Investieren ist kein Poker-Spiel. Oder doch?

Wenn es um internationale Politik oder um Finanzen geht, dann ist selten ein Magazin so lesenswert wie der britische Economist. Aktuell ist auf der Website ein frei zugänglicher und eingänglicher Vergleich zwischen Poker spielen und investieren zu lesen. Die beiden hätten so Einiges gemeinsam und es lohne, ähnliche Regeln anzuwenden.

Nur kurz (es ist Sonntag) ein paar Gedanken: Bei dem Kartenspiel wie an der Börse spielt der Zufall eine große Rolle. Und die Emotionen tun es ebenso. Die wichtigste Konsequenz? An einer Strategie festhalten. Das (siehe Emotionen) ist einfacher gesagt als getan, doch der kurze Text im Economist macht deutlich, dass das wohl das Beste ist, wenn man eben (siehe Zufall) nicht alles in der Hand hat.

 

Noch mehr China im Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets und was Privatanleger damit anfangen können

Schwellenländer wie China, Brasilien oder Ägypten gelten vielen Anlegern als besonders riskant; nicht ganz zu unrecht, schwanken die Papiere dort doch erheblich stärker als die der großen Industrienationen. Das zeigt allein ein Vergleich des MSCI Emerging Markets mit dem MSCI World, wie ihn MSCI zum Beispiel in diesem Dokument selber vornimmt. Der enthaltene Chart zeigt aber auch, dass die Schwellenländeraktien längerfristig erheblich stärker gestiegen sind.

China bekommt dieser Tage besonders viel Aufmerksamkeit von Investoren, hat MSCI doch chinesische Aktien neu im Schwellenländerindex aufgenommen. Allerdings sind nur einige Aktien aus China neu im MSCI Emerging Markets, denn viele enthält der Index schon jetzt, sogar so viele, dass China mit fast 30% das Land ist, das das größte Gewicht hat. Wer sich mit dem Index beschäftigt, sollte wissen, dass es also nur um eine Erweiterung geht und keine Neuaufnahme Chinas. MSCI definiert als Schwellenländer (auch aufstrebende Volkswirtschaften genannt oder eben auf Englisch Emerging Markets) übrigens nicht nur die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China sowie einige Volkswirtschaften, die sicher viele ebenso dazu zählen würden wie Ägypten, Indonesien, Malaysia oder Mexiko, sondern auch Tschechien, Griechenland und Polen – allesamt EU-Mitglieder also.

Welche Bedeutung Schwellenländer im persönlichen Portfolio haben sollen, ist eine der grundsätzlichen Entscheidungen einer längerfristigen Anlagestrategie. Die Aktien sorgen für Rendite und Schwankungen, letztere allerdings haben historisch nicht so stark mit denen der entwickelten Volkswirtschaften korreliert, deshalb kann eine Kombination aus beiden das Risiko senken.

Der norwegische Ölfonds hat nicht von Beginn an auf diese Anlagen gesetzt, sondern erst etwas später, dann aber sehr erfolgreich. Ende 2017 waren 10 Prozent des Fondsvolumens in Emerging Markets angelegt (vgl. Jahresbericht 2017 S. 26). Wer bereit ist, ein höheres Risiko einzugehen, setzt auf 20%.

 

(Frei)Handel mit Trump – Strafzölle und zurück zum Merkantilismus?

Handel mit Wandel oder Kaufmann von Venedig (Foto: Bomsdorf)

Handel mit Wandel oder Kaufmann von Venedig (Foto: Bomsdorf)

Trump trumpft auf und erhebt Strafzölle auf europäische Produkte. Wobei es gar nicht entscheidend ist, dass es Straf-Zölle sein sollen, Zölle sind meist problematisch genug. Sie behindern den freien Handel. Denn plötzlich ist nicht mehr der eigentliche Preis einer Ware entscheidend, sondern der künstlich geänderte Endpreis.

Wenn von heut auf morgen plötzlich 7,30 Euro auf jeden Liter nichtalkoholischer Getränke anfallen würde, würden die Leute sicher mehr als jetzt zu Bier und Wein greifen und sich „einen reinstellen“ wie es in manchen Teilen Deutschlands heißt, das aber nur halbfreiwillig, denn Marktpreise vorausgesetzt, würden sie sicher Wasser, Saft, Milch und Kaffee vorziehen. Die Strafabgabe zerrt also Wunsch und Wirklichkeit auseinander.

Genauso machen es Trumps Strafzölle. Wenn Stahl aus Europa durch diese in den USA nun teurer wird als das heimische Produkt, so werden die Käufer dort quasi gezwungen zu kaufen, was sie eigentlich (nämlich zum ehrlichen Preis) nicht wollen.

Damit erscheint ein eigentlich weniger wettbewerbsfähiges Produkt plötzlich attraktiver. Schade um die Marktwirtschaft und den damit verbundenen Wohlstandsverlust, denn natürlich könnte mehr und/oder besser konsumiert werden, wenn das preiswertere Produkt eine reelle Chance hätte.

Wie gut freier Handel für ärmere wie reichere Länder mit unterschiedlicher Wirtschaftsstruktur sein kann, hat David Ricardo vor Ewigkeiten gezeigt. Denn dieses Jahr ist es nicht nur 150 Jahr her, dass mit Das Kapital das Standardwerk von Karl Marx erschienen ist, auch mit Ricardo ist ein Jubiläum zu feiern: 200 Jahre kooperativer Kostenvorteil. Wenn sich Länder auf die Güter spezialisieren können, die sie besser und also günstiger herstellen können – und sei es relativ – nutzt das der ganzen Weltwirtschaft. Damals war diese Erkenntnis eine Abkehr vom Merkantilismus.

Merkantilismus? Was war das nochmal? Richtig: „eine durch massive Staatseingriffe in die Wirtschaft gekennzeichnete Wirtschaftspolitik während der Zeit des Absolutismus zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Ziel war die Steigerung der nationalen Wirtschaftskraft und die Erhöhung der Staatseinkünfte, z. B. durch die Erhebung von Schutzzöllen und die Förderung der frühindustriellen Produktion.“ Hier einfach mal das Datum durch 2018 ersetzen und schon stimmt es auf das Schreckensszenario, an das Trump sich derzeit macht. Für die Weltwirtschaft sind das düstere Aussichten, für Investoren einerseits auch, andererseits ist es immer noch besser investiert zu bleiben und schwächeres Wachstum mit zu machen, als jetzt die Reißleine zu ziehen und wieder nur am Rande zu stehen mit Bargeld, das langfristig garantiert an Wert verliert.