Mit Volker Looman Norwegisch lernen

FAZ - reich wie Norwegen

Jetzt haben auch Volker Looman und die FAZ entdeckt: – Reich werden wie Norwegen

Nun hat auch der gute Herr Looman das Vorbild norwegischer Ölfonds entdeckt. Die Texte des “Finanzalnalytikers in Berlin und Dresden” sind immer lesenswert. Zumindest inhaltlich. Heute in der FAZ also das Vorbild norwegischer Ölfonds für Privatanleger. Kennen wir doch irgendwoher. Richtig! Mein 2018 erschienenes Buch, das es schnell auf die Bestsellerlisten schaffte und mittlerweile in Neuauflage erschienen ist, trägt fast den gleichen Titel wie Loomans Artikel. Also FAZ abonnieren, Buch kaufen (gern lokal, oder hier), klug und reich werden.

Mit 6 Schritten dem Ölfonds gleichziehen

Mit einem Plus von über 9% im ersten Halbjahr 2021 hat der norwegische Ölfonds schon wieder eine Spitzenperformance hingelegt. In den vergangenen 12 Monaten erwirtschaftete er gar eine Rendite von über 25%. Höchste Zeit, sich den größten publizierende Staatsfonds der Erde zum Vorbild zu nehmen und ohne viel Aufwand selber eine private Aktienrente aufzubauen. Wie beschreibe ich hier bei capital.de. Hier ein Auszug:

Wer hätte das nicht gerne: Über 200.000 Euro Vermögen pro Kopf, durchschnittliche Jahresrendite über 6,5% und das bei 0,05% jährliche Verwaltungskosten? Diese Traumzahlen entsprechen den Kennzahlen des norwegischen Ölfonds heruntergebrochen auf den Fall eines Einzelanlegers. Das Beste: Sie sind für jeden machbar und das sogar ohne viel Arbeit. Einzige Bedingung: Den Ölfonds zum Vorbild nehmen. Denn so erstaunlich es klingen mag, dessen Strategie ist auch für Privatanleger umsetzbar. Schließlich investiert der fast ausschließlich in Märkte, die allen offenstehen.

Wer heute als 40-jähriger bei Null anfängt und monatlich 500 Euro nach Ölfondsprinzip anlegt, kann, wenn er in Rente geht, diese jeden Monat um fast 3000 Euro aufbessern. Jede zusätzliche 100 Euro bedeuten monatlich knapp 600 Euro mehr im Alter und jede 10 000 Euro Startkapital 380 Euro mehr monatlich.

Gerechnet wurde hier mit Renteneintrittsalter 67, einer Lebenserwartung von 90 Jahren – dabei liegt diese in der Altersklasse aktuell noch etwas niedriger, es bleibt also ein Puffer – und der Ölfondsrendite von 6,56%, die dieser seit 1998 durchschnittlich pro Jahr erreicht hat. Steuern und Inflation sind noch einzubeziehen.

Wie das geht in Kurzform hier bei capital.de und ausführlich in meinem Buch. Dort auch mehr Berechnungen zu wieviel Zusatzeinkommen eine Geldanlage nach norwegischem Vorbild führen kann.

Teuerste Goldmünze: So beeindruckend ist deren Rendite wirklich

Sotheby's Auktionsergebnis teuerste Goldmünze (Screenshot Ausschnitt)

Sotheby’s Auktionsergebnis teuerste Goldmünze (Screenshot Ausschnitt)

18,87 Millionen US-Dollar für eine 20-Dollar-Münze! Kein Wunder, dass die Medien sich bei dem Auktionsrekord von Sotheby’s mit Superlativen überbieten. “Rekordpreis bei Versteigerung”, schreibt tagesschau.de und  “Teuerstes Geldstück der Welt” titelt bild.de. Von 20 auf fast 19 Millionen Dollar heißt, es ist die teuerste Goldmünze und der Wert hat sich fast vermillionenfacht – das ist eine solche Steigerung, dass es auch sprachlich ganz komisch klingt. Verzehn- oder auch vertausendfacht ist noch leicht auszusprechen und zu verstehen, aber vermillionenfacht klingt dann doch arg holprig.

Doch absolute Performance sagt letztlich nicht viel aus. Viel interessanter sind zwei Fragen:

  1. Welche durchschnittliche jährliche Rendite steht hinter dieser enormen Wertsteigerung von 94.349.900 % (ja, vierundneunzigmillionendreihundertneunundvierzigtausendneunhundert) ?
  2. Wie schneidet die Performance der Münze im Vergleich ab?

Zu Frage 1 erstmal kurz raten: Wie hoch ist die jährliche Rendite für die teuerste Goldmünze gewesen? 1000 %? 350 %? 23% ? Nein. 17 %! Bzw. nicht einmal das, sondern nur 16,922 %. Enttäuscht?

Jeder, der mehr als nur die vergangenen drei, vier Jahre an der Börse aktiv ist, weiß, dass knapp unter 17 % jährliche Rendite ein ziemlich guter Wert ist und sogar ein extrem guter, wenn er dauerhaft erzielt wird. Trotzdem scheinen 16,922 % wenig für diesen enormen Wertzuwach. Das Geheimnis, das dahintersteckt, ist der Zinseszins.

Egal, ob enttäuscht oder nicht, so wird’s errechnet: Um die Frage eins zu klären, ist der Zeitraum des Wertzuwachses essentiell. Laut Sotheby’s handelt es sich bei der Münze um eine “1933 Double Eagle Coin” (dazu hier bei Sotheby’s diese und viele weitere Informationen zur Münze), die also 1933 erstmals auf den Markt kam, ein Monat wird nicht angegeben. Die Versteigerung fand Anfang Juni 2021 statt. Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass der Wertzuwachs binnen genau 88 Jahren stattfand (und auch, dass der Nennwert von 20 Dollar der damalige Verkaufspreis war). Was das für die jährliche Rendite bedeutet, lässt sich per Taschenrechner oder zinsen-berechnen.de schnell rausfinden.

Der Zinseszins ist der R-Wert der Geldanlage

Von 20 bis fast 20 Millionen - mit dem Zinseszinseffekt zur teuersten Goldmünze.

Von 20 bis fast 20 Millionen – mit dem Zinseszinseffekt zur teuersten Goldmünze.

Die 20 Dollar Startkapital für die nunmehr teuerste Goldmünze sind bei fast 17 % jährlicher Rendite nach rund fünf Jahren erstmals doppelt so viel Wert und dann entsprechend nach einer halben Dekade wieder. Die 100 Dollar sind erstmals nach 11 Jahren überschritten, nach 40 Jahren die 10 000. Es geht also zunächst ziemlich langsam voran, gemessen in Dollar-Beträgen.  Die erste Million ist erst nach 70 Jahren erreicht. Und dann geht es ab: Nach 84 Jahren die 10 Millionen. Knapp fünf Jahre später – s.o. – hat sich die Summe wieder verdopppelt und zwar auf jene 18,87 Millionen. Mit den Zinseszinsen ist es in etwa wie mit dem R-Wert bei einer Pandemie: Bloß nicht unterschätzen! (Exponentielles Wachstum!)

Warum es wie beim Anlegen mit Vorbild norwegischer Ölfonds nicht nur lohnt, lange dabei zu bleiben, sondern bei den Kosten auch die zweite Nachkommastelle im Blick zu haben, zeigt die Wertentwicklung der Münze ebenfalls. Denn wenn statt der 16,922% jährlicher Rendite 17% angenommen werden, wären aus 20 Dollar binnen 88 Jahren tatsächlich etwas über 20 Millionen Dollar geworden und nicht “nur” 18,87 Millionen, 0,078% mehr Rendite hätten auf diese lange Frist also zu einem Mehrertrag von über 1 Million geführt.

Auch die ersten 60 Jahre sind nicht schlecht, aber..

Auch die ersten 60 Jahre sind nicht schlecht, aber..

Jetzt also zu Frage 2 und da bleiben wir in den USA. Denn der dortige Aktienindex Dow Jones ist vielleicht nicht das Maß aller Dinge, aber noch älter als die Goldmünze und deshalb bestens geeignet um (z.B. hier) zu schauen, was so an der Börse im selben Zeitraum möglich gewesen wäre, also in jenen 88 Jahren von 1933 bis jetzt. Mit der Uhrzeit der Versteigerung halten wir uns jetzt nicht auf, sondern wählen stattdessen den Stand des Dow Jones Industrial Average (DJIA) am 8. Juni diesen Jahres und des Jahres 1933: Das sind einmal 34599,82 für den 8. Juni 2021 und 93,52 für den gleichen Tag 88 Jahre zuvor. Damit geht es “nur” um ein mehrfaches vertausendfachen und ein Plus von fast 37 000 %.  Klingt immer noch nach ziemlich viel und sind pro Jahr immerhin fast 7 %, genau 6,951 %. Hier hat die Goldmünze den breiten Aktienindex also klar geschlagen. Das ein Einzelinvestment von einer breit gestreuten Anlage abweicht, ist aber nicht verwunderlich. Übrigens liegt die durchschnittliche jährliche Rendite des Dow Jones gar nicht so weit entfernt von der des norwegischen Ölfonds (wenngleich bei einem anderen Zeitraum).

Auktionshäuser sind nicht so transparent wie man denkt

NB: Auktionshäuser geben bei den Resultaten üblicherweise die Summe an, die der Käufer inklusive Aufgeld bezahlt hat. Das ist aber nicht, was der Verkäufer erlöst. Dessen Wertsteigerung errechnet sich aus  der Differenz aus seinem  Einkaufspreis und der Summe, die er vom Auktionshaus erhält. Weil bei der Münze aber die Wertsteigerung von 20 Dollar auf 18,87 Millionen US-Dollar im Fokus steht und die Münze in diesen fast 90 Jahren viele Besitzer gehabt hat, beruht die Berechnung hier auch darauf.

Zum Thema (Kunst-)Auktionen, Aktien und Wertsteigerung habe ich u.a. einmal für “Kunst und Auktionen”, die Kunstmarktzeitschrift von “Die Zeit” geschrieben. Zum Text, der von Apple, Sex und My Bed handelt, hier entlang.