The flip side of the (bit-)coin – Warum Sie lieber keine Bitcoin kaufen oder nur zum Spaß

Es dürfte im Spätherbst vergangenen Jahres gewesen sein, dass am selben Tag zwei meiner Freunde erwähnten in Bitcoin eingestiegen zu sein. Bei dem einen war der Kauf schon etwas länger her gewesen, beim anderen noch ziemlich neu. Gemein war ihnen, dass sie zu wissen meinten, dass es mit dem Kurs nur noch oben gehen könne. Dass es an der Börse nur nach oben gehen kann, ist genauso falsch wie, dass es im Leben stets nur besser (oder schlechter) werden kann.

Bildlich stellt sich das bezogen auf zwei ausgewählte Kryptowährungen so dar:

Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum vs. Euro, August 2017 bis August 2018. (Eigene Darstellung)

Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum vs. Euro, August 2017 bis August 2018. (Eigene Darstellung)

Ein ziemliches Auf und Ab. Wer genau vor einem Jahr eingestiegen ist und jetzt aussteigt, steht gut da. Schade aber um die, die Ende 2017 Bitcoin oder Ethereum gekauft haben…

Die Werte der beiden Kryptowährungen (und nicht nur dieser beiden) schwanken sehr stark (siehe Grafik, gemessen an US-Dollar sind die Schwankungen ähnlich). Es ist halt ein kleiner Markt, der zudem intransparent ist. The Wall Street Journal meint, dass sich das einige zu nutze gemacht und durch Kursmanipulationen tüchtig Geld verdient haben (hier geht es zum aktuellen Artikel). Erst redeten sie die Kurse hoch, dann machten sie Kasse. Mit so simplem wie betrügerischem Verhalten lässt sich nur aus einem Grund Geld machen: weil es Leute gibt, die an vermeintliche Geheimtipps glauben. Sie kaufen im Glauben (das sie wohl als Wissen bezeichnen würden, Hoffnung oder Illusion würden es besser treffen), dass der Kurs bald nach oben gehen muss. Das ist natürlich ziemlicher Blödsinn. Denn wieso sollte ausgerechnet der eine Tippgeber die Zukunft voraussagen können?

Jetzt erst recht? (Screenshot Businessinsider)

Jetzt erst recht? (Screenshot Businessinsider)

Natürlich gibt es andere, die meinen, genau jetzt sei der richtige Zeitpunkt zum Einstieg. Der Meinung können sie gerne sein. Gerade heute stehen zum Beispiel auf der Seite „Investieren mit Kopf“ fünf Gründe „warum Du Bitcoin kaufen solltest“. Anfang des Jahres, genauer am 11. Januar 2018, titelte Businessinsider „Trotz Untergangsstimmung: Warum Experten jetzt zum Kauf von Bitcoins raten“. An dem Tag standen Bitcoin bei über 11.000 Euro. Heute ist eine Einheit der Kryptowährung noch um die 6.000 Euro wert, ein minus von 45 Prozent. Natürlich kann das nur ein Zwischentief sein und die 15.000 Euro werden bald wieder überschritten, so dass auch der, der am 11. Januar kaufte, einen guten Schnitt macht. Aber der Wert schwankt etwas stark für eine solide Anlage, lieber diversifizieren.

Also lieber Geld weg von Kryptowährungen wie Bitcoin oder jedenfalls nur Spielgeld in diese investieren. Wenn ein Großteil davon weg ist, ist es Lehrgeld, das die Erfahrung nun einmal gekostet hat. Und wenn es doch gut geht, ist es halt Lehrgeld, das man bekommen hat.

Es hilft, sich in diesem Zusammenhang an ein paar gar nicht so geheime Tipps zu erinnern. Zwei aus meinem Buch zitiere ich aus aktuellem Anlass:

Alles klar? Wann Sie besondere Vorsicht walten lassen müssen

1. Sagen Sie »Nein Danke«, wenn Ihnen jemand ganz heiße Anlagetipps gibt, die enorme Rendite versprechen und angeblich so gut wie sicher sind. Diese Leute leiden womöglich an Selbstüberschätzung und hoffen, dass Sie davon auch befallen werden. Das würde bedeuten, dass Sie glauben, anders als alle anderen den richtigen Tippgeber aufgetan zu haben. Dann würden Sie nicht nur in dessen Empfehlung investieren, sondern für einen Aktienbrief mit regelmäßigen Tipps womöglich auch noch viel Geld ausgeben. Wer daran vor allem verdienen würde, ist klar.

[…]

3. Ärgern Sie sich nicht, wenn bestimmte Einzelinvestments – egal ob eine Aktie wie Tesla oder so etwas wie die Kryptowährung Bitcoin – sich über einen Zeitraum sehr gut entwickelt haben, Sie diesen Boom aber verpasst haben. Das fällt Ihnen natürlich erst im Nachhinein auf und dann erscheint es auch so verdammt logisch, dass ausgerechnet diese Werte explodieren mussten. Auch dies ist ein Rückschaufehler. Doch es gibt bestimmt ebenso viele Werte, die entsprechend schlecht gelaufen sind und in die Sie auch hätten investiert sein können – es aber zum Glück nicht gewesen sind. Haben Sie einmal ziemlich gut gelegen, seien Sie ehrlich, vermutlich war auch das purer Zufall und Sie geben sich nur im Nachhinein der Kontrollillusion hin.

Die entscheidenden Stichworte hier sind Selbstüberschätzung, Kontrollillusion und Rückschaufehler. Alle drei stammen aus dem spannenden Feld der (Finanz-)Psychologie. Mehr dazu ein andermal.

Hier feiert Divestment einen weiteren Erfolg

Auf dem Weg in eine fossilfreie Zukunft Dank Divestment? Bus auf Spitzbergen. (Foto: Bomsdorf)

Auf dem Weg in eine fossilfreie Zukunft Dank Divestment? Bus auf Spitzbergen. (Foto: Bomsdorf)

Investment hat seit ein paar Jahren ein Gegenstück bekommen: Divestment. Statt Gelder in bestimmte Anlagen zu stecken (to invest), geht es darum, diese aus bestimmten Anlagen abzuziehen (to divest). Üblicherweise sollen bestimmte Branchen oder Unternehmen aus ethischen Gründen nicht länger gefördert / finanziert werden. Der norwegische Ölfonds ist berühmt dafür. Er hat eigens ein Ethik-Komitee, das eine blacklist erstellt. Geld in Öl und Gas zu stecken, ist dem Pensionsfonds auch verboten.

International versuchen Aktivisten auf Investoren einzuwirken und zu erreichen, dass diese divestieren. Oft heißt das, aus fossilen Energieträgern aussteigen. Es sollen also zum Beispiel keine Anteile mehr an Stromanbieter gehalten werden, die Elektrizität aus Kohle erzeugen oder an Bergbau- oder Ölunternehmen, die die entsprechenden Rohstoffe fördern.

In Deutschland hat die Divestment-Bewegung einen neuen Erfolg in Göttingen  gefeiert. Die dortige Uni handelt nunmehr ähnlich wie der norwegische Ölfonds (wenngleich zum Teil aus anderen Gründen – s.u.). Seitens der Uni, die eine Stiftungsuni mit einem verwalteten Vermögen von fast 200 Millionen Euro ist, heißt es in den Ende Juni 2018 beschlossenen Anlagegrundsätzen:

Kein Ölgeld für die Uni Göttingen, so steht es in den neuen Anlagegrundsätzen.

Divestment – Kein Ölgeld für die Uni Göttingen, so steht es in den neuen Anlagegrundsätzen.

„Bei Anlageentscheidungen sind vor allem nachhaltig soziale, ethische und ökologische Investments auf Basis der Agenda 21 der UN Weltkommission oder anderer geeigneter Nachhaltigkeitsindizes zu wählen. Investitionen in Unternehmen, deren Hauptgeschäftszweig Exploration, Förderung, Transport und Vertrieb oder Energiegewinnung aus fossilen und nuklearen Energieträgern (Kohle, Erdgas, Erdöl, Uran) ist, werden grundsätzlich nicht vorgenommen.“

Norwegen divestiert Öl nicht aus Umweltgründen

Klingt schon ziemlich norwegisch. Wobei dazu gesagt werden sollte, dass das Nein zu fossilen Brennstoffen in Norwegen (ein Vorschlag des Ölfonds-Management, die endgültige Entscheidung steht noch aus) nicht aus Umweltgründen erfolgt ist (dazu  ein interessanter Artikel von Sony Kapoor bei Bloomberg View und ein paar Fakten vom Norwegischen Ölfonds). Der Grund ist, dass die Einnahmen des Fonds schon so stark vom Ölpreis abhängig sind. Da sollen es nicht auch noch die Anlagen so stark tun. Weil die Norweger diversifizieren wollen, betreiben sie also Divestment.

Auch wir Privatanleger haben es in der Hand, unser Geld etwas nachhaltiger anzulegen (was Gerd Kommer zum Thema Nachhaltigkeit denkt und wer er und ich uns einig sind und was uns trennt, steht hier). Und wir können Teil der Divest-Bewegung werden und Großinvestoren wie die Uni Göttingen dazu bringen, es ähnlich zu  tun. Wie das geht, erklärt Studentin Luisa Neubauer im Interview mit Zeit online. Wer bei ähnlichen Aktionen mitmachen möchte, bekommt weitere Informationen zum Beispiel auf der Seite von Go Fossil Free Deutschland. Welche Städte in Deutschland schon so divestiert haben, steht hier. Was in den USA in der von Bill McKibben angestoßenen Bewegung und vor allem Debatte erreicht worden ist, hat die Uni Stanford untersucht.

5000 Euro anlegen – mit wenig dabei sein

Quirion wirbt mit niedrigen Kosten, 5000 Euro-Start, Testsieg und ... Frau mit roter Flagge. (Abbildung: www.quirion.de)

Quirion wirbt mit niedrigen Kosten, 5000 Euro-Start, Testsieg und … Frau mit roter Flagge. (Abbildung: www.quirion.de)

Selber anlegen und zwar nach dem Vorbild Norwegischer Ölfonds halte ich für die beste Lösung, um

  • bei selber definierter Risikostufe,
  • gewisse Segmente überzugewichten (Small Caps, Emerging Markets),
  • unter Berücksichtigung eigener Wertvorstellungen (nachhaltig)
  • langfristig eine angemessene Rendite zu erzielen,
  • ohne das hohe Kosten diese übermäßig schmälern;
  • zugleich lernt man dabei die Märkte zu verstehen (nämlich durch das Beobachten des Auf und Ab an der Börse und die Erkenntnis, Richtung und Stärke vielleicht im Nachhinein erklären zu können, aber nicht mehr als zufallsbedingt vorhersagen zu  können).

Wer also möchte, dass das eigene Vermögen langfristig wächst und nicht das des Beraters, kümmert sich selber drum. Diese Zeit sollte man sich nehmen. Wer gerne mit ein bisschen des Geldes schonmal ganz schnell loslegen möchte, während das eigene Portfolio nach norwegischem Vorbild noch strukturiert wird, der hat aktuell die Chance schon mit 5000 Euro eines der wie ich finde derzeit interessantesten Angebote des deutschen Bankenmarktes auszuprobieren.

Quirion, der online-Ableger der Quirin Privatbank (die Ulrich Tukur als Werbefigur hat), legt wie der norwegische Ölfonds eine Aktienquote gemäß individuellem Risiko fest und streut dann breit. Normalerweise sollen Neukunden mindestens 10 000 Euro mitbringen, um das Angebot, das mit 0,48 Prozent Kosten pro Jahr plus ETF-Gebühren von 0,22 bis 0,28 Prozent günstig ist, nutzen zu können. Aktuell reicht die Hälfte.

Von meinen oben genannten Punkten erfüllt Quirion drei. Was mit dem Angebot nicht geht:

  • auf Nachhaltigkeit setzen,
  • gezielt Marktsegmente übergewichten (das mag Quirion für einen machen, man hat es aber nicht im Griff),
  • über die Märkte lernt auch weniger, wer sein Geld nicht gezielt selber in unterschiedliche Produkte steckt (zum Finanzverständnis bitte hier weiterlesen).

Um schnell in den Markt zu kommen ist Quirion einen Blick wert. Zudem fallen die 0,48 Prozent Kosten pro Jahr zumindest derzeit erst für Beträge ab 10 000 Euro an, alles darunter ist gratis. Wer also 20 000 Euro investiert, zahlt de facto nur 0,24 Prozent pro Jahr (wobei wie oben erwähnt die ETF-Gebühren noch hinzukommen, wer alles selber managet, zahlt nur die, muss aber auch mehr Zeit investieren). Das ist günstig. Übrigens lohnt stets – auch für komplette Selbstinvestierer –  ein Blick auf Seiten wie Brokervergleich, Finanztest und Finanztip, um Angebote zu vergleichen.

Vielleicht schwenkt die Frau rechts auf der Website deshalb die rote Sozialistenflagge. Schließlich ist jedem geholfen, preiswert vom Markt profitieren zu können.