Utøya, 22. Juli – Weil Geld nicht alles ist

„Du wirst es nie verstehen“, sagt die junge Kaya und schaut uns an. Diese Einstiegsszene des norwegischen Spielfilms über das Massaker auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011 macht den Zuschauer sofort zum Teil des folgenden mörderischen Weltgeschehens.

Seit ein paar Tagen zeigen die Kinos in Deutschland den Film. Es ist ein grausames Protokoll jener 72 Minuten während der der Rechtsradikale Anders Behring Breivik 69 zumeist Jugendliche ermordete (nachdem eine von ihm gezündete Bombe im Osloer Regierungsviertel schon zu 8 Toten geführt hatte).

Die Kamera begleitet die jungen Menschen. Anfangs ist sie dabei, als sie scherzend Weltpolitik diskutieren und dann, als sie panisch vor dem schwerbewaffneten Mörder fliehen.

Ein sehr sehenswerter Film, der das Grauen zumindest ansatzweise vermittelt und zeigt, was Behring Breivik mit seiner Tat den jungen Leuten genommen hat. Der Mörder ist nur ganz selten und dann nur von ganz weit weg zu sehen – schließlich haben ihn die meisten Gejagten wohl auch nicht zu Gesicht bekommen. Manko des Filmes ist jedoch, Weiterlesen

Wenn Zeit gar nicht so wichtig ist

Halbjahresbericht 1 2018 des norwegischen Ölfonds (Abbildung: NBIM).

Halbjahresbericht 1 2018 des norwegischen Ölfonds (Abbildung: NBIM).

Es ist schon wieder rund drei Wochen her, dass das Management des norwegischen Ölfonds (NBIM) das Halbjahresergebnis präsentiert hat (zu dem Anlass gab es im Deutschlandfunk sowie bei Citywire Beiträge mit Zitaten von mir). Trotzdem habe ich mir bisher nicht die Zeit genommen, darüber zu berichten.

Wer die Strategie des Fonds verstanden hat, weiß, das es nicht weiter entscheidend ist, wann man sich mit dessen Zahlen auseinandersetzt. Das darf heute sein, vor drei Wochen oder in drei Wochen. Denn was zählt, ist das langfristige Ergebnis. Das hängt nicht davon ab, ob Privatanleger sich beim Abgleich Ihres Erfolges etwas mehr oder weniger Zeit lassen.

Welche Rolle Zeit aber spielen kann, wie das persönliche Risikoprofil bestimmt wird und wie eine geschickte globale Verteilung der Investments Schwankungen mindern kann, ist anschaulich in meinem Buch „So werden Sie reich wie Norwegen“ beschrieben, erschienen im Campus Verlag, über dessen Homepage es auch bestellt werden kann (und natürlich beim lokalen Buchhandel ebenso wie bei Amazon). In dem Buch wird auch die ethische Komponente des Ölfonds ausführlicher besprochen. Die unterscheidet ihn von vielen Investoren und sollte auch bei Privaten eine Rolle spielen. (Dieser Absatz kommt bekannt vor? Glückwunsch!)

Zahlen, bitte!

Nun aber kurz zum Halbjahresergebnis (das sich natürlich aus dem ersten Quartal und dem zweiten zusammensetzt). In den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 erwirtschaftete der norwegische Ölfonds ein leicht positives Ergebnis von 0,3% Plus. Das Resultat für Januar bis März hatte noch bei minus 1,5 % gelegen. Der Aktienpart alleine legte in den Monaten April bis Juni um 0,4% zu während Anleihen leicht im Minus lagen (minus 0,4%), die Immobilien – der weitaus kleinste Part des Fonds – dafür deutlich im Plus (4,4%).

Wer die Strategie des Fonds verstanden hat, weiß, das ein solches recht schwaches Ergebnis (ebenso wie ein zeitweiliges Minus) bei der Geldanlage kein Problem darstellt, sondern hingenommen werden muss. Was zählt, ist allein, das Endergebnis, die langfristige Performance also, und die sieht beim Ölfonds weiterhin gut aus.

Sein Ziel von 70 % Aktienquote hat der Fonds übrigens noch nicht ganz erreicht. Ende Juni lag der Wert bei 66,8 %. Je höher der Aktienanteil im Portfolio der Geldanlage, desto höher das Risiko, aber auch die Renditeerwartung. Das gilt für große institutionelle Investoren wie den norwegischen Ölfonds ebenso wie für Privatanleger.

 

Oder doch erstmal weiter mit Öl-Geld für Öl-Aktien? Und was wird mit Equinor?

Mit Öl-Geld bezahlt: Bohrmodule vor Grimstad (Foto: Jan Arne Wold / Equinor).

Mit Öl-Geld bezahlt: Bohrmodule vor Grimstad (Foto: Jan Arne Wold / Equinor).

Kein Öl-Geld mehr in fossile Energieträger – das wünscht sich das Managements des norwegischen Ölfonds. Fortan soll nicht mehr in Aktien von Energieunternehmen, die ihr Geld mit Öl und Gas machen, investiert werden (hier der Vorschlag vom April 2018). So etwas freut natürlich die Verfechter der Divestment-Bewegung. Die fordern, Geld von diesen klimaschädlichen Sektoren abzuziehen.

Das Argument der Norweger indes ist nicht die Umweltverschmutzung, sondern Diversifikation. Denn, wenn die Zuflüsse zum Fonds schon so stark vom Ölpreis abhängig sind, dann sollte der für die Entwicklung des Portfolios wenigstens so gut wie keine Rolle spielen. Deshalb also raus mit Aktien von Öl- und Gas-Gesellschaften wie Exxon oder Shell.

Klingt logisch. Der Logik, dass die Energieaktien im Portfolio zumindest kurzfristig recht stark vom Ölpreis bestimmt werden, schließt sich auch die von der norwegischen Regierung bestellte und soeben veröffentlichte Untersuchung an. Allerdings sei der Verkauf dieser Aktien keine effektive Lösung, um sich gegen Ölpreisfall abzusichern. Denn er gehe auf Kosten der Risikostreuung durch Diversifikation.

Was Equinor mit Mitarbeiteraktien gemeinsam hat

Die Verfasser des Berichts kommen indes mit einer anderen Möglichkeit: Der norwegische Staat könne die Hälfte seiner Anteile an Equinor (früher Statoil) verkaufen und seine Anteile an den Ölfeldern auf dem norwegischen Sockel reduzieren. Politische damit verbundene Erwägungen habe man aber nicht untersucht, heißt es weiter. Die aber sind essentiell: Denn aus dem Anteil an Equinor und den Feldern bestreitet Norwegen schließlich den Ölfonds. Es wäre also ein ziemlich grundlegender Beschluss, da den Besitz zu reduzieren, zumal Equinor verstärkt auf Windkraft setzt. Es bleibt spannend.

Für Privatanleger sind die norwegischen Erwägungen insofern spannend, als dass der hohe Staats- (nicht Fonds-!)Anteil an Equinor ein wenig vergleichbar ist mit jemandem, der privat viel auf Aktien seines Arbeitgebers setzt. Geht es dem richtig schlecht, verlieren die an Wert und der Investor womöglich seinen Arbeitsplatz. Risikostreuung sieht anders aus.