Anleihen mit Aktiencharakter – Beispiel Beate Uhse

Anleihen gelten als vergleichsweise sicher und gehören deshalb als Ruheanker mit ins Portfolio. Aber längst nicht alle Anleihen! Denn manche schwanken mindestens ebenso stark wie Aktien. Eine ganz simple Regel lautet: Meiden Sie Anleihen mit Aktiencharakter! Das sind solche, die eben nicht geeignet sind, ein Depot stabiler zu halten, weil sie weniger und anders schwanken als der Aktienpart. Sehr anschaulich wird dies bei Anleihe und Aktie von ein und dem selben Unternehmen, wenn dieses in große Schwierigkeiten gerät. Genau das passierte vor einiger Zeit der Flensburger Beate Uhse AG.

Aktien und Anleihen der Beate Uhse AG sind mit dieser gecrasht.

Aktien und Anleihen der Beate Uhse AG sind mit dieser gecrasht.

Nun ist sie insolvent. Schauen Sie sich einmal an, wie sich deren Anleihe mit Laufzeit bis Sommer 2019 seit Auflage im Sommer 2014 bis heute entwickelt hat und vergleichen Sie die Tour mit der der Aktie. Die Aktie verlor 95 %, die Anleihe rund 87 % – das ist ein Unterschied, aber letztlich ein wenig tröstlicher für den, der in eins der beiden oder beider Papiere investiert hat. Sex sells sieht anders aus.

Klar, die Beate Uhse-Anleihe hat einen hohen Kupon gehabt – viel mehr als eine Staatsanleihe. Aber diese 7,75 % kamen nicht von ungefähr, sondern sind eine Risikoprämie. Zu einem guten Vermögensklassemix gehört ein stabiler Part. Da auf Unternehmensanleihen zu setzen, ist nicht empfehlenswert. Für Chance und Risiko ist der Aktienpart zuständig.

Wieder einmal lohnt ein Blick auf den norwegischen Ölfonds, der in 2017 angekündigt hat, nur noch auf Staatsanleihen zu setzen. Natürlich ist es wichtig, da auch bestimmte Kriterien zu haben. Welche, erkläre ich in meinem Buch “So werden Sie reich wie Norwegen”.

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Kein Profit mit Nuklearwaffen – NGO lobt norwegischen Ölfonds

PAX und ICAN bitten: "Don't Bank on the Bomb". Der norwegische Ölfonds macht's vor. (Bild: Pax)

PAX und ICAN bitten: “Don’t Bank on the Bomb”. Der norwegische Ölfonds macht’s vor. (Bild: Pax)

Nachhaltiges Investieren ist in letzter Zeit ein großes Thema geworden. Dabei geht es nicht nur um ökologische Kriterien, sondern auch andere Vorgaben, die dazu beitragen sollen, dass das eigene Geld die Welt nicht schlechter macht, um es einmal so plakativ auszudrücken. Laut Verbraucherzentrale Bremen (Daten von 2017) wollen 75 % das Geld ihrer Altersvorsorgeprodukte nicht für die Rüstungsindustrie hergeben. Auch der norwegische Ölfonds hat sich ethische Richtlinien gegeben, die unter anderem Profit mit Nuklearwaffen ausschließen. Dazu gehören auch Hersteller, die Produkte anbieten, die für die Atomwaffennutzung gedacht sind. Damit boykottiert der Fonds unter anderem die Flugzeughersteller Airbus und Boeing (Details sowie andere Unternehmensnamen auf der schwarzen Liste bei NBIM).

Die Nichtregierungsorganisation PAX hat gerade ihren jährlichen “Don’t Bank on the Bomb” herausgebracht, indem analysiert wird, wie Investoren mit  Nuklearwaffen Geld verdienen. Während etliche Banken Kritik einstecken müssen, wird der norwegische Ölfonds lobend erwähnt. Eben weil er nicht nur die Atombombenhersteller selber, sondern ebenfalls verbundene Produzenten ausschließe (so erst kürzlich).

Blick auf den Osloer Hafen mit den Rathaustürmen. (Foto: Bomsdorf)

Blick auf den Osloer Hafen mit den Rathaustürmen. (Foto: Bomsdorf)

Den Bericht publiziert PAX übrigens nicht alleine, sondern zusammen mit ICAN (International Campaign to Abolish Nuclear weapons). Der Name kommt bekannt vor? Kein Wunder, ICAN hat 2017 den Friedensnobelpreis erhalten – in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

Als Privatinvestor können Sie ebenfalls versuchen, Ihr Geld Waffenproduzenten zu entziehen. Das geht, indem Sie keine Aktien dieser Unternehmen kaufen. Wenn Sie mit ETFs investieren, müssen Sie ganz einfach darauf achten, die Varianten zu kaufen, die auf ethische Versionen von Indizes setzen. Der Indexanbieter MSCI, auf den sich viele ETFs beziehen, kennzeichnet diese mit dem Kürzel SRI.

Sind Sie neugierig geworden, was es noch so für Möglichkeiten gibt, nachhaltig zu investieren, wie es die Norweger machen? Mehr erfahren Sie in meinem Buch, das am 12. April bei Campus erscheint.

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Was Robo-Advisor so mit Ihrem Geld machen würden

Wer Geld anlegen möchte oder muss, sollte das selber tun. Finde ich. Nicht unüberlegt, sondern mit Strategie, am besten angelehnt an den norwegischen Ölfonds. Doch sind Robo-Advisor eine gute Alternativ? Investieren nach dem Prinzip des Ölfonds ist preiswert und lässt basierend auf historischer Performance recht ordentliche Rendite erwarten und das bei relativ geringem Risiko. So hat der norwegische Ölfonds seit 1998 den DAX geschlagen und gleichzeitig weniger geschwankt als dieser. Ja, das Historische ist nie Garant für die Zukunft, aber bester Orientierungspunkt.

Jetzt aber zu dem Anlagevehikel, das in letzter Zeit sehr in Mode gekommen ist. Robo-Advisor, Finanzfirmen also, die die Auswahl von Papieren dem Computer überlassen. Wie beim Ölfonds wird auch hier versucht, den optimalen Mix, der sich unter anderem aus Anlagezeitraum und Risikobereitschaft ergibt, zu finden. Robo-Advisor kosten im Schnitt insgesamt jährlich um die 1 %. Damit sind Gebühren für das dahinterstehende Unternehmen ebenso wie für die eingesetzten Produkte abgegolten.

1 % Kosten pro Jahr ist alles andere als wenig, aber im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds nicht so viel. Wer nach dem Vorbild Ölfonds investiert, sollte aber deutlich darunter liegen. Die Süddeutsche Zeitung hat sich angeschaut, wie die drei Robo-Advisor Scalable Capital, Visualvest und Quirion 30.000 € für einen 40-Jährigen mit 100.000 € verfügbaren Vermögen und mittlerer Risikotoleranz fürs Alter anlegen würden. Das Ergebnis steht hier (Ergebnis heißt in dem Fall nur Zusammensetzung des Depots, keine Rendite, aber bei kurzem Horizont wäre die auch gar nicht so aussagekräftig) und wirft die Frage auf, ob man das selber nicht besser und preiswerter kann.

Zwei weitere große Vorteil, den meines Erachtens das selbst gemanagten Portfolio mit sich bringen:

  • Man muss sich mehr mit dem Marktgeschehen auseinander setzen und kann so lernen die Finanzmärkte zu verstehen.
  • Die Auswahl der Produkte ist komplett in eigener Hand. So fällt es zum Beispiel leichter, auf ausgewählte nachhaltige ETFs zu setzen.

Was ich aber in jedem Fall empfehlen kann, ist der Blog beim Robo-Advisor Scalable. Fundiert und mit Verweis auf viele interessante Daten schreiben der Scalable-Gründer Stefan Mittnik und seine Kollegen über Finanzmärkte und Wirtschaft und geben Denkanregungen, auch für jene, die lieber selber investieren als dies einem Robo-Advisor zu überlassen.