoffnung oder Illusion würden es besser treffen), dass der Kurs bald nach oben gehen muss. Das ist natürlich ziemlicher Blödsinn. Denn wieso sollte ausgerechnet der eine Tippgeber die Zukunft voraussagen können?

Jetzt erst recht? (Screenshot Businessinsider)
Jetzt erst recht? (Screenshot Businessinsider)

Natürlich gibt es andere, die meinen, genau jetzt sei der richtige Zeitpunkt zum Einstieg. Der Meinung können sie gerne sein. Gerade heute stehen zum Beispiel auf der Seite “Investieren mit Kopf” fünf Gründe “warum Du Bitcoin kaufen solltest”. Anfang des Jahres, genauer am 11. Januar 2018, titelte Businessinsider “Trotz Untergangsstimmung: Warum Experten jetzt zum Kauf von Bitcoins raten”. An dem Tag standen Bitcoin bei über 11.000 Euro. Heute ist eine Einheit der Kryptowährung noch um die 6.000 Euro wert, ein minus von 45 Prozent. Natürlich kann das nur ein Zwischentief sein und die 15.000 Euro werden bald wieder überschritten, so dass auch der, der am 11. Januar kaufte, einen guten Schnitt macht. Aber der Wert schwankt etwas stark für eine solide Anlage, lieber diversifizieren.

Also lieber Geld weg von Kryptowährungen wie Bitcoin oder jedenfalls nur Spielgeld in diese investieren. Wenn ein Großteil davon weg ist, ist es Lehrgeld, das die Erfahrung nun einmal gekostet hat. Und wenn es doch gut geht, ist es halt Lehrgeld, das man bekommen hat.

Es hilft, sich in diesem Zusammenhang an ein paar gar nicht so geheime Tipps zu erinnern. Zwei aus meinem Buch zitiere ich aus aktuellem Anlass:

Alles klar? Wann Sie besondere Vorsicht walten lassen müssen

1. Sagen Sie »Nein Danke«, wenn Ihnen jemand ganz heiße Anlagetipps gibt, die enorme Rendite versprechen und angeblich so gut wie sicher sind. Diese Leute leiden womöglich an Selbstüberschätzung und hoffen, dass Sie davon auch befallen werden. Das würde bedeuten, dass Sie glauben, anders als alle anderen den richtigen Tippgeber aufgetan zu haben. Dann würden Sie nicht nur in dessen Empfehlung investieren, sondern für einen Aktienbrief mit regelmäßigen Tipps womöglich auch noch viel Geld ausgeben. Wer daran vor allem verdienen würde, ist klar.

[…]

3. Ärgern Sie sich nicht, wenn bestimmte Einzelinvestments – egal ob eine Aktie wie Tesla oder so etwas wie die Kryptowährung Bitcoin – sich über einen Zeitraum sehr gut entwickelt haben, Sie diesen Boom aber verpasst haben. Das fällt Ihnen natürlich erst im Nachhinein auf und dann erscheint es auch so verdammt logisch, dass ausgerechnet diese Werte explodieren mussten. Auch dies ist ein Rückschaufehler. Doch es gibt bestimmt ebenso viele Werte, die entsprechend schlecht gelaufen sind und in die Sie auch hätten investiert sein können – es aber zum Glück nicht gewesen sind. Haben Sie einmal ziemlich gut gelegen, seien Sie ehrlich, vermutlich war auch das purer Zufall und Sie geben sich nur im Nachhinein der Kontrollillusion hin.

Die entscheidenden Stichworte hier sind Selbstüberschätzung, Kontrollillusion und Rückschaufehler. Alle drei stammen aus dem spannenden Feld der (Finanz-)Psychologie. Mehr dazu ein andermal.

Hier feiert Divestment einen weiteren Erfolg

Auf dem Weg in eine fossilfreie Zukunft Dank Divestment? Bus auf Spitzbergen. (Foto: Bomsdorf)
Auf dem Weg in eine fossilfreie Zukunft Dank Divestment? Bus auf Spitzbergen. (Foto: Bomsdorf)

Investment hat seit ein paar Jahren ein Gegenstück bekommen: Divestment. Statt Gelder in bestimmte Anlagen zu stecken (to invest), geht es darum, diese aus bestimmten Anlagen abzuziehen (to divest). Üblicherweise sollen bestimmte Branchen oder Unternehmen aus ethischen Gründen nicht länger gefördert / finanziert werden. Der norwegische Ölfonds ist berühmt dafür. Er hat eigens ein Ethik-Komitee, das eine blacklist erstellt. Geld in Öl und Gas zu stecken, ist dem Pensionsfonds auch verboten.

International versuchen Aktivisten auf Investoren einzuwirken und zu erreichen, dass diese divestieren. Oft heißt das, aus fossilen Energieträgern aussteigen. Es sollen also zum Beispiel keine Anteile mehr an Stromanbieter gehalten werden, die Elektrizität aus Kohle erzeugen oder an Bergbau- oder Ölunternehmen, die die entsprechenden Rohstoffe fördern.

In Deutschland hat die Divestment-Bewegung einen neuen Erfolg in Göttingen  gefeiert. Die dortige Uni handelt nunmehr ähnlich wie der norwegische Ölfonds (wenngleich zum Teil aus anderen Gründen – s.u.). Seitens der Uni, die eine Stiftungsuni mit einem verwalteten Vermögen von fast 200 Millionen Euro ist, heißt es in den Ende Juni 2018 beschlossenen Anlagegrundsätzen:

Kein Ölgeld für die Uni Göttingen, so steht es in den neuen Anlagegrundsätzen.
Divestment – Kein Ölgeld für die Uni Göttingen, so steht es in den neuen Anlagegrundsätzen.

“Bei Anlageentscheidungen sind vor allem nachhaltig soziale, ethische und ökologische Investments auf Basis der Agenda 21 der UN Weltkommission oder anderer geeigneter Nachhaltigkeitsindizes zu wählen. Investitionen in Unternehmen, deren Hauptgeschäftszweig Exploration, Förderung, Transport und Vertrieb oder Energiegewinnung aus fossilen und nuklearen Energieträgern (Kohle, Erdgas, Erdöl, Uran) ist, werden grundsätzlich nicht vorgenommen.”

Norwegen divestiert Öl nicht aus Umweltgründen

Klingt schon ziemlich norwegisch. Wobei dazu gesagt werden sollte, dass das Nein zu fossilen Brennstoffen in Norwegen nicht aus Umweltgründen erfolgt ist (dazu  ein interessanter Artikel von Sony Kapoor bei Bloomberg View und ein paar Fakten vom Norwegischen Ölfonds). Der Grund ist, dass die Einnahmen des Fonds schon so stark vom Ölpreis abhängig sind. Da sollen es nicht auch noch die Anlagen so stark tun. Weil die Norweger diversifizieren wollen, betreiben sie also Divestment.

Auch wir Privatanleger haben es in der Hand, unser Geld etwas nachhaltiger anzulegen (was Gerd Kommer zum Thema Nachhaltigkeit denkt und wer er und ich uns einig sind und was uns trennt, steht hier). Und wir können Teil der Divest-Bewegung werden und Großinvestoren wie die Uni Göttingen dazu bringen, es ähnlich zu  tun. Wie das geht, erklärt Studentin Luisa Neubauer im Interview mit Zeit online. Wer bei ähnlichen Aktionen mitmachen möchte, bekommt weitere Informationen zum Beispiel auf der Seite von Go Fossil Free Deutschland. Welche Städte in Deutschland schon so divestiert haben, steht hier. Was in den USA in der von Bill McKibben angestoßenen Bewegung und vor allem Debatte erreicht worden ist, hat die Uni Stanford untersucht.

5000 Euro anlegen – mit wenig dabei sein

Quirion wirbt mit niedrigen Kosten, 5000 Euro-Start, Testsieg und ... Frau mit roter Flagge. (Abbildung: www.quirion.de)
Quirion wirbt mit niedrigen Kosten, 5000 Euro-Start, Testsieg und … Frau mit roter Flagge. (Abbildung: www.quirion.de)

Selber anlegen und zwar nach dem Vorbild Norwegischer Ölfonds halte ich für die beste Lösung, um

  • bei selber definierter Risikostufe,
  • gewisse Segmente überzugewichten (Small Caps, Emerging Markets),
  • unter Berücksichtigung eigener Wertvorstellungen (nachhaltig)
  • langfristig eine angemessene Rendite zu erzielen,
  • ohne das hohe Kosten diese übermäßig schmälern;
  • zugleich lernt man dabei die Märkte zu verstehen (nämlich durch das Beobachten des Auf und Ab an der Börse und die Erkenntnis, Richtung und Stärke vielleicht im Nachhinein erklären zu können, aber nicht mehr als zufallsbedingt vorhersagen zu  können).

Wer also möchte, dass das eigene Vermögen langfristig wächst und nicht das des Beraters, kümmert sich selber drum. Diese Zeit sollte man sich nehmen. Wer gerne mit ein bisschen des Geldes schonmal ganz schnell loslegen möchte, während das eigene Portfolio nach norwegischem Vorbild noch strukturiert wird, der hat aktuell die Chance schon mit 5000 Euro eines der wie ich finde derzeit interessantesten Angebote des deutschen Bankenmarktes auszuprobieren.

Quirion, der online-Ableger der Quirin Privatbank (die Ulrich Tukur als Werbefigur hat), legt wie der norwegische Ölfonds eine Aktienquote gemäß individuellem Risiko fest und streut dann breit. Normalerweise sollen Neukunden mindestens 10 000 Euro mitbringen, um das Angebot, das mit 0,48 Prozent Kosten pro Jahr plus ETF-Gebühren von 0,22 bis 0,28 Prozent günstig ist, nutzen zu können. Aktuell reicht die Hälfte.

Von meinen oben genannten Punkten erfüllt Quirion drei. Was mit dem Angebot nicht geht:

  • auf Nachhaltigkeit setzen,
  • gezielt Marktsegmente übergewichten (das mag Quirion für einen machen, man hat es aber nicht im Griff),
  • über die Märkte lernt auch weniger, wer sein Geld nicht gezielt selber in unterschiedliche Produkte steckt (zum Finanzverständnis bitte hier weiterlesen).

Um schnell in den Markt zu kommen ist Quirion einen Blick wert. Zudem fallen die 0,48 Prozent Kosten pro Jahr zumindest derzeit erst für Beträge ab 10 000 Euro an, alles darunter ist gratis. Wer also 20 000 Euro investiert, zahlt de facto nur 0,24 Prozent pro Jahr (wobei wie oben erwähnt die ETF-Gebühren noch hinzukommen, wer alles selber managet, zahlt nur die, muss aber auch mehr Zeit investieren). Das ist günstig. Übrigens lohnt stets – auch für komplette Selbstinvestierer –  ein Blick auf Seiten wie Brokervergleich, Finanztest und Finanztip, um Angebote zu vergleichen.

Vielleicht schwenkt die Frau rechts auf der Website deshalb die rote Sozialistenflagge. Schließlich ist jedem geholfen, preiswert vom Markt profitieren zu können.

Gerd Kommer zur Nachhaltigkeit – Was uns verbindet und trennt

Bahn-Aktien wären nachhaltig, sind aber noch nicht käuflich (Foto: Bomsdorf).
Bahn-Aktien wären nachhaltig, sind aber noch nicht käuflich (Foto: Bomsdorf).

Vor ein paar Tagen erschien auf dem Blog (und im newsletter) von Gerd Kommer ein Beitrag zum Thema nachhaltiges investieren. Wie eigentlich immer bei ihm, ist der Text lesenswert. Auch, wenn er darin zum Teil zu anderen Schlussfolgerungen kommt als ich, sind wir uns in vielen Dingen einig, zum Beispiel:

 

  • es ist eine Frage der eigenen Werte, was als nachhaltig angesehen wird,
  • es ist schwierig für Indexanbieter nachhaltig zu definieren und zu kommunizieren, was dahinter steckt,
  • das Produktangebot ist noch sehr überschaubar,
  • die Diversifikation fällt geringer aus, wenn ein Teil des Investmentsuniversums wegfällt (weil es den ethischen Kriterien eben nicht entspricht).

Auch wenn es noch nicht das optimale Angebot an nachhaltiger Geldanlage für ein breit gefächertes Portfolio gibt, ist es doch möglich auch mit ETFs möglichst ethisch anzulegen. Wie jede (Investment-)Entscheidung wird man da nie all seine Ansprüche erfüllen können. Doch besser einen Schritt weiter als Stillstand (hier geht es übrigens zu meinem vorherigen Beitrag zu Nachhaltigkeit).

Gerd Kommer Bestseller erschienen im Campus Verlag. (Abbildung: Verlag)
Gerd Kommer Bestseller erschienen im Campus Verlag. (Abbildung: Verlag)

Außerdem sollte niemand vergessen, dass jeder Einzelne von uns auch Konsument ist und Unternehmen und Geschäftspraktiken auf der Nachfrageseite zeigen kann, was er oder sie von denen hält. Wer Starbucks Steuerpolitik für zweifelhaft hält, sollte eben ins kleine Café nebenan gehen (in der Hoffnung, dass dort nicht ein Teil der Einnahmen schwarz erzielt wird) und wer  findet, Ryanair ist nicht nur für den Klimawandel mit verantwortlich, sondern behandelt seine Angestellten auch schlecht, sollte lieber mit der Bahn fahren. Ähnliche Aspekte finden sich ganz am Ende des Blogbeitrags von Gerd Kommer, der übrigens wie ich im Campus Verlag publiziert, sein Bestseller heißt: “Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs”.

 

Sparen fürs Auto oder fürs Alter?

“Altersarmut” scheint mir derzeit eines der Schlagworte zu sein, die Journalisten und Politiker besonders gerne benutzen. Oft ergänzen sie dieses ohnehin schon erschreckende Wort noch um das Adjektiv “drohend”. Theoretisch schwächt diese Ergänzung den Schrecken ab, geht damit doch eine Wahrscheinlichkeit, die unter 100% liegt, einher. Man könnte also auch von “möglicher Altersarmut” sprechen. Doch weil es nunmal “drohend” heißt, wird so aus einer noch abzuwehrenden Gefahr eine Bedrohung, bei der wohl nur noch wenige daran denken, dass diese auch verhindert werden kann  – zum Beispiel durch sparen.

Sparen und dann den Lebensabend im Süden verbringen, dürfte für viele ein Traum bleiben, aber manchmal könnte die Realität der Traumvorstellung ohnehin nicht standhalten. (Foto: Bomsdorf)
Sparen und dann den Lebensabend im Süden verbringen, dürfte für viele ein Traum bleiben, aber manchmal könnte die Realität der Traumvorstellung ohnehin nicht standhalten. (Foto: Bomsdorf)

Für ein paar Überlegungen ist der Artikel von Kollegin Nadine Oberhuber, aktuell bei Zeit online zu lesen, empfehlenswert. Der Titel “Die große Rentenangst” wirkt panisch. Wer bis zu Ende liest kommt aber auf den Gedanken, dass diese Angst in vielen Fällen übertrieben ist. Denn dort heißt es unter anderem

“Peter Haan, Finanzwissenschaftler am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ist Mitautor einer Studie für die Bertelsmann Stiftung, die eine Prognose für das Jahr 2036 aufstellt: “Die Altersarmut wird insgesamt gar nicht so groß sein, aber es gibt Problemgruppen”, sagt er.”

Interessant ist besonders, dieser eine Satz:

“Aktuell gebe es im Osten weniger Altersarmut als im Westen.”

Dem allerdings folgt gleich die Einschränkung, die auch Erklärung ist:

“Vor allem wegen der oft niedrigen Lebenshaltungskosten und wegen der DDR-Erwerbsbiografien, dort arbeiteten die Frauen deutlich mehr. Doch das Verhältnis wird sich umkehren”.

Oberhuber berichtet auch noch davon, dass Paare häufig ähnlich gut oder schlecht verdienen würden, die Renten also nicht einander auffangen könnten.

Ein großes Problem des derzeitigen Rentensystems im Umlageverfahren (wo also aktuell Erwerbstätige für aktuelle Rentner zahlen) ist der vielzitierte demographische Wandel. Die Leute werden immer älter und so schön das ist heißt das auch, dass immer länger für deren Rente gezahlt werden muss. Und zwar von immer weniger Erwerbstätigen, weil die Bevölkerung schrumpft.

Dagegen gibt es ein einfaches Rezept: Mit der Lebenserwartung darf nicht länger nur die Rentenzeit steigen, sondern es muss auch die Lebensarbeitszeit zunehmen. Das heißt, statt in den 60ern in Rente zu gehen, muss dieser Zeitpunkt in die 70er verschoben werden. Dank der zunehmenden Lebenserwartung ist die Rentendauer und damit die Zahl der freien Jahre, in denen dem angeblich so schönen Rentnerdasein gefrönt werden kann, nicht kürzer.

Nach so einer radikalen Rentenreform sieht es in Deutschland aber derzeit nicht aus. Stattdessen bleibt es mehr oder weniger beim Alten, was in gewisser Weise einem Rückbau des Sozialstaats gleichkommt. Das Rentenzugangsalter in etwa stabil zu halten, ist eben nicht wie vielfach argumentiert eine Stärkung des Sozialstaats, sondern eine Schwächung, denn es führt zu Finanzierungslücken bei der Rente. Was wiederum zur in der Überschrift gestellten Eingangsfrage führt: Wofür sparen und investieren? Für das Auto in ein paar Jahren oder für das Alter in etlichen Jahren?

Ferrari oder Freiheit - manchmal geht finanziell nur eins von beidem. (Foto: Bomsdorf)
Ferrari oder Freiheit – manchmal geht finanziell nur eins von beidem. (Foto: Bomsdorf)

Oftmals geht es denen die sparen nicht nur darum, in ein paar Jahren Geld für Anschaffungen, auf die notfalls auch verzichtet werden könnte, zu haben. Nein, vielfach soll jetzt investiert werden, um in Zukunft nicht zu verarmen. Die Sozialsysteme werden immer stärker ausgedünnt und vor allem das gesetzliche Rentensystem wird schwächer und deshalb die Eigenvorsorge immer wichtiger.

Man kann nun schimpfen, dass es ein Unding sei, dass der Staat sich aus der Verantwortung stehle. Das zu denken ist bis zu einem gewissen Grad völlig in Ordnung – auch, wenn eben nicht außer Acht gelassen werden sollte, dass die demographische Entwicklung mit immer mehr älteren Menschen kaum anderes zulässt. Wut alleine hat an einer Sache aber noch nie etwas geändert. Viel besser ist es deshalb, nicht (nur) zu schimpfen, sondern etwas zu unternehmen.

Auch das kann von Norwegen gelernt werden: pragmatisch sein und etwas tun statt über widrige Umstände zu klagen. Und das heißt in diesem Fall: So investieren, dass mehr dabei herumkommt als wenn Sie lediglich dem deutschen Staat vertrauen, der nun einmal nicht so reich und vielleicht auch nicht so vorausschauend agiert wie der norwegische mit seinem Staatsfonds, dem Ölfonds.

Mit der Anlagestrategie des norwegischen Ölfonds können Sie es mit 2 Euro täglich schaffen, in weniger als 10 Jahren 10.000 Euro extra auf dem Konto zu haben. Mit einer Sparrate von nicht einmal 10 Euro pro Tag erreichen Sie nach 20 Jahren sogar 160.000 Euro oder mehr, so wie es dem norwegischen Ölfonds gelungen ist – pro Einwohner (weitere Daten, auch mit realer Rendite in meinem Buch)! Früh genug angefangen, kann das viel von der “großen Rentenangst” nehmen.

Erspartes Vermögen unterschiedlicher monatlicher Sparraten bei 6% Ölfonds-Rendite

Finanzielles Basiswissen mag langweilig sein, hilft aber viel

Wer unabhängig sein und ein gutes Leben führen möchte, sollte (um hier mal bei den Eigenschaften zu bleiben, die klassischerweise in der Schule vermittelt werden) nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen können, sondern auch ein gewisses Verständnis vom Geld mitbringen – allein, damit er nicht übers Ohr gehauen wird. Finanzielles Basiswissen das klingt so was von langweilig und auch ich lese lieber Kehlmann als Kommer, bin aber froh, mich einmal ausgiebig mit Geldanlage auseinandergesetzt zu haben.

In einer aktuellen Studie des Bundesverbandes deutscher Banken (veröffentlicht am 25. Juli 2018) heißt es, dass das “Wirtschafts- und Finanzwissen der jungen Leute immer noch bedenkliche Lücken auf[weist]”.

  • Inflation?
  • Aktie?
  • Rendite?

Mit diesen Begriffen können viele jungen Leute nichts anfangen. Schade, denn wer Grundlegendes versteht (hier ein Beitrag zum möglichen Missverständnis von Rendite beim Immobilienkauf), hat bessere Aussichten langfristig erfolgreich zu sein. Das heißt auch, er (oder sie) muss erheblich weniger monatlich zurücklegen und investieren, als derjenige, der kaum Ahnung hat.

Immerhin steht es um die Deutschen aller Altersklassen international in Sachen “Financial Literacy” gar nicht so schlecht. “Financial Literacy” ist der Fachbegriff, der analog zur Alphabetisierungsrate Numerisierungsrate genannt werden könnte.

Global Financial Literacy Survey 2014 Top 5 (Diagramm: Bomsdorf, Datenquelle: gflec.org)
Global Financial Literacy Survey 2014 Top 5 (Diagramm: Bomsdorf, Datenquelle: gflec.org)

Laut Global Financial Literacy Survey 2014 (das ist die derzeit neuste Ausgabe) steht Deutschland mit den Niederlanden auf Platz drei. Ganz oben mal wieder: Norwegen. Gemeinsam mit Schweden und Dänemark liegt das Land, das so vorbildlich mit seinen Rohstoffeinnahmen umgeht, auf Platz 1. Geprüft wird in der von Standard & Poor’s herausgegebenen Studie, ob drei Begriffe prinzipiell verstanden wurden, die machen also in der Studie finanzielles Basiswissen aus:

  • Zinsezinseffekt,
  • Inflation,
  • Risikostreuung.

Machen Sie den Test doch einmal selbst und zwar hier.

Nachhaltigkeit bei der Geldanlage ist Langfristigkeit

Gletscher bei Svalbard, Juni 2015 (Foto: Bomsdorf).
Gletscher bei Svalbard, Juni 2015 (Foto: Bomsdorf).

Ob es das Wort Langfristigkeit gibt, darüber herrscht Streit. Im Duden online ist es nicht zu finden, im Pons und in diversen auch renommierten Medien aber schon. In der Geldanlage jedenfalls ist Langfristigkeit entscheidend und diese darf nicht ohne Nachhaltigkeit kommen. Denn, wenn etwas langfristig, aber nicht nachhaltig ist, dann ist der Schaden groß. Um unsere Umwelt und Gesellschaft langfristig zu erhalten, muss nachhaltig gedacht und vor allem gehandelt werden. Doch wie die geeignete nachhaltige Geldanlage finden?

Aktuell haben die Indexanbieter wie MSCI und DowJones auch nachhaltige Indizes im Angebot. Wer kostengünstig und unkompliziert nachhaltig anlegen möchte, wählt diese Angebote (konkrete Produkte gibt es übrigens in meinem Buch). Doch noch ist das Angebot leider gering. Es wird politisch aber daran gearbeitet, auch offizielle Labels durchzusetzen und die Unternehmen und Vermögensverwalter dazu zu zwingen über Nachhaltigkeit expliziter zu berichten. In Europa ist Frankreich besonders weit, was nachhaltige Geldanlage angeht. Es liegt wie so häufig an der Regulierung. Denn dort sind Vermögensverwalter bereits jetzt verpflichtet über die Nachhaltigkeit ihrer Anlagen zu berichten (da hörte ich kürzlich beim Ecologic Institut auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema und jetzt steht es auch bei der FAZ online).

Frankreich alleine ist natürlich nicht genug. Dass Norwegen mit seinem riesigen Ölfonds versucht ethisch anzulegen auch nicht. Beides ist aber ein Vorbild und zeigt, dass es möglich ist Kapital und Umwelt mehr in Einklang zu bringen.

Schmelzendes Eis, Svalbard Juni 2015 (Foto: Bomsdorf).
Klimawandel? Schmelzendes Eis, Svalbard Juni 2015 (Foto: Bomsdorf).

Interessant in diesem Zusammenhang und in den Medien (so gut wie?) kein Thema ist, dass beim Klimaabkommen von Paris nachhaltige Geldanlage ebenbürtig mit dem 2 Grad-Ziel aufgenommen worden ist. Schließlich steht dort in Artikel 2 Absatz 1 c), dass

“die Finanzmittelflüsse in Einklang gebracht werden [sollen] mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung”.

Hier geht es nur um den Klimaaspekt der Nachhaltigkeit (andere Aspekte z.B. hier), aber das ist immerhin ein Anfang. Privatanleger haben es in der Hand, von ihren Finanzinstituten noch mehr zu fordern und in Anlagen zu investieren, die auch in anderen Bereichen auf Nachhaltigkeit setzen. Damit langfristig nicht nur die monetäre Rendite stimmt.