Was der Lehman-Film der ARD Falsches zu Einlagensicherung und Zertifikaten lehrt

Vertickt Lehman-Zertifikate: Sparkassenberater Arno Breuer (Joachim Król). (Foto: HR/AVE Publishing / Dominik Berg).
Vertickt Lehman-Zertifikate: Sparkassenberater Arno Breuer (Joachim Król). (Foto: HR/AVE Publishing / Dominik Berg).

Mit dem Titel haben die ARD beim Film “Gier frisst Herz” zur Lehman-Pleite ziemlich hoch gegriffen. Jedenfalls fällt es schwer, bei dem schlagkräftigen Namen was die Sprache angeht nicht an “Angst essen Seele auf” zu denken.

Hier das Herz, da die Seele, hier die Gier, dort die Angst. Dort Reiner Werner Fassbinder, hier zumindest ein gravierendes Missverständnis, das wiedermal dafür sorgen könnte, dass die Deutschen weniger aus ihrem Geld machen.

Im Vergleich mit Fassbinder muss der ARD-Abendfilm zur Lehman-Pleite verlieren, 90 Minuten Fernsehzeit ist er dennoch wert. Wie provisionsgetrieben manche Banker sind, mag der Film ganz gut dargestellt haben. Doch leider scheitert er am Ende er in Sachen Aufklärung und verbreitet womöglich sogar Panik.

Erst wirbt in den letzten Minuten einer der zentralen Protagonisten quasi nebenbei für die guten alte  Lebensversicherung. Tatsächlich sind die besser als Lehman- und ähnliche Zertifikate, aber oft auch vor allem wegen der Provisionen, weniger wegen der Rendite geschätzt. So nachvollziehbar der Gedanke des Protagonisten (Lebensversicherung = sicher), so problematisch ist es, hier mal wieder die deutschen Sparer zu ganz sicheren und teuren, aber eher renditearmen Produkten zu bringen.

Doch es kommt noch verfälschender. Im Abspann ist Angela Merkel zu sehen, wie sie verspricht, dass die Einlagen der deutschen Sparer sicher sind. Zuvor hatten in dem Film viele Kunden viel Geld mit Lehman-Zertifikaten verloren. Wer sich nicht so gut auskennt, bekommt den Eindruck, Merkel hat gelogen. Denn das Geld der Sparer war ja weg.

Doch Merkel hatte recht. Denn sie sprach von Einlagen und damit sind die Gelder auf den Konten der Sparer gemeint, Tagesgeld-, Girokonten und so weiter. Zertifikate aber sind durch die Einlagensicherung nicht geschützt und damit viel riskanter. Die Bundesregierung hat selbstverständlich nie versprochen Zertifikate zu sichern. Wieso auch, schließlich ist bei solchen Instrumenten wie bei Aktien eigentlich klar, dass sie mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden sind. Schade, dass die ARD hier Zertifikate und Einlagen nicht auseinanderhalten kann. Schön, wer es wie Merkel kann und somit weiß, wann Angst vor Verlusten angebracht ist und wann nicht. (Im Mini-Börsenlexikon der ARD zum Film funktioniert diese Unterscheidung übrigens.)

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