Utøya, 22. Juli – Weil Geld nicht alles ist

“Du wirst es nie verstehen”, sagt die junge Kaya und schaut uns an. Diese Einstiegsszene des norwegischen Spielfilms über das Massaker auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011 macht den Zuschauer sofort zum Teil des folgenden mörderischen Weltgeschehens.

Seit ein paar Tagen zeigen die Kinos in Deutschland den Film. Es ist ein grausames Protokoll jener 72 Minuten während der der Rechtsradikale Anders Behring Breivik 69 zumeist Jugendliche ermordete (nachdem eine von ihm gezündete Bombe im Osloer Regierungsviertel schon zu 8 Toten geführt hatte).

Die Kamera begleitet die jungen Menschen. Anfangs ist sie dabei, als sie scherzend Weltpolitik diskutieren und dann, als sie panisch vor dem schwerbewaffneten Mörder fliehen.

Ein sehr sehenswerter Film, der das Grauen zumindest ansatzweise vermittelt und zeigt, was Behring Breivik mit seiner Tat den jungen Leuten genommen hat. Der Mörder ist nur ganz selten und dann nur von ganz weit weg zu sehen – schließlich haben ihn die meisten Gejagten wohl auch nicht zu Gesicht bekommen. Manko des Filmes ist jedoch, auf die kruden, rassistischen Gedanken von Anders Behring Breivik nur kurz hinzuweisen. Sehenswert ist er dennoch.

Mitfühlender Ministerpräsident

Der 22. Juli 2011 war der wohl schwärzeste Tag in der norwegischen Nachkriegsgeschichte. Von Innen heraus war Norwegen attackiert worden. Und es stand zusammen, verteidigte von Innen heraus seine Freiheit und Würde – mit Trauermärschen und Gedenkveranstaltungen.

Ministerpräsident Jens Stoltenberg gelang es damals mit viel Mitgefühl, den richtigen Worten und Umarmungen, wenn Gesprochenes nicht mehr genug war, ein Zeichen zu setzen und endgültig zum Landesvater zu werden (darüber habe ich damals u.a. aus Norwegen für Focus berichtet, der Text steht hier; unten seine bewegende Trauerrede im Osloer Dom am 23. Juli 2011).

Norwegen mag schon damals das reichste Land der Welt gewesen sein, doch all das Geld hat am 22. Juli nicht geholfen. Das Mitgefühl, das Stoltenberg und so viele andere in den Tagen danach zeigten, schon. Den Angriff auf die Freiheit der Norweger machte es nicht ungeschehen, dessen Folgen konnte es wohl aber lindern.

Ereignisse wie der 22. Juli und damit auch Filme wie Utøya erinnern stets daran, dass zum Reichtum einer Gesellschaft auch Werte gehören.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.