(Frei)Handel mit Trump – Strafzölle und zurück zum Merkantilismus?

Handel mit Wandel oder Kaufmann von Venedig (Foto: Bomsdorf)
Handel mit Wandel oder Kaufmann von Venedig (Foto: Bomsdorf)

Trump trumpft auf und erhebt Strafzölle auf europäische Produkte. Wobei es gar nicht entscheidend ist, dass es Straf-Zölle sein sollen, Zölle sind meist problematisch genug. Sie behindern den freien Handel. Denn plötzlich ist nicht mehr der eigentliche Preis einer Ware entscheidend, sondern der künstlich geänderte Endpreis.

Wenn von heut auf morgen plötzlich 7,30 Euro auf jeden Liter nichtalkoholischer Getränke anfallen würde, würden die Leute sicher mehr als jetzt zu Bier und Wein greifen und sich “einen reinstellen” wie es in manchen Teilen Deutschlands heißt, das aber nur halbfreiwillig, denn Marktpreise vorausgesetzt, würden sie sicher Wasser, Saft, Milch und Kaffee vorziehen. Die Strafabgabe zerrt also Wunsch und Wirklichkeit auseinander.

Genauso machen es Trumps Strafzölle. Wenn Stahl aus Europa durch diese in den USA nun teurer wird als das heimische Produkt, so werden die Käufer dort quasi gezwungen zu kaufen, was sie eigentlich (nämlich zum ehrlichen Preis) nicht wollen.

Damit erscheint ein eigentlich weniger wettbewerbsfähiges Produkt plötzlich attraktiver. Schade um die Marktwirtschaft und den damit verbundenen Wohlstandsverlust, denn natürlich könnte mehr und/oder besser konsumiert werden, wenn das preiswertere Produkt eine reelle Chance hätte.

Wie gut freier Handel für ärmere wie reichere Länder mit unterschiedlicher Wirtschaftsstruktur sein kann, hat David Ricardo vor Ewigkeiten gezeigt. Denn dieses Jahr ist es nicht nur 150 Jahr her, dass mit Das Kapital das Standardwerk von Karl Marx erschienen ist, auch mit Ricardo ist ein Jubiläum zu feiern: 200 Jahre kooperativer Kostenvorteil. Wenn sich Länder auf die Güter spezialisieren können, die sie besser und also günstiger herstellen können – und sei es relativ – nutzt das der ganzen Weltwirtschaft. Damals war diese Erkenntnis eine Abkehr vom Merkantilismus.

Merkantilismus? Was war das nochmal? Richtig: “eine durch massive Staatseingriffe in die Wirtschaft gekennzeichnete Wirtschaftspolitik während der Zeit des Absolutismus zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Ziel war die Steigerung der nationalen Wirtschaftskraft und die Erhöhung der Staatseinkünfte, z. B. durch die Erhebung von Schutzzöllen und die Förderung der frühindustriellen Produktion.” Hier einfach mal das Datum durch 2018 ersetzen und schon stimmt es auf das Schreckensszenario, an das Trump sich derzeit macht. Für die Weltwirtschaft sind das düstere Aussichten, für Investoren einerseits auch, andererseits ist es immer noch besser investiert zu bleiben und schwächeres Wachstum mit zu machen, als jetzt die Reißleine zu ziehen und wieder nur am Rande zu stehen mit Bargeld, das langfristig garantiert an Wert verliert.

Benchmark? Welche Benchmark?

“Der Vergleich hinkt” oder “Man kann keine Äpfel mit Birnen vergleichen” sind beliebte Argumente, um sich unbeliebter Kritiker zu entledigen. Aber natürlich können Äpfel mit Birnen verglichen werden, bestens sogar, denn die Unterschiede sind gut zu erkennen und viele Vergleiche, die angeblich hinken, werden dadurch nicht schlechter. Wenn die Performance, also der Erfolg, von Anlageprodukten und damit der Geldanlage verglichen wird, ist es wichtig, zumindest zu wissen, ob da Äpfel und Birnen (die in dem Fall die Benchmark wären) verglichen werden oder was da geschieht.

Die Süddeutsche Zeitung hat heute einen Text online in dem die Performance von Roboadvisern (wer eine schönere Pluralbildung kennt, bitte melden..) verglichen wird. Verglichen womit? Untereinander und – mit dem DAX? Das kann man machen, denn für den deutschen Kleinanleger ist der DAX häufig der bekannteste Index und womöglich auch ein potenzielles Investment (in Form eines ETF auf den DAX). Deshalb habe auch ich für mein Buch “So werden Sie reich wie Norwegen” die Performance des DAX mit dem Ölfonds verglichen, der DAX diente hier also als Benchmark. Dass sich beide unterschiedlich entwickeln ist nicht zuletzt deshalb wenig verwunderlich, weil der DAX ein höheres Risiko hat (das er trotzdem in der langen Periode 1998-2016 schlechter abschneidet, spricht klar gegen ein Investment in den DAX und für eins in ein nach dem Ölfondsvorbild aufgebautes Portfolio). Die Süddeutsche begeht aber den Fehler nicht zu erläutern, warum ein Vergleich mit dem DAX sinnvoll sein kann und erwähnt auch nicht das grundsätzlich andere Risiko.

Die Portfolios der Roboadviser hat sich dieses Frühjahr deutlich anders entwickelt als der DAX, diese sind (vgl Risiko) weniger stark gefallen. Kein Wunder, denn es handelt sich anders als beim DAX nicht um reine Aktienportfolios. Wenn nicht auf das deutlich unterschiedliche Risikoniveau eingegangen wird, ist der Vergleich, den die Website Brokervergleich anstellt (und auf den die Süddeutsche sich auch bezieht), sinnvoller als der der Süddeutschen. Bei Brokervergleich wird ein Portfolio, dass zu 50% aus dem MSCI World sowie zu 50% aus Staatsanleihen (Barclays Aggregate) besteht herangezogen – es schneidet häufig und vor allem längerfristig (2 und 3 Jahre) besser ab als die Roboaadviser. Am besten aber steht das Weltportfolio von Kommer da, das in seinem Zugang dem norwegischen Ölfonds ziemlich ähnlich ist. Wer sich an dem größten Staatsfonds der Welt orientiert, kann sich neumodische Roboadviser also womöglich sparen und macht dennoch einen besseren Schnitt.  q.e.d. ?

Lesetipp: Reichtum in Die Zeit Magazin

Egal, ob von Reichtum oder Armut gesprochen wird, es geht nicht immer ohne Klischee. “Wenn Sie 250 Millionen Euro haben, dann schmeißen Sie das Geld zum Fenster raus, und es kommt zur Tür wieder rein”, steht auf dem Titel des aktuellen Zeit-Magazins. Gesagt hat diesen Satz der Bauunternehmer Christoph Gröner. Von daher völlig in Ordnung, es auf die Titelseite zu schreiben, um den entsprechenden Artikel anzukündigen.

Gröner war so nett und mutig, sich mehrere Monate immer wieder von den Journalisten Julia Friedrichs und Andreas Spinrath begleiten zu lassen.  Das ist nicht selbstverständlich für einen Mann, der in der Immobilienbranche ein dreistelliges Millionenvermögen verdient hat. Schließlich ist Reichtum oft verpönt und angesichts steigender Mieten und zunehmender Wohnungsnot werden Leute wir Gröner oft als die Bösen wahrgenommen.

Gröner reflektiert, sagt, er wolle reale Werte schaffen, nicht mit Baugrund spekulieren. Kurz, er kommt ganz sympathisch rüber in dem Text.

“Am Privatterminal des Düsseldorfer Flughafens wartet der Pilot und Christoph Gröner fährt im Shuttle vor.” ; “Christoph Gröner ist bei einem wichtigen Termin in Cannes. Seit stunden prasselt der Frühlingsregen auf die Palmen am Jachthafen ein.” Gröner jettet durch Deutschland und Europa als sei er der neue Star der wiederaufgelegten “Drei Wetter Taft”-Reklame aus den 1990ern und Friedrichs und Spinrath die Drehbuchschreiber (von daher wird es spannend zu sehen, was die beiden für die filmische Umsetzung für den WDR gemacht haben).

Friedrich Merz und Blackrock machen sich zum Buhmann

Auf die Schnelle gibt der Artikel einen kleinen Einblick in die Welt der Superreichen und der Immobilienbranche. Dazu gehört auch zu lesen, wie manche Mächtige meinen, die Presse gängeln zu können: Friedrich Merz, Ex-Politiker und jetzt Aufsichtsratschef der Kapitalanlagegesellschaft Blackrock Deutschland (groß mit ETFs) hat einem Interview zunächst zugesagt, dann aber wieder abgesagt. Das ist nicht unüblich, Blackrock jedoch, so die Autoren, habe ihnen geschrieben, dass man davon ausginge, “dass über diese Absage nicht berichtet werde.” Hat da einer Angst als im Vergleich zu Gröner feige dazustehen und/oder etwas zu verbergen zu haben? Ein lesenswerter Text also, auch wegen solcher Passagen.

Weil die Autoren nach einem schwarzen Fleck suchen (der so konkret bei Gröner zumindest nicht gefunden wird, eher bei der Reichtumsverteilung und -nutzung im Ganzen), seien auch kleine Schwächen des Artikels erwähnt.

Neun Prozent seit Jahresanfang – fehlt da nicht ein wenig Information?

Wohnhaus in Berlin (Foto: Bomsdorf).
Wohnhaus in Berlin (Foto: Bomsdorf).

Einmal sagt der Vermögensverwalter Christian von Bechtholsheim, dass die Performance sehr zufriedenstellend sei, gut neun Prozent Zuwachs seit Jahresanfang. Zum einen ist Zuwachs ein etwas verwirrender Begriff, könnte damit hier natürlich auch der Zufluss in einen Fonds gemeint sein. Vermutlich aber geht es um die Rendite.

Neun Prozent schön, aber in welchem Zeitraum? Wann hat von Bechtholsheim das gesagt? Im Herbst 2017 oder am Jahresende (denn die Autoren recherchierten viel im vergangenen Jahr) oder im März 2018? Das macht einen ziemlichen Unterschied. Denn im vergangenen Jahr ging es zum Beispiel an den Börsen dieser Welt ziemlich gut, in den ersten Monaten des Jahres 2018 aber erheblich schwächer.

Besser oder schlechter als der Ölfonds?

So erzielte der norwegische Ölfonds von Anfang Januar bis Ende September 2017 eine Rendite von 9,8 % und damit mehr als die zitierten 9 %, im gesamten Jahr 2017 waren es sogar 13,7 %. Der große Kapitalist von Bechtholsheim ist, wenn es um diese Zeiträume geht, also gar nicht so außergewöhnlich. Für die ersten drei Monate 2018 gab es bei den Norwegern hingegen ein kleines Minus. Hier den zeitlichen Bezug nicht reinzunehmen, ist im Grunde alles andere als eine kleine Schwäche, denn so kann niemand abschätzen, wie erfolgreich von Bechtholsheim in Relation zu anderen Fonds, der eigenen Performance etc. war. Lediglich, wer sein Geld auf dem Konto schlummern lässt, weiß, dass 9 % viel mehr sind, als er erreicht. Vielleicht gehören die Autoren wie die Mehrheit der Leser ja zu dieser sehr passiven Gruppe.

Klischeealarm: Schweigen wirklich alle Großinvestoren?

Zweite Schwäche: Ganz am Ende werden die großen Vermögensverwalter wie Staatsfonds und dergleichen als die großen Immobilieninvestoren in Deutschland genannt und recht deutlich als die Üblen und Intransparenten dargestellt. “Mit Geldströmen lässt sich schwer diskutieren, sie lassen sich nicht wie Menschen befragen und begleiten”, so das Fazit. Also sind es doch Intransparenz und geheime Machenschaften, die den globalen Kapitalismus dominieren – so klingt es an. Doch hinter jedem Geldstrom stehen Menschen, warum das unerwähnt lassen? Soll sich doch keiner der Großinvestoren darauf berufen können, er sein nur ein Geldstrom. Mit Reichtum kann man nicht sprechen, mit Menschen schon oder es zumindest versuchen (wie bei Merz von Blackrock). Der hier erwähnte norwegische Ölfonds jedenfalls ist Interviewanfragen durchaus aufgeschlossen, man muss es halt versuchen. Über die Jahre habe ich beide Chefs des Fonds und weitere Mitarbeiter zum Interview getroffen und auch die Pressestelle antwortet stets schnell (wenn auch nicht immer so detailliert, wie man es als Journalist immer gerne hätte). Jeden Staatsfonds aus Prinzip zum bösen schweigenden Kapitalisten auszurufen ist zu viel des Klischees.

Ölfonds startet 2018 mit leichtem Minus, aber was bei der Geldanlage zählt, ist das Langzeitergebnis

Im ersten Quartal des Jahres 2018 erwirtschaftete der norwegische Ölfonds eine leicht negative Performance. Das Resultat für Januar bis März lag bei minus 1,5 %. Der Aktienpart alleine fiel um 2,2 % während Immobilien mit 2,5 % im Plus lagen und Anleihen dementsprechend dazwischen (minus 0,4%).  In dem Zeitraum sei bei der Geldanlage es etwas volatil zugegangen, heißt es in der Mitteilung des Fonds.

Wer die Strategie des Fonds verstanden hat, weiß, das ein solches (oder auch ein größeres) zeitweiliges Minus bei der Geldanlage kein Problem darstellt, sondern hingenommen werden muss. Was zählt, ist allein, das Endergebnis, die langfristige Performance also und die sieht beim Ölfonds weiterhin gut aus.

Sein Ziel von 70 % Aktienquote hat der Fonds übrigens noch nicht ganz erreicht, Ende März lag der Wert bei 66 %.  Je höher der Aktienanteil im Portfolio der Geldanlage, desto höher das Risiko, aber auch die Renditeerwartung. Das gilt für große institutionelle Investoren wie den norwegischen Ölfonds ebenso wie für Privatanleger.

Wie das persönliche Risikoprofil bestimmt wird und wie eine geschickte globale Verteilung der Investments Schwankungen mindern kann, ist anschaulich in meinem Buch “So werden Sie reich wie Norwegen” beschrieben, erschienen im Campus Verlag, über dessen Homepage es auch bestellt werden kann (und natürlich beim lokalen Buchhandel ebenso wie bei Amazon). In dem Buch wird auch die ethische Komponente des Ölfonds ausführlicher besprochen, denn die unterscheidet ihn von vielen Investoren und sollte auch bei Privaten eine Rolle spielen.

Greenpeace Schweden boykottiert staatlichen Pensionsfonds

Greenpeace Schweden geht jetzt auch einen Schritt, den der norwegische Ölfonds zum Teil schon vollzogen hat, und steigt aus fossilen Investments aus. Naja, Greenpeace versucht es zumindest – mittels Boykott. Die Umweltschutzorganisation hat heute angekündigt, vorerst für seine Mitarbeiter keine Beiträge mehr an den staatlichen schwedischen AP-Fonds zu bezahlen.

Greenpeace-Boykott: Nicht mit meiner Pension (Screenshot: Greenpeace Schweden).
Greenpeace-Boykott: Nicht mit meiner Pension (Screenshot: Greenpeace Schweden).

Der investiert ähnlich wie der deutlich größere norwegische Staatsfonds sein Geld am Kapitalmarkt und dort eben auch in Firmen, die mit fossilen Brennstoffen Geld machen. Der norwegische staatliche Ölfonds schließt bereits seit einiger Zeit Unternehmen aus, die einen beträchtlichen Anteil des Umsatzes mit Kohle erwirtschaften und möchte bald aus dem Geschäft mit Öl und Gas aussteigen. Während Ersteres ökologische Gründe hat, geht es bei Letzterem darum, vom Ölpreis unabhängiger zu werden.

Der schwedische Staatspensionsfonds AP solle fossile Brennstoffe deinvestieren, fordert Greenpeace. Weil die NGO mit Ihren Beiträgen zur Vorsorge Ihrer Mitarbeiter nicht an solchen Geschäften beteiligt sein möchte, zahlt es nicht mehr in den Fonds ein.

Sollte Greenpeace damit Erfolg haben und so durchsetzen können, dass mehr darüber diskutiert wird, wie nachhaltig Geldanlage sein sollte, zeigt sich einmal mehr, dass Markt und Moral sich nicht immer ausschließen. Es kommt eben einfach darauf an, seine mit dem Geld verbündende Macht zu nutzen.

 

“So werden Sie reich wie Norwegen” ab sofort im Handel – und bei Amazon schon auf Rang 9

So werden Sie reich wie Norwegen bei Amazon auf Rang 9 bei Börse & Geld Ratgebern.
So werden Sie reich wie Norwegen bei Amazon auf Rang 9 bei Börse & Geld Ratgebern.

Seit heute ist mein Buch “So werden Sie reich wie Norwegen” zu kaufen – und wird anscheinend auch schon ganz gut verkauft. Ich war selber überrascht, es bei Amazon in der Kategorie Börse & Geld, Ratgeber schon auf Platz 9 zu finden.

Zwei Veranstaltungen zum Buch gab es schon. Am Montag habe ich einen Vortrag in der Deutsch-Norwegischen Handelskammer gehalten und damit das Buch erstmals vorgestellt. Was mich sehr gefreut hat: Das Publikum war erstaunlich jung! Das ist auch gut so, denn je früher man anfängt, nach norwegischem Muster zu investieren, desto besser.

Dienstag dann der “book launch” für Deutschland in Berlin im Café des norwegisch-deutsch-italienischen Il Kino. Diesmal ganz informell ohne Vortrag nur mit kurzer Begrüßung und ein paar Fragen. Und Flensburger Bier, damit zumindest der deutsche Norden auch vertreten war.

Ich empfehle das Buch im lokalen Buchhandel zu kaufen. Wer bei Amazon bestellen möchte, kann es hier tun und bei Bücher.de hier.

Reich wie Norwegen in Die Zeit – und bald im Buchhandel!

In DIE ZEIT habe ich zusammengefasst, wie ich selber begonnen habe, nach der norwegischen Finanzformel zu investieren, um reich wie Norwegen zu werden (Screenshot von www.zeit.de ).
In DIE ZEIT habe ich zusammengefasst, wie ich selber begonnen habe, nach der norwegischen Finanzformel zu investieren, um reich wie Norwegen zu werden. (Screenshot von www.zeit.de )

Mein Buch “So werden Sie reich wie Norwegen” erscheint sehr bald (am 12. April bei Campus genau genommen). Schon in der Osterausgabe der ZEIT berichte ich, wie ich selber angefangen habe, nach norwegischem Vorbild zu investieren. Der Text steht auch online und zwar hier. Viel Lesevergnügen!

500 Milliarden weg – ja und?

Screenshot von www.nbim.no 23. März 2018, 19 Uhr 10, mit dem Wert des Ölfonds.
Screenshot von www.nbim.no 23. März 2018, 19 Uhr 10, mit dem Wert des Ölfonds.

Anfang der Woche führte ich ein längeres Interview mit Ulrik Haagerup. Der frühere Nachrichtenchef des dänischen Senders DR bildet Journalisten weiter, weil er sich um die Branche sorgt. Er meint Journalismus sei viel zu sehr zur Panikmache geworden. Es mangle an Nuancierung und konstruktiven Geschichten. Recht hat und was Haagerup vor allem auf die Berichterstattung zu Politik und Vermischtem bezog, gilt auch für die Börse.

Satte 500 Milliarden Kronen habe der norwegische Ölfonds seit Jahresbeginn verloren, schreibt Dagens Næringsliv unter der Überschrift “Ölfonds unter 8000 Milliarden”. Wer drüber nachdenkt, für den ist das eigentlich eine uninteressante Nachricht. Ja, es ist ein Wertunterschied von über 5 %. Aber binnen drei Monaten ist es nun wirklich nicht der Rede wert. Im Artikel steht auch, dass der Fonds den Wert von 8000 Milliarden Kronen erst im Herbst erreicht habe. Also ist das Gesamtvolumen (Wertentwicklung samt Ein- und Auszahlungen) wieder auf das Niveau von vor ungefähr einem halben Jahr zurückgefallen. Das ist nun wirklich keine große Schwankung.

Wer bei seinem eigenen Depot schon ein mulmiges Gefühl bekommt, wenn der Wert binnen sechs Monaten de facto nicht zulegt, der sollte vielleicht doch lieber auf das Sparbuch setzen. Und muss dann aber damit leben, dass der Wert real in zehn Jahren vermutlich geringer ist als heute während derjenige, der Schwankungen durchsteht, gute Aussichten hat, einen erheblich besseren Schnitt zu machen. Auch, wenn es vermutlich nie 500 Milliarden werden, aber der relative Erfolg zählt.

Heute ist.. Tag der Aktie?!?

Was es alles gibt! Heute, am 16. März, ist der “Tag der Aktie“. Ehrlich gesagt hatte ich davon nie etwas gehört – bis mich der newsletter vom Deutschen Aktieninstitut erreichte. Im Anschreiben hieß es “zum Tag der Aktie erinnert das Deutsche Aktieninstitut daran, dass sich mit Aktien langfristig beachtliche Sparerfolge erzielen lassen. Dabei geht es nicht um den richtigen Einstiegszeitpunkt, sondern darum, dass man kontinuierlich und breit gestreut in Aktien investiert.” Recht haben sie. Deshalb verlinke ich hier auch gerne zur kompletten Pressemeldung; möchte mir aber den Hinweis, dass der norwegische Ölfonds seit Auflegung 1998 besser abgeschnitten hat als der Dax, nicht verkneifen.

Interessanterweise stammt die erste Aktie, die es je gab aus Nordeuropa. In Schweden gab die Kupfermine in Falun unter dem Namen “Stora Kopparbergs bergslag” 1288 Anteilsscheine heraus. Den Nachfolger des Unternehmens gibt es noch heute. Nach Umbenennung und Fusionen heißt das Unternehmen Stora Enso und ist immer noch börsennotiert. Falun ist international auch ein Name, weil hier das bekannte Falunrot der schwedischen Holzhäuser herkommt. Die Pigmente davon stammten ebenfalls von “Stora Kopparbergs bergslag” Kupfermine, die erst 1992 geschlossen wurde. Wie sich das Investment wohl entwickelt hätte, wenn die eigenen Vorfahren im 13. Jahrhundert auch nur eine Aktie der Bergbaugesellschaft gekauft und diese bis heute in der Familie geblieben wäre? Womöglich noch besser als die Bilder von Carl Larsson? Dessen bunte Familienidylle sind der zweite Exportschlager aus der Gegend um Falun.

Der Tag der Aktie ist natürlich eine Erfindung der Finanzwirtschaft (schreibt die Deutsche Börse hier bei Finanzen.de). Trotz des hehren Anliegens Vermögensbildung zu demokratisieren (und des weniger hehren, aber völlig akzeptablen Anliegens, Provisionen zu verdienen), hat es der Tag zu Recht nicht zu jener Bedeutung und Bekanntheit gebracht, wie der in der vergangenen Woche gefeierte Weltfrauentag.

Frauen investieren besser. Wie wir alle etwas weiblicher anlegen können

Analysen privater Wertpapierdepots kommen immer wieder zum Ergebnis: Frauen investieren besser als Männer. Es liegt nahe, den Misserfolg der Männer auf einen allzu menschlichen (oder allzu männlichen ?) Fehler zurückzuführen, der bei der Geldanlage dem langfristigen Erfolg im Weg steht: Selbstüberschätzung.

Von der Wall Street nach Oslo: Fearless Girl der Künstlerin Kristin Visbal symbolisiert auch, wie Frauen investieren. (Foto: Grand Hotel / Ringnes Stiftung)
Von der Wall Street nach Oslo: Fearless Girl der Künstlerin Kristin Visbal symbolisiert auch, wie Frauen investieren. (Foto: Grand Hotel / Ringnes Stiftung)

Demnach ist bei den Männern der Gedanke, besser als der Durchschnitt zu sein, besonders verbreitet. In dem Fall wäre das der Glaube, daran, den Markt langfristig schlagen zu können. Der Markt ist aber nichts anderes als die Summe aller Anleger. Wenn nicht ausgerechnet diejenigen mit größeren Vermögen die schlechteren Investoren sind, ist es nicht möglich, dass eine Mehrheit den Markt schlägt. Da mag jeder Einzelne davon auch noch so von sich überzeugt sein.

Wer bei der Geldanlage erfolgreich sein will, braucht ein bescheidenes oder rationales Korrektiv. Dass muss sich ihm immer dann in den Weg stellen, wenn die Selbstüberschätzung mal wieder droht, einen Strich durch die Rechnung zu machen. In etwa so, wie die Skulptur des kleinen Mädchens, dass vergangenes Jahr dem Bullen (dem Symbol für boomende Aktienmärkte) an der Wall Street Paroli bot (hier ein Text mit Foto aus der Süddeutschen Zeitung). So wie sie selbstbewusst dastand, sah es nicht aus, als wolle sie den Aufschwung abwürgen, sondern nur den Übermut.

Passenderweise steht die Figur “Fearless Girl” seit dem Weltfrauentag in diesem Jahr, dem 8. März 2018 also, in Oslo (siehe Foto oben). Die Stiftung des Investors und Kunstliebhaber Christian Ringnes hat sie in die norwegische Hauptstadt geholt.

Von der Position vor dem Grand Hotel bis zur Zentrale des norwegischen Ölfonds sind es nur ein paar Minuten zu Fuß. Der Ölfonds ist zwar auch stark männerdominiert, Frauen investieren dort aber auch. Er hat sogar ein paar Frauen im Top-Management. Weibliches Spitzenpersonal ist nicht nur wie üblich im Bereich Personalwirtschaft angetreten, sondern zum Beispiel auch ganz oben im Immobiliensegment (hier ein kleiner Überblick über das Spitzenpersonal von NBIM).

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die Vermutung der Forscher des DIW, dass die weibliche Vorsicht auf geringeres Anlagevolumen zurückzuführen ist.