Sattes Plus im Corona-Jahr. Das waren die stärksten Aktien

Sneak Preview! Der norwegische Ölfonds hat heute die Eckdaten des Jahres 2020 veröffentlicht (der Jahresbericht folgt am 25.2.). Es sieht ganz schön beeindruckend aus. Satte 10,9% Rendite im “Corona-Jahr” 2020. Damit steigt die durchschnittliche jährliche Rendite seit Auflegung 1998 auf 6,3% und bezogen auf die vergangenen zehn Jahre gar auf 8,0%.  Der Aktienpart lag mit 12,1% vergangenes Jahr am stärksten im Plus. Tech-Aktien stiegen um 42% an Wert und waren damit ein großer Treiber wie auch die hier gezeigte Übersicht klarmacht.

Apple, Amazon, Microsoft, Tesla trieben den Ölfonds 2020 besonders stark.

Apple, Amazon, Microsoft, Tesla trieben den Ölfonds 2020 besonders stark. (Abbildung: NBIM)

Mit Anleihen erwirtschafteten die Fondsmanager 7,5% Plus und der Immobilienpart lag mit 0,1% leicht im Minus. Die Aktienquote lag Ende des Jahres bei nunmehr 72,8%, Anleihen machten 24,7% aus und nicht notierte Immobilien 2,5%. Damit zeigt der Fonds einmal mehr: eine langfristige Strategie zahlt sich aus. Viele Privatanleger versuchen sich im Markettiming. Untersuchungen zeigen, dass das oft heißt:  im Crash panisch verkaufen und dann zu lange beim Wiedereinstieg warten. Da ist es sinnvoller investiert zu bleiben – das bringt mehr Rendite und kostet weniger Zeit bei der Investmententscheidung. So spannend Finanzen sind, radeln, kochen, lesen, Freunde – es gibt vieles anderes.

Mit dieser Looman-Formel wird man so reich wie Volker Loomans Leser

Bundesbank (Foto: Walter Vorjohann, Bundesbank)

Nicht nur Fans nüchterner Zahlen, auch die nüchterner menschenleerer Architektur kommen bei der Bundesbank auf ihre Kosten (Foto: Vorjohann, Bundesbank).

Das ist heute mal wieder ein typischer Looman, (erstmal ohne Looman-Formel):

“Beginnen wir mit den Barschaften und dem Giralgeld. Wenn ich mir die Gespräche in Erinnerung rufe, die ich 2020 mit Privatleuten geführt habe, dann lag das durchschnittliche Vermögen pro Familie bei fünf bis sechs Millionen Euro. In den Tresoren lag Bargeld von jeweils 50 000 bis 100 000 Euro, und auf den Girokonten schlummerten Einlagen von jeweils 500 000 bis 600 000 Euro. Was soll man dazu sagen?”

Tja, was soll man dazu sagen? Das Vermögen und die finanziellen Probleme dieser Leute möchte man haben (nun, Friedrich Merz mag das anders sehen). Da wäre einem die Nachkommastelle der Rendite wohl nicht so wichtig. Doch natürlich sind die Kunden von Volker Looman, die so wohlhabend sind, nicht ganz entspannt, sondern wollen aus dem Geld das Beste rausholen – am liebsten zu ihren Bedingungen. Soll heißen, auch die Nachkommastelle muss stimmen und das Risiko möglichst gering sein.

Reich wie.. Loomans Leser.

Damit Loomans Beispiel nicht auch bei denen, die keine Vermögensmillionäre sind, denen es aber gar nicht schlecht geht, zu Verarmungsgefühl führt, sei eine kleine simple Formel aus meinem Buch eingeführt. Da schreibe ich im Anhang, wo interessante Websites und andere Quellen vorgestellt werden:

“Wer die regelmäßige Kolumne vom Finanzanalytiker Volker Looman in der FAZ liest, fühlt sich richtig, richtig arm. Denn seine Beispiele handeln sehr häufig von Leuten mit einem satten sechsstelligen Einkommen und nicht selten Millionenvermögen.”

Siehe oben also. Und weiter geht es:

“[Doch es] kann ja jeder die genannten Einkommen, Vermögen und andere Beträge einfach durch eine passende Zahl zwischen 3 und 10 teilen, um auf für den Durchschnittsdeutschen realistischere Zahlen zu kommen.”

Bundesbank, Foto: Walter Vorjohann

Weil es so schön (leer) ist. Noch einmal die Bundesbank, diesmal von hinten (Foto: Walter Vorjohann, Bundesbank).

Nehmen wir hier mal für die simple Looman-Formel lieber gleich die 10 und schon sind wir dann wieder bei den 500-600 000 Euro, die je nach Familiengröße und Durchschnittsalter ein halbwegs realistischer Wert sind. Laut Bundesbank hat das Geldvermögen der deutschen Haushalte in Corona-Zeiten im Schnitt deutlich zugelegt und liegt nunmehr (3. Quartal 2020) bei 6738 Milliarden Euro. Das ergibt bei 41,5 Millionen Haushalten für jeden von diesen im Schnitt rund 160 000 Euro. Da leider ein großer Teil der deutschen Haushalte fast ohne Vermögen ist  und die Statistik Immobilienvermögen nicht berücksichtigt, dürfte es mehr als mancheiner denkt von jenen geben, die auf jene halbe Million, also Loomans Zehntel, kommen. So rechnet man sich also ganz einfach reich mit der Looman-Formel 😉

Geben ist seeliger als nehmen (aber behalten darf man trotzdem Einiges)

Wer sich damit ziemlich wohl fühlt (und gerne auch alle anderen), mag beherzigen, was Looman auch schreibt und gerade in diesen Zeiten eine schöne gesellschaftliche Rendite einbringen kann: Spende doch einen Teil des Vermögens. Auch 2000 oder 500 Euro können schon Einiges bewirken. Denn bei 41,5 Millionen Haushalten kommen da etliche Milliarden (!) zusammen.

Frugalismus Nein Danke, Tschick und ein kleiner Schönheitsfehler

Frugalimus ade: Tschick in der ARD.

Frugalimus ade: Tschick in der ARD.

Das Konzept Frugalismus ist bekannt: Spare, spare, schaffe, schaffe und dann mach mit 40 endlich, was Dir Spaß macht (das ist jetzt die zugespitzte Variante).

Mag jeder für sich entscheiden, wie er möchte und ab und an aufs Geld zu schauen, ist auch keine schlechte Idee (hier dazu meine Tipps bei Spiegel/Bento). Aber warum denn erst mit 40 machen, was man möchte? Was ist mit “verschwende Deine Jugend”? Und was mit “Erfüllung im Hier und Jetzt”? Und das muss ja nicht Konsum sein – sondern gerne auch Kultur. Dazu aus aktuellem Anlass, weil noch in der Mediathek, ein Filmtipp mit zweien, die kaum Geld ausgeben, aber bestimmt keine Frugalisten sind: tschick, die Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs gleichnamigen Roman durch Fatih Akin.

Es gehört doch dazu, auch mal das sündhaftteure Hotelzimmer zu wählen, das man sich dauerhaft natürlich nicht leisten kann, und nicht immer nur in der Zukunft zu leben. Nicht zuletzt, weil wir nicht wissen, ob wir diese erleben.

Frugalismus als Religionsersatz

Natürlich gibt es den ein oder anderen, der sich einen angenehmen Lebensstil leisten kann und trotzdem eine enorme Sparquote. Doch oft bedeutet Frugalimus sehr starker heutiger Verzicht zugunsten künftigen Konsums und nimmt sehr asketische Züge an. Die Zeit nach 40 ersetzt dann das, was für religiöse Verzichtsüber das Jenseits ist.

Solche Denkanstöße gibt es leider selten im Finanzteil, sondern eher im Feuilleton. Auch als Autor eines Finanzbuches und Privatanleger lese ich das weit lieber und intensiver als den Wirtschafts- oder Finanzteil.

It’s the culture stupid (in Anlehnung an James Carville/Bill Clinton und meinetwegen auch Winston Churchill)

Nicht umsonst heißt es “Börsenpflichtblatt”, Kultur aber ist Begeisterung. Besonders interessant ist, wenn beide zusammenfinden. So wie wieder einmal heute in der FAZ. Autorin Melanie Mühl, die für einige interessante Achtsamkeitsartikel bekannt sein könnte, widmet sich im Feuilleton unter der Überschrift “Mit vierzig in Rente” auch dem leidigen Finanzthema Frugalimus und gab damit den Anstoß zum heutigen Beitrag.

Leider unterläuft ihr ein ärgerlicher Schönheitsfehler. “Viele Frugalisten dürften coronabedingt empfindliche Verluste am Aktienmarkt erlitten haben, die ihren Freiheitsplan um Jahre zurückwerfen”, schreibt sie mitten im Artikel.

Da hätte Mühl mal lieber die Druckfahne der selben Ausgabe der FAZ, in der sie ihren schönen Anti-Frugalismustext schrieb, in die Hand genommen. Denn acht Seiten später heißt es: “Geldvermögen auf Rekordhoch”. Die Aktienmärkte schreibt die Wirtschaftsredaktion haben sich (wie wir alle wissen – dazu “Reich wie… Thomas Gottschalk”) vom Corona-Crash vergleichsweise rasch erholt. Das ist  natürlich nicht der einzige Grund für das hohe Vermögen – die Sparquote stieg auch. So wie die, die am liebsten den Finanzteil lesen, im Feuilleton sicher viel lernen könnten, ist es halt auch umgekehrt.

Bringen wir Feuilleton und Finanzen, sparsam und verschwenderisch leben zusammen – dazu mein leider sehr männerdominierter Text bei Bento/Spiegel für alle Frugalisten und die, die keine sein wollen.