Kohle Aus: Norwegens Bottrop

Keine Ahnung, ob das Absicht war. Ausgerechnet am heutigen Tag, an dem in Bottrop Deutschlands letzter Steinkohlebergbau die Förderung einstellt, hält uns der norwegische Ölfonds über seine Kohle-Aktivitäten auf dem Laufenden. Auch die haben tüchtig abgebaut. Hier der entsprechende Chart aus der heutigen Mitteilung von NBIM:

Kohle im Benchmarkindex (Grafik: NBIM).

Kohle im Benchmarkindex (Grafik: NBIM).

„Du hast ’n Pulsschlag aus Stahl
Man hört ihn laut in der Nacht
Du bist einfach zu bescheiden
Dein Grubengold
Hat uns wieder hochgeholt
Du Blume im Revier“

Herbert Grönemeyer singt zwar von Bochum, aber ich finde, es passt auch gut zu Bottrop. Deshalb das Video gleich zu Beginn.

 

 

 

Der kleine Junge und das Bier

Coca-Cola? Anheuser? Egal, Hauptsache Prost! (Foto: Bomsdorf)

Coca-Cola? Anheuser? Egal, Hauptsache Prost, ob mit Bier oder Coke! (Foto: Bomsdorf)

Es geht doch nichts darüber, mal wieder bei seinem alten Arbeitgeber vorbeizuschauen und sei es auch nur virtuell. Von 2012 bis 2014 habe ich für The Wall Street Journal und Dow Jones gearbeitet, zu denen auch Marketwatch gehört. Vor ein paar Tagen war dort dieser spannende kurze Text zu finden. Als kleiner Junge hatte Meb Farber, der als Erwachsener die Investmentgesellschaft Cambria mitbegründet hat, seinem Vater eine Postkarte mit Investmentideen geschrieben, darunter eine Bier-Marke: Anheuser.

Ein 12-Jähriger, der aus dem Sommercamp nach Hause ausgerechnet eine Liste mit den Aktien, die er gerne kaufen würde, schickt, klingt schon sehr speziell. Einerseits schade, dass er damals womöglich nichts anderes im Kopf hatte, andererseits schön für uns. Denn wir können sehen, dass er mit seinen Ideen ziemlich gut lag – und daraus unsere eigenen Schlüsse ziehen.

Coca-Cola, Anheuser und so weiter – auf Mebs Liste standen die großen Konsumgüter (ja, nicht nur die Hersteller von Bier und anderen Getränken), die jeder kannte. Und kaufte. Damit hätte er laut Marketwatch jährlich zwei Prozentpunkte besser abgeschnitten als der US-amerikanische S&P 500 Index. Ziemlich gut also. Beneidenswert gut.

Ein Zufallstreffer, keine Frage. Er wählte einfach, was er kannte. So etwas kann genauso gut nach hinten los gehen. Manch ein ehemals bekanntes Großunternehmen hat nämlich auch schon Konkurs anmelden müssen. Zudem gibt es sicher, dass es andere Indizes, die statt des S&P zum Vergleich hätten herangezogen werden können, gibt, die besser als Mebs Auswahl abgeschnitten haben. Welche wäre ein solcher Index sogar der bessere Vergleich gewesen, weil vom Risiko her Mebs Portfolio ähnlicher.

Das Beispiel lehrt: Hinterher ist man immer klüger und denkt „hätte ich mal“. Wen man länger drüber nachdenkt, wird, aber klar, dass auch das eigentlich nur ein Argument mehr ist, zwar zu investieren, aber breit und mit dem Markt.

Panik und Sex und warum Anleger so nicht denken sollten

In Marketing und Journalismus gibt es den alten Satz „Sex sells“ (zur Panik kommen wir später). Soll heißen, nackte Haut erregt Aufmerksamkeit und in der Werbung helfen sexy Lächeln, unbedeckte Beine (und mehr) Autos und dergleichen zu verkaufen. Im Journalismus sollen sie für Klicks und Heftabsatz sorgen. Das führt oft zu absurden Illustrationen. Journalisten nutzen Portraitbilder, die so gut wie nichts mit dem Inhalt eines Artikels zu tun haben, um diesen an den Leser zu bringen. Dann soll eine strahlende junge Frau, die sich vielleicht sogar ein Taschentuch vor den Mund hält, den Dieselskandal illustrieren. Es gibt noch viel komischere Beispiele. Die würde ich gerne zeigen. Andererseits könnte man mir dann ja vorwerfen, dass ich genauso versuchen würde mit halb oder ganz nackten Körpern für Klicks zu sorgen. Also mal ohne Bilder.

Wenn es um Börsenberichterstattung geht, wird der Sex gern durch Panik ersetzt. Die spricht schließlich genau so Instinkte an. In diesem Fall Angst (vor dem Crash) und Gier (noch schnell im Plus zu verkaufen). Dieser Tage, wo die Börsen etwas stärker schwingen, geht das ganz einfach. Mir fiel da neulich der newsletter des Handelsblatts (negativ) auf. „Ende der Party“ wurde 1m 12. Oktober getitelt – ohne Fragezeichen. „schwache Konjunktur, Angst vor einem Handelskrieg und steigende Zinsen: Die Stimmung an den internationalen Börsen könnte kaum schlechter sein. Weltweit haben Investoren einen breiten Ausverkauf von Aktien gestartet. Für Anleger gilt ab sofort verschärfte Anschnallpflicht“, ging es weiter (fett wie im Original). Achwas, es geht also nicht immer nur nach oben?

Da war ich nicht der Einzige, der sich ärgerte, dass die seriöse Wirtschaftszeitung da so wenig nüchtern die Stimmung an den Märkten beschrieb. Kollege Gerald Braunberger von der FAZ schrieb heut diesen Kommentar mit einem ebenso heftigen wie lustigen Seitenhieb auf das Handelsblatt. Was nicht heißen soll, dass die FAZ nicht manchmal ähnlich wenig stringent ist.

Wer wirklich erfolgreich investieren möchte, weiß, dass Panik kein gutes Verkaufsargument ist. Lieber nüchtern handeln und die Aufregung woanders suchen. Wer in Panik verkauft mag allenfalls kurzfristig Verluste begrenzen, langfristig wohl eher die Gewinne. Denn Privatanleger steigen üblicherweise beim Aufschwung zu spät wieder ein und realisieren vor allem hohe Handelskosten. Gewinn macht, wer sich vom Auf und Ab nicht irritieren lässt, sondern stetig und langfristig anlegt. Etwas ausführlicher erläutere ich das in diesem Beitrag.