Sparen fürs Auto oder fürs Alter?

“Altersarmut” scheint mir derzeit eines der Schlagworte zu sein, die Journalisten und Politiker besonders gerne benutzen. Oft ergänzen sie dieses ohnehin schon erschreckende Wort noch um das Adjektiv “drohend”. Theoretisch schwächt diese Ergänzung den Schrecken ab, geht damit doch eine Wahrscheinlichkeit, die unter 100% liegt, einher. Man könnte also auch von “möglicher Altersarmut” sprechen. Doch weil es nunmal “drohend” heißt, wird so aus einer noch abzuwehrenden Gefahr eine Bedrohung, bei der wohl nur noch wenige daran denken, dass diese auch verhindert werden kann  – zum Beispiel durch sparen.

Sparen und dann den Lebensabend im Süden verbringen, dürfte für viele ein Traum bleiben, aber manchmal könnte die Realität der Traumvorstellung ohnehin nicht standhalten. (Foto: Bomsdorf)
Sparen und dann den Lebensabend im Süden verbringen, dürfte für viele ein Traum bleiben, aber manchmal könnte die Realität der Traumvorstellung ohnehin nicht standhalten. (Foto: Bomsdorf)

Für ein paar Überlegungen ist der Artikel von Kollegin Nadine Oberhuber, aktuell bei Zeit online zu lesen, empfehlenswert. Der Titel “Die große Rentenangst” wirkt panisch. Wer bis zu Ende liest kommt aber auf den Gedanken, dass diese Angst in vielen Fällen übertrieben ist. Denn dort heißt es unter anderem

“Peter Haan, Finanzwissenschaftler am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ist Mitautor einer Studie für die Bertelsmann Stiftung, die eine Prognose für das Jahr 2036 aufstellt: “Die Altersarmut wird insgesamt gar nicht so groß sein, aber es gibt Problemgruppen”, sagt er.”

Interessant ist besonders, dieser eine Satz:

“Aktuell gebe es im Osten weniger Altersarmut als im Westen.”

Dem allerdings folgt gleich die Einschränkung, die auch Erklärung ist:

“Vor allem wegen der oft niedrigen Lebenshaltungskosten und wegen der DDR-Erwerbsbiografien, dort arbeiteten die Frauen deutlich mehr. Doch das Verhältnis wird sich umkehren”.

Oberhuber berichtet auch noch davon, dass Paare häufig ähnlich gut oder schlecht verdienen würden, die Renten also nicht einander auffangen könnten.

Ein großes Problem des derzeitigen Rentensystems im Umlageverfahren (wo also aktuell Erwerbstätige für aktuelle Rentner zahlen) ist der vielzitierte demographische Wandel. Die Leute werden immer älter und so schön das ist heißt das auch, dass immer länger für deren Rente gezahlt werden muss. Und zwar von immer weniger Erwerbstätigen, weil die Bevölkerung schrumpft.

Dagegen gibt es ein einfaches Rezept: Mit der Lebenserwartung darf nicht länger nur die Rentenzeit steigen, sondern es muss auch die Lebensarbeitszeit zunehmen. Das heißt, statt in den 60ern in Rente zu gehen, muss dieser Zeitpunkt in die 70er verschoben werden. Dank der zunehmenden Lebenserwartung ist die Rentendauer und damit die Zahl der freien Jahre, in denen dem angeblich so schönen Rentnerdasein gefrönt werden kann, nicht kürzer.

Nach so einer radikalen Rentenreform sieht es in Deutschland aber derzeit nicht aus. Stattdessen bleibt es mehr oder weniger beim Alten, was in gewisser Weise einem Rückbau des Sozialstaats gleichkommt. Das Rentenzugangsalter in etwa stabil zu halten, ist eben nicht wie vielfach argumentiert eine Stärkung des Sozialstaats, sondern eine Schwächung, denn es führt zu Finanzierungslücken bei der Rente. Was wiederum zur in der Überschrift gestellten Eingangsfrage führt: Wofür sparen und investieren? Für das Auto in ein paar Jahren oder für das Alter in etlichen Jahren?

Ferrari oder Freiheit - manchmal geht finanziell nur eins von beidem. (Foto: Bomsdorf)
Ferrari oder Freiheit – manchmal geht finanziell nur eins von beidem. (Foto: Bomsdorf)

Oftmals geht es denen die sparen nicht nur darum, in ein paar Jahren Geld für Anschaffungen, auf die notfalls auch verzichtet werden könnte, zu haben. Nein, vielfach soll jetzt investiert werden, um in Zukunft nicht zu verarmen. Die Sozialsysteme werden immer stärker ausgedünnt und vor allem das gesetzliche Rentensystem wird schwächer und deshalb die Eigenvorsorge immer wichtiger.

Man kann nun schimpfen, dass es ein Unding sei, dass der Staat sich aus der Verantwortung stehle. Das zu denken ist bis zu einem gewissen Grad völlig in Ordnung – auch, wenn eben nicht außer Acht gelassen werden sollte, dass die demographische Entwicklung mit immer mehr älteren Menschen kaum anderes zulässt. Wut alleine hat an einer Sache aber noch nie etwas geändert. Viel besser ist es deshalb, nicht (nur) zu schimpfen, sondern etwas zu unternehmen.

Auch das kann von Norwegen gelernt werden: pragmatisch sein und etwas tun statt über widrige Umstände zu klagen. Und das heißt in diesem Fall: So investieren, dass mehr dabei herumkommt als wenn Sie lediglich dem deutschen Staat vertrauen, der nun einmal nicht so reich und vielleicht auch nicht so vorausschauend agiert wie der norwegische mit seinem Staatsfonds, dem Ölfonds.

Mit der Anlagestrategie des norwegischen Ölfonds können Sie es mit 2 Euro täglich schaffen, in weniger als 10 Jahren 10.000 Euro extra auf dem Konto zu haben. Mit einer Sparrate von nicht einmal 10 Euro pro Tag erreichen Sie nach 20 Jahren sogar 160.000 Euro oder mehr, so wie es dem norwegischen Ölfonds gelungen ist – pro Einwohner (weitere Daten, auch mit realer Rendite in meinem Buch)! Früh genug angefangen, kann das viel von der “großen Rentenangst” nehmen.

Erspartes Vermögen unterschiedlicher monatlicher Sparraten bei 6% Ölfonds-Rendite

Finanzielles Basiswissen mag langweilig sein, hilft aber viel

Wer unabhängig sein und ein gutes Leben führen möchte, sollte (um hier mal bei den Eigenschaften zu bleiben, die klassischerweise in der Schule vermittelt werden) nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen können, sondern auch ein gewisses Verständnis vom Geld mitbringen – allein, damit er nicht übers Ohr gehauen wird. Finanzielles Basiswissen das klingt so was von langweilig und auch ich lese lieber Kehlmann als Kommer, bin aber froh, mich einmal ausgiebig mit Geldanlage auseinandergesetzt zu haben.

In einer aktuellen Studie des Bundesverbandes deutscher Banken (veröffentlicht am 25. Juli 2018) heißt es, dass das “Wirtschafts- und Finanzwissen der jungen Leute immer noch bedenkliche Lücken auf[weist]”.

  • Inflation?
  • Aktie?
  • Rendite?

Mit diesen Begriffen können viele jungen Leute nichts anfangen. Schade, denn wer Grundlegendes versteht (hier ein Beitrag zum möglichen Missverständnis von Rendite beim Immobilienkauf), hat bessere Aussichten langfristig erfolgreich zu sein. Das heißt auch, er (oder sie) muss erheblich weniger monatlich zurücklegen und investieren, als derjenige, der kaum Ahnung hat.

Immerhin steht es um die Deutschen aller Altersklassen international in Sachen “Financial Literacy” gar nicht so schlecht. “Financial Literacy” ist der Fachbegriff, der analog zur Alphabetisierungsrate Numerisierungsrate genannt werden könnte.

Global Financial Literacy Survey 2014 Top 5 (Diagramm: Bomsdorf, Datenquelle: gflec.org)
Global Financial Literacy Survey 2014 Top 5 (Diagramm: Bomsdorf, Datenquelle: gflec.org)

Laut Global Financial Literacy Survey 2014 (das ist die derzeit neuste Ausgabe) steht Deutschland mit den Niederlanden auf Platz drei. Ganz oben mal wieder: Norwegen. Gemeinsam mit Schweden und Dänemark liegt das Land, das so vorbildlich mit seinen Rohstoffeinnahmen umgeht, auf Platz 1. Geprüft wird in der von Standard & Poor’s herausgegebenen Studie, ob drei Begriffe prinzipiell verstanden wurden, die machen also in der Studie finanzielles Basiswissen aus:

  • Zinsezinseffekt,
  • Inflation,
  • Risikostreuung.

Machen Sie den Test doch einmal selbst und zwar hier.

Nachhaltigkeit bei der Geldanlage ist Langfristigkeit

Gletscher bei Svalbard, Juni 2015 (Foto: Bomsdorf).
Gletscher bei Svalbard, Juni 2015 (Foto: Bomsdorf).

Ob es das Wort Langfristigkeit gibt, darüber herrscht Streit. Im Duden online ist es nicht zu finden, im Pons und in diversen auch renommierten Medien aber schon. In der Geldanlage jedenfalls ist Langfristigkeit entscheidend und diese darf nicht ohne Nachhaltigkeit kommen. Denn, wenn etwas langfristig, aber nicht nachhaltig ist, dann ist der Schaden groß. Um unsere Umwelt und Gesellschaft langfristig zu erhalten, muss nachhaltig gedacht und vor allem gehandelt werden. Doch wie die geeignete nachhaltige Geldanlage finden?

Aktuell haben die Indexanbieter wie MSCI und DowJones auch nachhaltige Indizes im Angebot. Wer kostengünstig und unkompliziert nachhaltig anlegen möchte, wählt diese Angebote (konkrete Produkte gibt es übrigens in meinem Buch). Doch noch ist das Angebot leider gering. Es wird politisch aber daran gearbeitet, auch offizielle Labels durchzusetzen und die Unternehmen und Vermögensverwalter dazu zu zwingen über Nachhaltigkeit expliziter zu berichten. In Europa ist Frankreich besonders weit, was nachhaltige Geldanlage angeht. Es liegt wie so häufig an der Regulierung. Denn dort sind Vermögensverwalter bereits jetzt verpflichtet über die Nachhaltigkeit ihrer Anlagen zu berichten (da hörte ich kürzlich beim Ecologic Institut auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema und jetzt steht es auch bei der FAZ online).

Frankreich alleine ist natürlich nicht genug. Dass Norwegen mit seinem riesigen Ölfonds versucht ethisch anzulegen auch nicht. Beides ist aber ein Vorbild und zeigt, dass es möglich ist Kapital und Umwelt mehr in Einklang zu bringen.

Schmelzendes Eis, Svalbard Juni 2015 (Foto: Bomsdorf).
Klimawandel? Schmelzendes Eis, Svalbard Juni 2015 (Foto: Bomsdorf).

Interessant in diesem Zusammenhang und in den Medien (so gut wie?) kein Thema ist, dass beim Klimaabkommen von Paris nachhaltige Geldanlage ebenbürtig mit dem 2 Grad-Ziel aufgenommen worden ist. Schließlich steht dort in Artikel 2 Absatz 1 c), dass

“die Finanzmittelflüsse in Einklang gebracht werden [sollen] mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung”.

Hier geht es nur um den Klimaaspekt der Nachhaltigkeit (andere Aspekte z.B. hier), aber das ist immerhin ein Anfang. Privatanleger haben es in der Hand, von ihren Finanzinstituten noch mehr zu fordern und in Anlagen zu investieren, die auch in anderen Bereichen auf Nachhaltigkeit setzen. Damit langfristig nicht nur die monetäre Rendite stimmt.

und noch ein Verkaufserfolg für “So werden Sie reich wie Norwegen”

Bestsellerliste des Handelsblatt für Juni 2018.
Bestsellerliste des Handelsblatt für Juni 2018.

Heute morgen kam eine weitere erfreuliche Email von meinem Verlag, Campus in Frankfurt. Nachdem “So werden Sie reich wie Norwegen” bereits zum zweiten Mal auf der Bestsellerliste des Manager-Magazins (zweimal Platz 5) aufgetaucht ist, ein weiterer Verkaufserfolg. Mein Buch hat es nun auch auf das entsprechende Ranking des Handelsblatts geschafft und nimmt aktuell Rang 2 bei den meistverkauften Wirtschaftsbüchern Deutschlands ein.

Einmal Platz 5, einmal Nummer 2 und dabei geht es doch eigentlich um das selbe: die Wirtschaftsbestseller in Deutschland. Vielleicht ist es bei den Listen ein wenig so wie beim Performance-Vergleich von Geldanlagen: es kommt auf die Details an. Das Handelsblatt bezieht beispielsweise auch Daten direkt von den Verlagen, das heißt, was diese oder der Autor, nicht aber der Buchhandel verkauft, zählt hier mit, beim Manager-Magazin aber wohl nicht. Wie dem auch sei, ein Bestseller ist das Buch auf beiden Listen und das ist die Hauptsache.

Kaufen oder mieten? Börse oder Baracke?

Wohnhaus in Berlin (Foto: Bomsdorf).
Wohnhaus in Berlin (Foto: Bomsdorf).
Wohnhaus in Berlin (Foto: Bomsdorf).

Kaum jemand scheint in Deutschland so dumm zu sein, wie die Mieter. “Mieten ist doch Geld zum Fenster rausschmeißen, lieber kauf ich mir was eigenes”, tönt es oft abfällig von den (künftigen) Immobilienbesitzern. Welch ein Unsinn! Als würde es für die monatliche Miete keine Gegenleistung geben! Das Recht zu wohnen, ist auch etwas wert. Wer Taxi fährt, bekommt für sein Geld ja auch etwas (nämlich die Dienstleistung rumkutschiert zu werden) und nicht nur der, der sich im eigenen Wagen fortbewegt.

Das vorab. Der weitere Streit um die Frage “kaufen oder mieten” ist komplizierter. Wie gesagt behaupten viele, dass sich kaufen immer lohnt (aktuell – und dies ist der Anlass für diesen Text – rät zum Beispiel der Ökonom Harald Simons in Spiegel Daily Selbstnutzern zum Kauf, allerdings ist er weniger euphorisch als andere; im kürzlich von mir bereits erwähnten Interview mit Elroy Dimson hingegen empfiehlt dieser Aktien).

Kein Urteil ohne Vergleichsmaßstab

Lohnen oder nicht lohnen – wenn das finanziell betrachtet werden soll, muss es natürlich einen Vergleich geben, in diesem Fall wohl zum mieten. Es gibt viele Untersuchungen, die belegen oder zu belegen vorgeben, dass sich kaufen auch als Investment lohnt. Und es gibt sicherlich mindestens ebensoviele, die das Gegenteil behaupten, meist, weil es lohnender sei, stattdessen in Aktien zu investieren. Was die nicht selbst genutzte Immobilie gibt, wo also deren Wertsteigerung und die Mieteinnahmen die Rendite ausmachen, würde ich behaupten (sic!), dass es fast immer der Fall ist, langfristig mit Aktien besser zu fahren – alleine wegen des (unbezahlten, aber zu veranschlagenden) Arbeitseinsatzes bei der Verwaltung der Immobilie und den Nebenkosten.

(Neben-)kosten sind ein gutes Stichwort

“Wer eine Immobilie kauft, zahlt nicht nur den Kaufpreis dafür, sondern auch weitere Gebühren, zum Beispiel für den Notar und die Grunderwerbsteuer sowie die gegebenenfalls anfallende Maklerprovision. Diese Nebenkosten können 10 %, 15 % oder gar mehr des Kaufpreises ausmachen und werden auf diesen aufgeschlagen. Das heißt, es ist auch Kapital, das nicht anderweitig investiert werden kann und durch die Wertsteigerung und gegebenenfalls Mieteinnahmen oder -ersparnis erst erwirtschaftet werden muss. Später fallen dann laufend Zahlungen für die Instandsetzung oder Rückstellungen an, die sonst in der Miete enthalten sind. All diese Ausgaben müssen Sie berücksichtigen, wenn Sie die Rendite einer selbst genutzten oder vermieteten Immobilie berechnen. Vermutlich würden Sie Ihren Immobilienkauf zum Teil über Kredit finanzieren. Die Hypotheken- und Zinszahlungen dafür sind natürlich ebenso eine Ausgabe wie die Anzahlung auf den Kaufpreis. Ganz zu schweigen von der Zeit, die Sie für den Kauf und die Verwaltung einer Immobilie aufwenden müssen. Auch der Ölfonds weist für den Immobilienteil eine erheblich höhere Kostenquote aus als für den finanziellen Teil des Fonds, also die Aktien und Anleihen.

Auf der Einnahmeseite stehen die Mieteinnahmen beziehungsweise – sofern Sie Ihre Immobilie selbst bewohnen – die Mietersparnis und natürlich die Wertsteigerung. Lassen Sie sich von den rasant steigenden Preisen der vergangenen Jahre in Städten wie Berlin nicht täuschen; lange Zeit legten die Preise in der deutschen Hauptstadt kaum zu. Zumal vor zehn Jahren die Zinsen erheblich höher lagen, für eine preiswertere Wohnung mussten Sie für die monatliche Finanzierung also womöglich genauso viel ausgeben, wie heute für eine erheblich teurere. Die durchschnittliche jährliche Rendite auf die vergangenen 20 Jahre besehen ist erheblich niedriger, als Sie womöglich denken. Zudem gibt es viele, vor allem ländliche Gegenden, in denen die Preise fallen.” (Ein weiterer Auszug aus meinem Buch “So werden Sie reich wie Norwegen”.) 

Bevor Sie sich für einen Immobilienkauf entscheiden, sollten Sie alles ganz genau durchrechnen. In jedem Fall gilt: Eine Immobilie stellt ein Klumpenrisiko dar. Das bedeutet, ein Großteil des investierten Kapitals steckt in einer Anlage, die sich entweder gut entwickelt oder schlecht und entsprechend viel Einfluss auf die Gesamtperformance hat. Das gilt erst recht, wenn der Kauf kreditfinanziert ist, denn das verstärkt die Wirkung der Wertsteigerung oder des Wertverlustes, man spricht vom Hebeleffekt.

Warum Hausbesitzer oft dennoch wohlhabender sind

Es gibt zwei gute Gründe, warum Hausbesitzer oft wohlhabender sind, als diejenigen ohne Immobilie. Zum einen sind es eher die Besserverdienenden, die sich ein Eigenheim kaufen (können). Doch selbst wenn Leute verglichen werden, die genau dasselbe verdienen, kann ein Unterschied auftreten. Das liegt nicht etwa an der exorbitanten Wertsteigerung der Immobilie, sondern eher daran, dass

“Eigenheimbesitzer diszipliniertere Sparer sind. Das Phänomen heißt »Zwangssparen«. Wer eine Hypothek bedienen muss, hat keine Wahl: Jeden Monat muss für Zinsen und Tilgung ein bestimmter Betrag überwiesen werden. Dieser dient dazu, die Schulden bei der Bank abzubauen, und baut gleichzeitig das Immobilienvermögen auf (denn je mehr des Kredites abbezahlt ist, desto höher der Nettowert der Immobilie – also deren Preis minus Schulden). Freies Sparen und Investieren, zum Beispiel in ETFs nach der norwegischen Finanzformel, erfordert hingegen mehr Selbstdisziplin.”

Wer das erkannt hat, wird als Sparer den Betrag, denn Miete und Nebenkosten niedriger ist als die monatliche Ausgabe als Käufer, anlegen und dann längerfristig unabhängiger und womöglich auch wohlhabender sein als der Immobilienbesitzer. Wer dennoch kauft, tut es dann vor allem, weil er (oder sie!) halt die Wohnung oder das Haus besitzen möchte. Das ist völlig ok und ein gutes Argument, nur sollte das neunmalkluge “mieten ist Geld rausschmeißen” ein für allemal der Vergangenheit angehören.   Kaufen oder mieten – diese Frage muss jeder für sich beantworten, aber bitte rational und nicht vorurteilsbeladen (sehr empfehlenswert ist hierzu übrigens das Buch “Kaufen oder Mieten” von Gerd Kommer).

 

WM-Aus, Merkel und Deutschland am Ende! Börsen vor dem Absturz! So ein Quatsch

Nerven bewahren und Viel Glück!
Nerven bewahren und Viel Glück!

Börsen-Propheten und Journalisten haben eins gemeinsam: Freude an der Untergangsstimmung. Klassischerweise heißt es “Sex Seils”, doch wer den zu Anfang genannten gut zu hört, erkennt: düstere Aussichten verkaufen sich gut. Zumindest nehmen die Herren (denn leider, leider dominieren in Medien- wie Finanzbranche immer noch Männer) das an.

Am 1. Juli hatte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung im Politikteil (ja, wir kommen gleich noch zur Börse!) einen Artikel mit der Überschrift “Merkel am Ende”. Zunächst konnte man denken, der Autor Christoph Strauch vertritt genau diese These. Doch wer den Text las, erfuhr vor allem von der seit Jahren anhaltenden Untergangsphantasien der “lieben Kollegen” (wie die Journalisten in einer FAZ-Kolumne stets genannt werden). Demnach titelte der Spiegel schon im Jahr 2001 “Das Vertrauen ist weg”, es sei “einsam geworden um die Vorsitzende aus dem Osten”. Solch Sätze reiht der Artikel aneinander und wir alle wissen: Merkel ist immer noch eine der wesentlichen Figuren deutscher und internationaler Politik, ja, sie ist natürlich auch heute mächtiger und wichtiger als 2001.

Und damit zur Börse. Es lässt sich nämlich ein Muster erkennen, das auch immer wieder bei der Beschreibung der Finanzmärkte auftaucht: Panik und das nahezu genüssliche Niederschreiben von Personen/Unternehmen/positiven Stimmungen. Wie oft ist in den vergangenen Jahren zu lesen gewesen, dass Aktien überbewertet seien und ein Crash unmittelbar bevorstünde, jetzt aber wirklich. Wer sich davon hat beeinflussen lassen, dem ist viel Aufschwung und Rendite entgangen. Eins steht fest, irgendwann wird es wieder runtergehen, zwischenzeitlich. Aber die erwartete Rendite dürfte dennoch positiv sein. Deshalb gibt es nur einen richtigen Zeitpunkt zum Investieren: immer.

Zum Thema neben einem Verweis auf den aktuellen Beitrag des allgeschätzten, nüchternen Beobachter und Analysten Gerd Kommer (der auch im Campus-Verlag publiziert) sowie einen leicht modifizierten Beitrag aus meinem Buch “So werden Sie reich wie Norwegen”:

“Seien Sie kritisch bei Crash-Propheten, die angeblich die Finanzkrise 2008 oder andere Abstürze vorhergesagt haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass deren Prognosen sehr vage waren und/oder sie viele andere Dinge auch voraus­gesagt haben, diese aber nicht eingetreten sind. Diese Misserfolge bleiben aber unerwähnt. In dem Fall ist die angebliche Prognose wohl eher ein Zufallstreffer, der sich gut nachträglich rationalisieren lässt.”

WM-Aus für Deutschland! Aber in vier Jahren gibt's die nächste Chance.
WM-Aus für Deutschland! Aber in vier Jahren gibt’s die nächste Chance.

Und nochmal zur Überschrift. WM-Aus für Deutschland, ja, das stimmt. Damit ist aber weder der Fußball am Ende, noch sind die Zeiten so düster, dass man behaupten könnte, Deutschland oder Merkel stünden unglaublich schlecht da. Einfach mal auf die Wirtschaftsdaten unseres Landes schauen und die Umfragewerte der CDU – es könnte schlimmer sein. Und wenn eine Kanzlerin, die nunmehr dreizehn Jahre regiert, mal abdanken muss, dann ist das Demokratie und nicht die Erfüllung der düsteren Prophezeiungen von Journalisten, die sie seit Jahrzehnten runterschreiben (das ist im Übrigen keine pro- oder anti-Merkel-Positionierung, sondern nur eine nüchterne Beschreibung). Also besser: Nerven bewahren und Viel Glück!