Spotify Börsengang – lieber hören als kaufen?

Spotify auf dem iPhone - und bald an der Börse. (Foto: Bomsdorf)
Spotify auf dem iPhone – und bald an der Börse. (Foto: Bomsdorf)

Die gestrige Meldung, dass der Musikstreamingdienst Spotify nun an die New Yorker Börse NYSE gehen möchte, ist keine wirkliche Überraschung. Schon seit langem galt ein IPO (Initial Public Offering – die erstmalige öffentliche Notierung an einer Börse, wenngleich Spotify da einen Sonderweg gehen wird) als geplant und demnach nur noch eine Frage der Zeit.

Das aus Schweden stammende Unternehmen hat den Musikmarkt ähnlich stark aufgemischt wie die Landsleute mit Pirate Bay. Nur dass Spotify dazu beigetragen hat, dass die Erlöse der Musikindustrie wieder gestiegen sind während die File-Sharing-Seite Pirate Bay ermöglichte Musik zu hören, ohne dass Labels und Künstler daran verdienten. Freilich klagen Musiker immer wieder klagen, Spotify zahle zu wenig. Die wiederum meinen, das könne sich ändern, wenn das Streamingmodell sich endgültig durchgesetzt habe. In den vergangenen Jahren habe ich Spotify in Stockholm und Berlin besucht und mehrfach über das Unternehmen geschrieben – unter anderem im November 2017 diesen Text für return. Spotify selber macht noch Verlust. Das ist für ein Unternehmen in einem jungen IT-Feld nicht ungewöhnlich.

Wer beim Spotify-Börsengang dabei sein sollte

Bleibt die Frage, ob der Einstieg bei Spotify für Investoren lohnt. Kann sein, muss aber nicht. Diese Börsenweisheit gilt auch hier.

Wer wie der größte Staatsfonds der Welt, der norwegische Ölfonds, investieren möchte, kauft die Papiere (Kürzel: SPOT) nur dann, wenn das  Depot so groß ist, dass selbst ein Paket von Spotify-Anteilen keinen entscheidenden Einfluss auf die Performance ausübt. Dann nämlich gehören die Aktien der Schweden einfach dazu, um den Markt abzubilden.

Für alle anderen mit gewöhnlicher Depotgröße und norwegischer Strategie gilt: Breit in ETFs investieren und damit den Markt abbilden. Dazu gehört auch Spotify. Sobald die Aktie in einen Index aufgenommen wird, der zum eigenen Portfolio gehört, erwirbt man indirekt ohnehin Anteile an dem Streamingdienst und kann von dessen Erfolg (wie natürlich auch Misserfolg) profitieren, ohne sich fragen zu müssen, ob der Einstieg sinnvoll ist.

Wer bei normal großem Depot mit ein paar tausend Euro / ein paar Prozent des Depotvolumens bei Spotify einsteigt, setzt voll auf Risiko und damit die damit verbundene negative wie positive Renditeaussicht. Und den Lerneffekt. Denn zumindest anfangs in Einzelwerte zu investieren hilft auch, die Börse besser kennenzulernen.

SNAP-Aktie seit Börsengang im März 2017.
SNAP-Aktie seit Börsengang im März 2017.

Wer das schon bei Snap, der Snapchat-Firma, gemacht hat, kann Spotify getrost übergehen. Die Papiere wurden übrigens auch an der NYSE gelistet und haben seither eine kleine Achterbahnfahrt hinter sich.

 

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