500 Milliarden weg – ja und?

Screenshot von www.nbim.no 23. März 2018, 19 Uhr 10, mit dem Wert des Ölfonds.

Screenshot von www.nbim.no 23. März 2018, 19 Uhr 10, mit dem Wert des Ölfonds.

Anfang der Woche führte ich ein längeres Interview mit Ulrik Haagerup. Der frühere Nachrichtenchef des dänischen Senders DR bildet Journalisten weiter, weil er sich um die Branche sorgt. Er meint Journalismus sei viel zu sehr zur Panikmache geworden. Es mangle an Nuancierung und konstruktiven Geschichten. Recht hat und was Haagerup vor allem auf die Berichterstattung zu Politik und Vermischtem bezog, gilt auch für die Börse.

Satte 500 Milliarden Kronen habe der norwegische Ölfonds seit Jahresbeginn verloren, schreibt Dagens Næringsliv unter der Überschrift “Ölfonds unter 8000 Milliarden”. Wer drüber nachdenkt, für den ist das eigentlich eine uninteressante Nachricht. Ja, es ist ein Wertunterschied von über 5 %. Aber binnen drei Monaten ist es nun wirklich nicht der Rede wert. Im Artikel steht auch, dass der Fonds den Wert von 8000 Milliarden Kronen erst im Herbst erreicht habe. Also ist das Gesamtvolumen (Wertentwicklung samt Ein- und Auszahlungen) wieder auf das Niveau von vor ungefähr einem halben Jahr zurückgefallen. Das ist nun wirklich keine große Schwankung.

Wer bei seinem eigenen Depot schon ein mulmiges Gefühl bekommt, wenn der Wert binnen sechs Monaten de facto nicht zulegt, der sollte vielleicht doch lieber auf das Sparbuch setzen. Und muss dann aber damit leben, dass der Wert real in zehn Jahren vermutlich geringer ist als heute während derjenige, der Schwankungen durchsteht, gute Aussichten hat, einen erheblich besseren Schnitt zu machen. Auch, wenn es vermutlich nie 500 Milliarden werden, aber der relative Erfolg zählt.

Heute ist.. Tag der Aktie?!?

Was es alles gibt! Heute, am 16. März, ist der “Tag der Aktie“. Ehrlich gesagt hatte ich davon nie etwas gehört – bis mich der newsletter vom Deutschen Aktieninstitut erreichte. Im Anschreiben hieß es “zum Tag der Aktie erinnert das Deutsche Aktieninstitut daran, dass sich mit Aktien langfristig beachtliche Sparerfolge erzielen lassen. Dabei geht es nicht um den richtigen Einstiegszeitpunkt, sondern darum, dass man kontinuierlich und breit gestreut in Aktien investiert.” Recht haben sie. Deshalb verlinke ich hier auch gerne zur kompletten Pressemeldung; möchte mir aber den Hinweis, dass der norwegische Ölfonds seit Auflegung 1998 besser abgeschnitten hat als der Dax, nicht verkneifen.

Interessanterweise stammt die erste Aktie, die es je gab aus Nordeuropa. In Schweden gab die Kupfermine in Falun unter dem Namen “Stora Kopparbergs bergslag” 1288 Anteilsscheine heraus. Den Nachfolger des Unternehmens gibt es noch heute. Nach Umbenennung und Fusionen heißt das Unternehmen Stora Enso und ist immer noch börsennotiert. Falun ist international auch ein Name, weil hier das bekannte Falunrot der schwedischen Holzhäuser herkommt. Die Pigmente davon stammten ebenfalls von “Stora Kopparbergs bergslag” Kupfermine, die erst 1992 geschlossen wurde. Wie sich das Investment wohl entwickelt hätte, wenn die eigenen Vorfahren im 13. Jahrhundert auch nur eine Aktie der Bergbaugesellschaft gekauft und diese bis heute in der Familie geblieben wäre? Womöglich noch besser als die Bilder von Carl Larsson? Dessen bunte Familienidylle sind der zweite Exportschlager aus der Gegend um Falun.

Der Tag der Aktie ist natürlich eine Erfindung der Finanzwirtschaft (schreibt die Deutsche Börse hier bei Finanzen.de). Trotz des hehren Anliegens Vermögensbildung zu demokratisieren (und des weniger hehren, aber völlig akzeptablen Anliegens, Provisionen zu verdienen), hat es der Tag zu Recht nicht zu jener Bedeutung und Bekanntheit gebracht, wie der in der vergangenen Woche gefeierte Weltfrauentag.

Frauen investieren besser. Wie wir alle etwas weiblicher anlegen können

Analysen privater Wertpapierdepots kommen immer wieder zum Ergebnis: Frauen investieren besser als Männer. Es liegt nahe, den Misserfolg der Männer auf einen allzu menschlichen (oder allzu männlichen ?) Fehler zurückzuführen, der bei der Geldanlage dem langfristigen Erfolg im Weg steht: Selbstüberschätzung.

Von der Wall Street nach Oslo: Fearless Girl der Künstlerin Kristin Visbal symbolisiert auch, wie Frauen investieren. (Foto: Grand Hotel / Ringnes Stiftung)

Von der Wall Street nach Oslo: Fearless Girl der Künstlerin Kristin Visbal symbolisiert auch, wie Frauen investieren. (Foto: Grand Hotel / Ringnes Stiftung)

Demnach ist bei den Männern der Gedanke, besser als der Durchschnitt zu sein, besonders verbreitet. In dem Fall wäre das der Glaube, daran, den Markt langfristig schlagen zu können. Der Markt ist aber nichts anderes als die Summe aller Anleger. Wenn nicht ausgerechnet diejenigen mit größeren Vermögen die schlechteren Investoren sind, ist es nicht möglich, dass eine Mehrheit den Markt schlägt. Da mag jeder Einzelne davon auch noch so von sich überzeugt sein.

Wer bei der Geldanlage erfolgreich sein will, braucht ein bescheidenes oder rationales Korrektiv. Dass muss sich ihm immer dann in den Weg stellen, wenn die Selbstüberschätzung mal wieder droht, einen Strich durch die Rechnung zu machen. In etwa so, wie die Skulptur des kleinen Mädchens, dass vergangenes Jahr dem Bullen (dem Symbol für boomende Aktienmärkte) an der Wall Street Paroli bot (hier ein Text mit Foto aus der Süddeutschen Zeitung). So wie sie selbstbewusst dastand, sah es nicht aus, als wolle sie den Aufschwung abwürgen, sondern nur den Übermut.

Passenderweise steht die Figur “Fearless Girl” seit dem Weltfrauentag in diesem Jahr, dem 8. März 2018 also, in Oslo (siehe Foto oben). Die Stiftung des Investors und Kunstliebhaber Christian Ringnes hat sie in die norwegische Hauptstadt geholt.

Von der Position vor dem Grand Hotel bis zur Zentrale des norwegischen Ölfonds sind es nur ein paar Minuten zu Fuß. Der Ölfonds ist zwar auch stark männerdominiert, Frauen investieren dort aber auch. Er hat sogar ein paar Frauen im Top-Management. Weibliches Spitzenpersonal ist nicht nur wie üblich im Bereich Personalwirtschaft angetreten, sondern zum Beispiel auch ganz oben im Immobiliensegment (hier ein kleiner Überblick über das Spitzenpersonal von NBIM).

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die Vermutung der Forscher des DIW, dass die weibliche Vorsicht auf geringeres Anlagevolumen zurückzuführen ist.