und noch ein Verkaufserfolg für “So werden Sie reich wie Norwegen”

Bestsellerliste des Handelsblatt für Juni 2018.
Bestsellerliste des Handelsblatt für Juni 2018.

Heute morgen kam eine weitere erfreuliche Email von meinem Verlag, Campus in Frankfurt. Nachdem “So werden Sie reich wie Norwegen” bereits zum zweiten Mal auf der Bestsellerliste des Manager-Magazins (zweimal Platz 5) aufgetaucht ist, ein weiterer Verkaufserfolg. Mein Buch hat es nun auch auf das entsprechende Ranking des Handelsblatts geschafft und nimmt aktuell Rang 2 bei den meistverkauften Wirtschaftsbüchern Deutschlands ein.

Einmal Platz 5, einmal Nummer 2 und dabei geht es doch eigentlich um das selbe: die Wirtschaftsbestseller in Deutschland. Vielleicht ist es bei den Listen ein wenig so wie beim Performance-Vergleich von Geldanlagen: es kommt auf die Details an. Das Handelsblatt bezieht beispielsweise auch Daten direkt von den Verlagen, das heißt, was diese oder der Autor, nicht aber der Buchhandel verkauft, zählt hier mit, beim Manager-Magazin aber wohl nicht. Wie dem auch sei, ein Bestseller ist das Buch auf beiden Listen und das ist die Hauptsache.

Kaufen oder mieten? Börse oder Baracke?

Wohnhaus in Berlin (Foto: Bomsdorf).
Wohnhaus in Berlin (Foto: Bomsdorf).
Wohnhaus in Berlin (Foto: Bomsdorf).

Kaum jemand scheint in Deutschland so dumm zu sein, wie die Mieter. “Mieten ist doch Geld zum Fenster rausschmeißen, lieber kauf ich mir was eigenes”, tönt es oft abfällig von den (künftigen) Immobilienbesitzern. Welch ein Unsinn! Als würde es für die monatliche Miete keine Gegenleistung geben! Das Recht zu wohnen, ist auch etwas wert. Wer Taxi fährt, bekommt für sein Geld ja auch etwas (nämlich die Dienstleistung rumkutschiert zu werden) und nicht nur der, der sich im eigenen Wagen fortbewegt.

Das vorab. Der weitere Streit um die Frage “kaufen oder mieten” ist komplizierter. Wie gesagt behaupten viele, dass sich kaufen immer lohnt (aktuell – und dies ist der Anlass für diesen Text – rät zum Beispiel der Ökonom Harald Simons in Spiegel Daily Selbstnutzern zum Kauf, allerdings ist er weniger euphorisch als andere; im kürzlich von mir bereits erwähnten Interview mit Elroy Dimson hingegen empfiehlt dieser Aktien).

Kein Urteil ohne Vergleichsmaßstab

Lohnen oder nicht lohnen – wenn das finanziell betrachtet werden soll, muss es natürlich einen Vergleich geben, in diesem Fall wohl zum mieten. Es gibt viele Untersuchungen, die belegen oder zu belegen vorgeben, dass sich kaufen auch als Investment lohnt. Und es gibt sicherlich mindestens ebensoviele, die das Gegenteil behaupten, meist, weil es lohnender sei, stattdessen in Aktien zu investieren. Was die nicht selbst genutzte Immobilie gibt, wo also deren Wertsteigerung und die Mieteinnahmen die Rendite ausmachen, würde ich behaupten (sic!), dass es fast immer der Fall ist, langfristig mit Aktien besser zu fahren – alleine wegen des (unbezahlten, aber zu veranschlagenden) Arbeitseinsatzes bei der Verwaltung der Immobilie und den Nebenkosten.

(Neben-)kosten sind ein gutes Stichwort

“Wer eine Immobilie kauft, zahlt nicht nur den Kaufpreis dafür, sondern auch weitere Gebühren, zum Beispiel für den Notar und die Grunderwerbsteuer sowie die gegebenenfalls anfallende Maklerprovision. Diese Nebenkosten können 10 %, 15 % oder gar mehr des Kaufpreises ausmachen und werden auf diesen aufgeschlagen. Das heißt, es ist auch Kapital, das nicht anderweitig investiert werden kann und durch die Wertsteigerung und gegebenenfalls Mieteinnahmen oder -ersparnis erst erwirtschaftet werden muss. Später fallen dann laufend Zahlungen für die Instandsetzung oder Rückstellungen an, die sonst in der Miete enthalten sind. All diese Ausgaben müssen Sie berücksichtigen, wenn Sie die Rendite einer selbst genutzten oder vermieteten Immobilie berechnen. Vermutlich würden Sie Ihren Immobilienkauf zum Teil über Kredit finanzieren. Die Hypotheken- und Zinszahlungen dafür sind natürlich ebenso eine Ausgabe wie die Anzahlung auf den Kaufpreis. Ganz zu schweigen von der Zeit, die Sie für den Kauf und die Verwaltung einer Immobilie aufwenden müssen. Auch der Ölfonds weist für den Immobilienteil eine erheblich höhere Kostenquote aus als für den finanziellen Teil des Fonds, also die Aktien und Anleihen.

Auf der Einnahmeseite stehen die Mieteinnahmen beziehungsweise – sofern Sie Ihre Immobilie selbst bewohnen – die Mietersparnis und natürlich die Wertsteigerung. Lassen Sie sich von den rasant steigenden Preisen der vergangenen Jahre in Städten wie Berlin nicht täuschen; lange Zeit legten die Preise in der deutschen Hauptstadt kaum zu. Zumal vor zehn Jahren die Zinsen erheblich höher lagen, für eine preiswertere Wohnung mussten Sie für die monatliche Finanzierung also womöglich genauso viel ausgeben, wie heute für eine erheblich teurere. Die durchschnittliche jährliche Rendite auf die vergangenen 20 Jahre besehen ist erheblich niedriger, als Sie womöglich denken. Zudem gibt es viele, vor allem ländliche Gegenden, in denen die Preise fallen.” (Ein weiterer Auszug aus meinem Buch “So werden Sie reich wie Norwegen”.) 

Bevor Sie sich für einen Immobilienkauf entscheiden, sollten Sie alles ganz genau durchrechnen. In jedem Fall gilt: Eine Immobilie stellt ein Klumpenrisiko dar. Das bedeutet, ein Großteil des investierten Kapitals steckt in einer Anlage, die sich entweder gut entwickelt oder schlecht und entsprechend viel Einfluss auf die Gesamtperformance hat. Das gilt erst recht, wenn der Kauf kreditfinanziert ist, denn das verstärkt die Wirkung der Wertsteigerung oder des Wertverlustes, man spricht vom Hebeleffekt.

Warum Hausbesitzer oft dennoch wohlhabender sind

Es gibt zwei gute Gründe, warum Hausbesitzer oft wohlhabender sind, als diejenigen ohne Immobilie. Zum einen sind es eher die Besserverdienenden, die sich ein Eigenheim kaufen (können). Doch selbst wenn Leute verglichen werden, die genau dasselbe verdienen, kann ein Unterschied auftreten. Das liegt nicht etwa an der exorbitanten Wertsteigerung der Immobilie, sondern eher daran, dass

“Eigenheimbesitzer diszipliniertere Sparer sind. Das Phänomen heißt »Zwangssparen«. Wer eine Hypothek bedienen muss, hat keine Wahl: Jeden Monat muss für Zinsen und Tilgung ein bestimmter Betrag überwiesen werden. Dieser dient dazu, die Schulden bei der Bank abzubauen, und baut gleichzeitig das Immobilienvermögen auf (denn je mehr des Kredites abbezahlt ist, desto höher der Nettowert der Immobilie – also deren Preis minus Schulden). Freies Sparen und Investieren, zum Beispiel in ETFs nach der norwegischen Finanzformel, erfordert hingegen mehr Selbstdisziplin.”

Wer das erkannt hat, wird als Sparer den Betrag, denn Miete und Nebenkosten niedriger ist als die monatliche Ausgabe als Käufer, anlegen und dann längerfristig unabhängiger und womöglich auch wohlhabender sein als der Immobilienbesitzer. Wer dennoch kauft, tut es dann vor allem, weil er (oder sie!) halt die Wohnung oder das Haus besitzen möchte. Das ist völlig ok und ein gutes Argument, nur sollte das neunmalkluge “mieten ist Geld rausschmeißen” ein für allemal der Vergangenheit angehören.   Kaufen oder mieten – diese Frage muss jeder für sich beantworten, aber bitte rational und nicht vorurteilsbeladen (sehr empfehlenswert ist hierzu übrigens das Buch “Kaufen oder Mieten” von Gerd Kommer).

 

WM-Aus, Merkel und Deutschland am Ende! Börsen vor dem Absturz! So ein Quatsch

Nerven bewahren und Viel Glück!
Nerven bewahren und Viel Glück!

Börsen-Propheten und Journalisten haben eins gemeinsam: Freude an der Untergangsstimmung. Klassischerweise heißt es “Sex Seils”, doch wer den zu Anfang genannten gut zu hört, erkennt: düstere Aussichten verkaufen sich gut. Zumindest nehmen die Herren (denn leider, leider dominieren in Medien- wie Finanzbranche immer noch Männer) das an.

Am 1. Juli hatte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung im Politikteil (ja, wir kommen gleich noch zur Börse!) einen Artikel mit der Überschrift “Merkel am Ende”. Zunächst konnte man denken, der Autor Christoph Strauch vertritt genau diese These. Doch wer den Text las, erfuhr vor allem von der seit Jahren anhaltenden Untergangsphantasien der “lieben Kollegen” (wie die Journalisten in einer FAZ-Kolumne stets genannt werden). Demnach titelte der Spiegel schon im Jahr 2001 “Das Vertrauen ist weg”, es sei “einsam geworden um die Vorsitzende aus dem Osten”. Solch Sätze reiht der Artikel aneinander und wir alle wissen: Merkel ist immer noch eine der wesentlichen Figuren deutscher und internationaler Politik, ja, sie ist natürlich auch heute mächtiger und wichtiger als 2001.

Und damit zur Börse. Es lässt sich nämlich ein Muster erkennen, das auch immer wieder bei der Beschreibung der Finanzmärkte auftaucht: Panik und das nahezu genüssliche Niederschreiben von Personen/Unternehmen/positiven Stimmungen. Wie oft ist in den vergangenen Jahren zu lesen gewesen, dass Aktien überbewertet seien und ein Crash unmittelbar bevorstünde, jetzt aber wirklich. Wer sich davon hat beeinflussen lassen, dem ist viel Aufschwung und Rendite entgangen. Eins steht fest, irgendwann wird es wieder runtergehen, zwischenzeitlich. Aber die erwartete Rendite dürfte dennoch positiv sein. Deshalb gibt es nur einen richtigen Zeitpunkt zum Investieren: immer.

Zum Thema neben einem Verweis auf den aktuellen Beitrag des allgeschätzten, nüchternen Beobachter und Analysten Gerd Kommer (der auch im Campus-Verlag publiziert) sowie einen leicht modifizierten Beitrag aus meinem Buch “So werden Sie reich wie Norwegen”:

“Seien Sie kritisch bei Crash-Propheten, die angeblich die Finanzkrise 2008 oder andere Abstürze vorhergesagt haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass deren Prognosen sehr vage waren und/oder sie viele andere Dinge auch voraus­gesagt haben, diese aber nicht eingetreten sind. Diese Misserfolge bleiben aber unerwähnt. In dem Fall ist die angebliche Prognose wohl eher ein Zufallstreffer, der sich gut nachträglich rationalisieren lässt.”

WM-Aus für Deutschland! Aber in vier Jahren gibt's die nächste Chance.
WM-Aus für Deutschland! Aber in vier Jahren gibt’s die nächste Chance.

Und nochmal zur Überschrift. WM-Aus für Deutschland, ja, das stimmt. Damit ist aber weder der Fußball am Ende, noch sind die Zeiten so düster, dass man behaupten könnte, Deutschland oder Merkel stünden unglaublich schlecht da. Einfach mal auf die Wirtschaftsdaten unseres Landes schauen und die Umfragewerte der CDU – es könnte schlimmer sein. Und wenn eine Kanzlerin, die nunmehr dreizehn Jahre regiert, mal abdanken muss, dann ist das Demokratie und nicht die Erfüllung der düsteren Prophezeiungen von Journalisten, die sie seit Jahrzehnten runterschreiben (das ist im Übrigen keine pro- oder anti-Merkel-Positionierung, sondern nur eine nüchterne Beschreibung). Also besser: Nerven bewahren und Viel Glück!

Ich bin nicht allein (mit meinen Norwegen-Ölfonds-Ideen)

Egal ob allein, zu zweit oder zu vielen, in Oslos Paradiesbucht ist es immer schön (Wassertemperatur auf diesem Bild: geschätzte 2 Grad Celsius; Foto: Bomsdorf).
Egal ob allein, zu zweit oder zu vielen, in Oslos Paradiesbucht ist es immer schön (Wassertemperatur auf diesem Bild: geschätzte 2 Grad Celsius; Foto: Bomsdorf).

Binnen wenigen Minuten wiesen mich heute zwei Freunde auf ein Interview im Wirtschaftsmagazin Capital hin (beides mal übrigens über Blendle). Es ging wie so häufig um Norwegen und seinen Ölfonds. Im Interview mit Christian Kirchner (online steht eine kurze Zusammenfassung) spricht der anerkannte britische Akademiker Elroy Dimson über das Verhalten von Privatanlegern. Ganz zentral ist seine Erklärung, warum diese gut daran täten, sich am norwegischen Ölfonds zu orientieren.

Das zu lesen, hat mich natürlich sehr gefreut, zumal Dimson – der den Fonds über einige Jahre hinweg beraten hat – natürlich unabhängig von meinem Buch “So werden Sie reich wie Norwegen” (davon gehe ich jedenfalls aus 🙂 ) diese Idee hatte. Wenn der Chair des “Centre for Endowment Asset Management at Cambridge Judge Business School” und “Emeritus Professor of Finance at London Business School” die gleichen Thesen vertritt, ist das doch interessant.

Das sind Dimsons Hauptpunkte:

  1. Jeder kann anlegen, wie ein Staatsfonds (so lautet denn auch die Überschrift des Interviews ),
  2. weltweit waren historisch 5% reale Rendite pro Jahr bei Aktien drin,
  3. Immobilien liegen deutlich darunter, Untersuchungen, die anderes besagen, vernachlässigen mit dem Investment verbundene Kosten,
  4. Aktien bieten den Vorteil, dass das Risiko stark gestreut werden kann,
  5. Hyperinflationen und Kriege sind noch im kollektiven Bewusstsein der Deutschen und haben diesen die Lust an Aktien vergällt,
  6. das ist psychologisch verständlich, doch das Risiko lässt sich streuen – s.o. .
  7. … Ich mag hier nicht das ganze Interview wiedergegeben, denn es ist wirklich wert, gelesen zu werden und natürlich ist es alleine die paar Euro wert, die Capital online oder gedruckt kostet.

Übrigens erschien schon im Frühjahr bei Capital online ein Gastkommentar von mir in dem ich argumentiere, warum sich auch Privatanleger den Fonds zum Vorbild nehmen sollten. Nachzulesen hier (es lohnt auch ein Blick auf meine Presse-Seite).

Nicht, dass ich (dröge) Finanzwissenschaft und Liebeslyrik auch nur ansatzweise auf eine Stufe stellen mag, aber bei seinen Thesen nicht allein zu sein, ist ein schöner Anlass ein altes, schönes Lied zu hören: You’re not Alone.

“So werden Sie reich wie Norwegen” erneut auf der Bestsellerliste

"So werden Sie reich wie Norwegen" auch im Juli auf der Bestsellerliste des "Manager-Magazins". (Screenshot)
“So werden Sie reich wie Norwegen” auch im Juli auf der Bestsellerliste des “Manager-Magazins”. (Screenshot)

Auf Anhieb hatte es mein Buch “So werden Sie reich wie Norwegen” (Campus Verlag, 19,95 Euro) auf Platz 5 der Bestsellerliste vom Wirtschaftsmagazin “Manager-Magazin” geschafft. Das war ebenso gut wie überraschend und der Verlag musste auch schon nachdrucken. Nicht minder erfreut war ich, jetzt zu hören und zu lesen, dass sich das Buch auch im zweiten Monat auf der Position gehalten hat. Vielleicht bleibt das ja noch einen dritten Monat so. Mich würde es freuen. Für alle, die das Buch noch nicht haben, auf in den lokalen Buchhandel oder halt online zu Bücher.de oder Amazon.

Nachhaltigkeit: Waffenhersteller Heckler & Koch verschiebt Hauptversammlung wegen Aktionärsdemokratie

Ein bisschen widersprüchlich klingt es schon. Erst bedankt sich der Vorstand von Heckler & Koch bei den vielen Aktionären, die am morgigen Dienstag, 26. Juni 2018, an der Hauptversammlung des deutschen Waffenherstellers teilnehmen möchten. Dann sagt er genau dieses Aktionärstreffen im nächsten Satz ab.

In der entsprechenden Investor Relations-Mitteilung heißt es: “Erfreulicherweise kam es zu einer unerwartet hohen Anmeldezahl, die unsere Erwartungen und Erfahrungswerte der letzten Jahre und den für die Hauptversammlung vorgesehenen Rahmen überstieg. Leider müssen wir daher die für den 26.06.2018 vorgesehene Hauptversammlung kurzfristig absagen und verschieben.”

Geht es wirklich nur darum, einen größeren Raum zu finden oder hofft das Management doch ganz einfach, dass zu einer verschobenen Hauptversammlung nicht mehr ganz so viele Anteilseigner kommen? Denn Heckler & Koch und seine Aktionäre, das ist nicht immer ganz einfach. Schließlich haben einige von ihnen ganz genau verstanden, welche Vorteile der aktienbasierte Kapitalismus mit sich bringt, nämlich Mitsprache- und vor allem Rederecht. Nicht umsonst heißt es Aktionärsdemokratie.

So gehört der Waffenhersteller zu den Unternehmen, deren Gebahren die Kritischen Aktionäre schon lange zu beeinflussen versuchen (hier die aktuellste Meldung). Zum Verständnis reicht ein Blick ein Jahr zurück und in mein Buch “So werden Sie reich wie Norwegen”:

“Als im Sommer 2017 der deutsche Waffenhersteller Heckler & Koch seine Aktionäre einlud, waren keine Journalisten dabei, der Kleinaktionär Jürgen Grässlin aber schon. Er thematisierte vor Ort problematische Geschäftspraktiken und erreichte mit Berichten darüber in der überregionalen Presse womöglich mehr Aufmerksamkeit als eine kleine Wirtschaftsnachricht eines anwesenden Journalisten. Grässlin arbeitet mit dem Verband der Kritischen Aktionäre zusammen. Dieser setzt sich dafür ein, dass bestimmte gesellschaftliche Fragen von Großunternehmen jedenfalls nicht vollständig ignoriert werden können. Das ist im Kleinen vergleichbar mit dem, was der Ölfonds im Großen mit seinen Positionspapieren und Anfragen an die Unternehmen macht. In diesem Fall wird also gezielt in ein Unternehmen investiert, um es zu beeinflussen, statt es – so wie es mit der schwarzen Liste des Ölfonds geschieht – zu boykottieren.”

Auch diesmal wollte Grässlin wieder dabei sein und es ist nicht davon auszugehen, dass Heckler & Koch ihn los wird, indem die Hauptversammlung verschoben wird. Wer eine möglichst nachhaltige Welt haben möchte, sollte Aktionär werden und versuchen, Unternehmen in seinem Sinne zu beeinflussen – in vielen Fällen wird man dabei gar nicht einmal so weit gehen müssen, wie Grässlin. Übrigens: auch Verbraucher haben Macht. Nicht immer muss auf den Staat gewartet werden, um etwas zu bewirken.

Investieren ist kein Poker-Spiel. Oder doch?

Wenn es um internationale Politik oder um Finanzen geht, dann ist selten ein Magazin so lesenswert wie der britische Economist. Aktuell ist auf der Website ein frei zugänglicher und eingänglicher Vergleich zwischen Poker spielen und investieren zu lesen. Die beiden hätten so Einiges gemeinsam und es lohne, ähnliche Regeln anzuwenden.

Nur kurz (es ist Sonntag) ein paar Gedanken: Bei dem Kartenspiel wie an der Börse spielt der Zufall eine große Rolle. Und die Emotionen tun es ebenso. Die wichtigste Konsequenz? An einer Strategie festhalten. Das (siehe Emotionen) ist einfacher gesagt als getan, doch der kurze Text im Economist macht deutlich, dass das wohl das Beste ist, wenn man eben (siehe Zufall) nicht alles in der Hand hat.

 

Noch mehr China im Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets und was Privatanleger damit anfangen können

Schwellenländer wie China, Brasilien oder Ägypten gelten vielen Anlegern als besonders riskant; nicht ganz zu unrecht, schwanken die Papiere dort doch erheblich stärker als die der großen Industrienationen. Das zeigt allein ein Vergleich des MSCI Emerging Markets mit dem MSCI World, wie ihn MSCI zum Beispiel in diesem Dokument selber vornimmt. Der enthaltene Chart zeigt aber auch, dass die Schwellenländeraktien längerfristig erheblich stärker gestiegen sind.

China bekommt dieser Tage besonders viel Aufmerksamkeit von Investoren, hat MSCI doch chinesische Aktien neu im Schwellenländerindex aufgenommen. Allerdings sind nur einige Aktien aus China neu im MSCI Emerging Markets, denn viele enthält der Index schon jetzt, sogar so viele, dass China mit fast 30% das Land ist, das das größte Gewicht hat. Wer sich mit dem Index beschäftigt, sollte wissen, dass es also nur um eine Erweiterung geht und keine Neuaufnahme Chinas. MSCI definiert als Schwellenländer (auch aufstrebende Volkswirtschaften genannt oder eben auf Englisch Emerging Markets) übrigens nicht nur die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China sowie einige Volkswirtschaften, die sicher viele ebenso dazu zählen würden wie Ägypten, Indonesien, Malaysia oder Mexiko, sondern auch Tschechien, Griechenland und Polen – allesamt EU-Mitglieder also.

Welche Bedeutung Schwellenländer im persönlichen Portfolio haben sollen, ist eine der grundsätzlichen Entscheidungen einer längerfristigen Anlagestrategie. Die Aktien sorgen für Rendite und Schwankungen, letztere allerdings haben historisch nicht so stark mit denen der entwickelten Volkswirtschaften korreliert, deshalb kann eine Kombination aus beiden das Risiko senken.

Der norwegische Ölfonds hat nicht von Beginn an auf diese Anlagen gesetzt, sondern erst etwas später, dann aber sehr erfolgreich. Ende 2017 waren 10 Prozent des Fondsvolumens in Emerging Markets angelegt (vgl. Jahresbericht 2017 S. 26). Wer bereit ist, ein höheres Risiko einzugehen, setzt auf 20%.

 

(Frei)Handel mit Trump – Strafzölle und zurück zum Merkantilismus?

Handel mit Wandel oder Kaufmann von Venedig (Foto: Bomsdorf)
Handel mit Wandel oder Kaufmann von Venedig (Foto: Bomsdorf)

Trump trumpft auf und erhebt Strafzölle auf europäische Produkte. Wobei es gar nicht entscheidend ist, dass es Straf-Zölle sein sollen, Zölle sind meist problematisch genug. Sie behindern den freien Handel. Denn plötzlich ist nicht mehr der eigentliche Preis einer Ware entscheidend, sondern der künstlich geänderte Endpreis.

Wenn von heut auf morgen plötzlich 7,30 Euro auf jeden Liter nichtalkoholischer Getränke anfallen würde, würden die Leute sicher mehr als jetzt zu Bier und Wein greifen und sich “einen reinstellen” wie es in manchen Teilen Deutschlands heißt, das aber nur halbfreiwillig, denn Marktpreise vorausgesetzt, würden sie sicher Wasser, Saft, Milch und Kaffee vorziehen. Die Strafabgabe zerrt also Wunsch und Wirklichkeit auseinander.

Genauso machen es Trumps Strafzölle. Wenn Stahl aus Europa durch diese in den USA nun teurer wird als das heimische Produkt, so werden die Käufer dort quasi gezwungen zu kaufen, was sie eigentlich (nämlich zum ehrlichen Preis) nicht wollen.

Damit erscheint ein eigentlich weniger wettbewerbsfähiges Produkt plötzlich attraktiver. Schade um die Marktwirtschaft und den damit verbundenen Wohlstandsverlust, denn natürlich könnte mehr und/oder besser konsumiert werden, wenn das preiswertere Produkt eine reelle Chance hätte.

Wie gut freier Handel für ärmere wie reichere Länder mit unterschiedlicher Wirtschaftsstruktur sein kann, hat David Ricardo vor Ewigkeiten gezeigt. Denn dieses Jahr ist es nicht nur 150 Jahr her, dass mit Das Kapital das Standardwerk von Karl Marx erschienen ist, auch mit Ricardo ist ein Jubiläum zu feiern: 200 Jahre kooperativer Kostenvorteil. Wenn sich Länder auf die Güter spezialisieren können, die sie besser und also günstiger herstellen können – und sei es relativ – nutzt das der ganzen Weltwirtschaft. Damals war diese Erkenntnis eine Abkehr vom Merkantilismus.

Merkantilismus? Was war das nochmal? Richtig: “eine durch massive Staatseingriffe in die Wirtschaft gekennzeichnete Wirtschaftspolitik während der Zeit des Absolutismus zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Ziel war die Steigerung der nationalen Wirtschaftskraft und die Erhöhung der Staatseinkünfte, z. B. durch die Erhebung von Schutzzöllen und die Förderung der frühindustriellen Produktion.” Hier einfach mal das Datum durch 2018 ersetzen und schon stimmt es auf das Schreckensszenario, an das Trump sich derzeit macht. Für die Weltwirtschaft sind das düstere Aussichten, für Investoren einerseits auch, andererseits ist es immer noch besser investiert zu bleiben und schwächeres Wachstum mit zu machen, als jetzt die Reißleine zu ziehen und wieder nur am Rande zu stehen mit Bargeld, das langfristig garantiert an Wert verliert.

Benchmark? Welche Benchmark?

“Der Vergleich hinkt” oder “Man kann keine Äpfel mit Birnen vergleichen” sind beliebte Argumente, um sich unbeliebter Kritiker zu entledigen. Aber natürlich können Äpfel mit Birnen verglichen werden, bestens sogar, denn die Unterschiede sind gut zu erkennen und viele Vergleiche, die angeblich hinken, werden dadurch nicht schlechter. Wenn die Performance, also der Erfolg, von Anlageprodukten und damit der Geldanlage verglichen wird, ist es wichtig, zumindest zu wissen, ob da Äpfel und Birnen (die in dem Fall die Benchmark wären) verglichen werden oder was da geschieht.

Die Süddeutsche Zeitung hat heute einen Text online in dem die Performance von Roboadvisern (wer eine schönere Pluralbildung kennt, bitte melden..) verglichen wird. Verglichen womit? Untereinander und – mit dem DAX? Das kann man machen, denn für den deutschen Kleinanleger ist der DAX häufig der bekannteste Index und womöglich auch ein potenzielles Investment (in Form eines ETF auf den DAX). Deshalb habe auch ich für mein Buch “So werden Sie reich wie Norwegen” die Performance des DAX mit dem Ölfonds verglichen, der DAX diente hier also als Benchmark. Dass sich beide unterschiedlich entwickeln ist nicht zuletzt deshalb wenig verwunderlich, weil der DAX ein höheres Risiko hat (das er trotzdem in der langen Periode 1998-2016 schlechter abschneidet, spricht klar gegen ein Investment in den DAX und für eins in ein nach dem Ölfondsvorbild aufgebautes Portfolio). Die Süddeutsche begeht aber den Fehler nicht zu erläutern, warum ein Vergleich mit dem DAX sinnvoll sein kann und erwähnt auch nicht das grundsätzlich andere Risiko.

Die Portfolios der Roboadviser hat sich dieses Frühjahr deutlich anders entwickelt als der DAX, diese sind (vgl Risiko) weniger stark gefallen. Kein Wunder, denn es handelt sich anders als beim DAX nicht um reine Aktienportfolios. Wenn nicht auf das deutlich unterschiedliche Risikoniveau eingegangen wird, ist der Vergleich, den die Website Brokervergleich anstellt (und auf den die Süddeutsche sich auch bezieht), sinnvoller als der der Süddeutschen. Bei Brokervergleich wird ein Portfolio, dass zu 50% aus dem MSCI World sowie zu 50% aus Staatsanleihen (Barclays Aggregate) besteht herangezogen – es schneidet häufig und vor allem längerfristig (2 und 3 Jahre) besser ab als die Roboaadviser. Am besten aber steht das Weltportfolio von Kommer da, das in seinem Zugang dem norwegischen Ölfonds ziemlich ähnlich ist. Wer sich an dem größten Staatsfonds der Welt orientiert, kann sich neumodische Roboadviser also womöglich sparen und macht dennoch einen besseren Schnitt.  q.e.d. ?