Aktionär? Jung, niedriges Einkommen, Ost gesucht!

Interessante Zahlen vom Deutschen Aktieninstitut (DAI): In Deutschland legen vor allem gutverdienende Ältere ihr Geld in Unternehmen an. Schade! Aktionär sollte jeder sein. Die im Alter zwischen 40 und 60 Jahren investieren am fleissigsten in Aktien und Aktienfonds. Rund jeder fünfte von ihnen macht das laut DAI, während die Quote der 14 bis 39-Jährigen nur rund halb so hoch ist.

Hohes Einkommen = höhere Aktionärsquote

Das hängt sicherlich auch mit dem Einkommen zusammen. Denn DAI hat ebenso herausgefunden, dass die Aktionärsquote mit dem Haushaltsnettoeinkommen steigt. Das liegt nun einmal im Trend im Alter höher. (Wobei bei Familien in den Haushalten natürlich auch jüngere dazu zählen – da die in der Regel mit 18-20 ausziehen und damit nur in den Jahren von 14 bis zu diesem Alter in die Statistik einfließen, dürfte dieser Effekt nicht allzu groß sein). Fast jeder Dritte in einem Haushalt mit über 4000 € netto pro Monat war in 2019 Aktionär. Bei denjenigen mit 2000 € bis 3000 € netto lag diese Quote bei nur knapp 13%.

Was auf den ersten Blick naheliegend scheint, ist schade. Denn gerade für jene unter 40 und auch gerne unter 30 oder 20 dürfte sich das langfristige risikoreichere, aber risikokontrollierte Sparen und Investieren besonders auszahlen. Schließlich haben sie einen finanziellen Horizont von mehr Jahrzehnten als jene, die 40, 50, 60 oder älter sind.

Junge und Ärmere hinken hinterher – leider

Genau so sind diejenigen mit weniger Geld mehr darauf angewiesen, möglichst viel daraus zu machen. Wer mit kleinen Summen früh anfängt, hat gute Chancen – das zeigt beispielhafte Tabelle 1 aus meinem Buch „So werden Sie reich wie Norwegen“.

Renditeerwartungen - lang Aktuionär sein zahlt sich aus.

Berufsanfänger gehören sicher meist eher zu den unteren Einkommensklassen. Gleichzeitig ist deren Haushaltsgröße im Schnitt vermutich eher kleiner und damit das verfügbare Einkommen pro Kopf gar nicht so anders als bei manchem besser Verdienenden. Schon in den 20ern jeden Monat 30 Euro zurückzulegen und an der Börse anzulegen, könnte damit mehr Leuten möglich sein als es laut Aktionärsquote tun (am besten dann nach ein paar Jahren auf eine höhere Sparrate wechseln). Zumal, wenn man bedenkt, dass gerade Berufsanfänger dazu neigen, Lebensversicherungen oder Verträge mit berufsständischen Versorgungswerken abzuschließen, die schnell mehr kosten und zu einem guten Teil provisionsgetrieben sind, aber schlechtere Renditeerwartungen haben als das selbstgesteuerte Anlegen an der Börse. Das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut ifo fordert übrigens Ähnliches.

Diese drei Buchstaben verschweigt DAI

Im Osten weniger Aktionäre. Schade.

Quelle: DAI

Was das DAI auch zeigt: In den ostdeutschen Bundesländern liegt die Aktionärsquote deutlich niedriger als in den westdeutschen. Interessanterweise war der Abstand hier vor einigen Jahren geringer. Doch ist die Quote im Osten deutlich stärker zurückgegangen als im Westen (S. 19 im hier verlinkten pdf des DAI). Auch das ist schade.

Das DAI ist eine Lobbyorganisation und möchte ganz im Sinne der Finanzinstitute, dass sich mehr Leute an der Börse engagieren. Da DAI da transparent ist und die eigenen Interessen nicht zu verschleiern versucht, ist dagegen nichts einzuwenden (und gegen das Ziel ohnehin nicht).

ETF – die kostengünstige Alternative zu klassischen Fonds der Banken – werden in dem Bericht des DAI nicht explizit erwähnt, um mehr Leute preiswert für die Börse zu begeistern. Das mag daran liegen, dass die Banken damit natürlich nicht so gut verdienen wie mit aktiven Fonds. Wer um die Vorteile von ETF weiß, wird hier anders handeln als DAI es womöglich gerne hätte – und ohne viel Arbeit Aktionär werden.

Aber bitte mit… Moral

Wer mein Buch kennt, kennt auch Yngve Slyngstad, den Chef des norwegischen Ölfonds. Ich habe ihn wie auch seinen Vorgänger Knut Kjær mehrfach interviewt – unter anderem für die Financial Times Deutschland und die Wirtschaftswoche. Jetzt war Die Zeit dran. Also machte ich mich einmal mehr auf nach Oslo.

Was interessierte die Wochenzeitung am meisten: Markt und Moral. Der Dauerbrenner also. Von meinem VWL-Professor Johann Eekhoff ist mir ein Satz in Erinnerung geblieben (tut mir leid, nicht mehr), denn er beinahe genüsslich immer wieder sagte: „Der Markt kennt keine Moral.“

Da hatte der eingefleischte Liberale Eekhoff vielleicht recht. Wie aber schaut es mit den Marktteilnehmern aus? Also uns Investoren und Konsumenten, können wir nicht mit Moral agieren und trotzdem den Markt nicht zerstören?

Das treibt auch den Ölfonds, die Zeit und deren Leser um und mich sowieso. Also ging es genau darum in dem Interview mit Slyngstad, das es hier online bei Die Zeit (gedruckt erschienen im November 2018) zu lesen gibt.

 

Kohle Aus: Norwegens Bottrop

Keine Ahnung, ob das Absicht war. Ausgerechnet am heutigen Tag, an dem in Bottrop Deutschlands letzter Steinkohlebergbau die Förderung einstellt, hält uns der norwegische Ölfonds über seine Kohle-Aktivitäten auf dem Laufenden. Auch die haben tüchtig abgebaut. Hier der entsprechende Chart aus der heutigen Mitteilung von NBIM:

Kohle im Benchmarkindex (Grafik: NBIM).

Kohle im Benchmarkindex (Grafik: NBIM).

„Du hast ’n Pulsschlag aus Stahl
Man hört ihn laut in der Nacht
Du bist einfach zu bescheiden
Dein Grubengold
Hat uns wieder hochgeholt
Du Blume im Revier“

Herbert Grönemeyer singt zwar von Bochum, aber ich finde, es passt auch gut zu Bottrop. Deshalb das Video gleich zu Beginn.