Hier feiert Divestment einen weiteren Erfolg

Auf dem Weg in eine fossilfreie Zukunft Dank Divestment? Bus auf Spitzbergen. (Foto: Bomsdorf)

Auf dem Weg in eine fossilfreie Zukunft Dank Divestment? Bus auf Spitzbergen. (Foto: Bomsdorf)

Investment hat seit ein paar Jahren ein Gegenstück bekommen: Divestment. Statt Gelder in bestimmte Anlagen zu stecken (to invest), geht es darum, diese aus bestimmten Anlagen abzuziehen (to divest). Üblicherweise sollen bestimmte Branchen oder Unternehmen aus ethischen Gründen nicht länger gefördert / finanziert werden. Der norwegische Ölfonds ist berühmt dafür. Er hat eigens ein Ethik-Komitee, das eine blacklist erstellt. Geld in Öl und Gas zu stecken, ist dem Pensionsfonds auch verboten.

International versuchen Aktivisten auf Investoren einzuwirken und zu erreichen, dass diese divestieren. Oft heißt das, aus fossilen Energieträgern aussteigen. Es sollen also zum Beispiel keine Anteile mehr an Stromanbieter gehalten werden, die Elektrizität aus Kohle erzeugen oder an Bergbau- oder Ölunternehmen, die die entsprechenden Rohstoffe fördern.

In Deutschland hat die Divestment-Bewegung einen neuen Erfolg in Göttingen  gefeiert. Die dortige Uni handelt nunmehr ähnlich wie der norwegische Ölfonds (wenngleich zum Teil aus anderen Gründen – s.u.). Seitens der Uni, die eine Stiftungsuni mit einem verwalteten Vermögen von fast 200 Millionen Euro ist, heißt es in den Ende Juni 2018 beschlossenen Anlagegrundsätzen:

Kein Ölgeld für die Uni Göttingen, so steht es in den neuen Anlagegrundsätzen.

Divestment – Kein Ölgeld für die Uni Göttingen, so steht es in den neuen Anlagegrundsätzen.

„Bei Anlageentscheidungen sind vor allem nachhaltig soziale, ethische und ökologische Investments auf Basis der Agenda 21 der UN Weltkommission oder anderer geeigneter Nachhaltigkeitsindizes zu wählen. Investitionen in Unternehmen, deren Hauptgeschäftszweig Exploration, Förderung, Transport und Vertrieb oder Energiegewinnung aus fossilen und nuklearen Energieträgern (Kohle, Erdgas, Erdöl, Uran) ist, werden grundsätzlich nicht vorgenommen.“

Norwegen divestiert Öl nicht aus Umweltgründen

Klingt schon ziemlich norwegisch. Wobei dazu gesagt werden sollte, dass das Nein zu fossilen Brennstoffen in Norwegen (ein Vorschlag des Ölfonds-Management, die endgültige Entscheidung steht noch aus) nicht aus Umweltgründen erfolgt ist (dazu  ein interessanter Artikel von Sony Kapoor bei Bloomberg View und ein paar Fakten vom Norwegischen Ölfonds). Der Grund ist, dass die Einnahmen des Fonds schon so stark vom Ölpreis abhängig sind. Da sollen es nicht auch noch die Anlagen so stark tun. Weil die Norweger diversifizieren wollen, betreiben sie also Divestment.

Auch wir Privatanleger haben es in der Hand, unser Geld etwas nachhaltiger anzulegen (was Gerd Kommer zum Thema Nachhaltigkeit denkt und wer er und ich uns einig sind und was uns trennt, steht hier). Und wir können Teil der Divest-Bewegung werden und Großinvestoren wie die Uni Göttingen dazu bringen, es ähnlich zu  tun. Wie das geht, erklärt Studentin Luisa Neubauer im Interview mit Zeit online. Wer bei ähnlichen Aktionen mitmachen möchte, bekommt weitere Informationen zum Beispiel auf der Seite von Go Fossil Free Deutschland. Welche Städte in Deutschland schon so divestiert haben, steht hier. Was in den USA in der von Bill McKibben angestoßenen Bewegung und vor allem Debatte erreicht worden ist, hat die Uni Stanford untersucht.

5000 Euro anlegen – mit wenig dabei sein

Quirion wirbt mit niedrigen Kosten, 5000 Euro-Start, Testsieg und ... Frau mit roter Flagge. (Abbildung: www.quirion.de)

Quirion wirbt mit niedrigen Kosten, 5000 Euro-Start, Testsieg und … Frau mit roter Flagge. (Abbildung: www.quirion.de)

Selber anlegen und zwar nach dem Vorbild Norwegischer Ölfonds halte ich für die beste Lösung, um

  • bei selber definierter Risikostufe,
  • gewisse Segmente überzugewichten (Small Caps, Emerging Markets),
  • unter Berücksichtigung eigener Wertvorstellungen (nachhaltig)
  • langfristig eine angemessene Rendite zu erzielen,
  • ohne das hohe Kosten diese übermäßig schmälern;
  • zugleich lernt man dabei die Märkte zu verstehen (nämlich durch das Beobachten des Auf und Ab an der Börse und die Erkenntnis, Richtung und Stärke vielleicht im Nachhinein erklären zu können, aber nicht mehr als zufallsbedingt vorhersagen zu  können).

Wer also möchte, dass das eigene Vermögen langfristig wächst und nicht das des Beraters, kümmert sich selber drum. Diese Zeit sollte man sich nehmen. Wer gerne mit ein bisschen des Geldes schonmal ganz schnell loslegen möchte, während das eigene Portfolio nach norwegischem Vorbild noch strukturiert wird, der hat aktuell die Chance schon mit 5000 Euro eines der wie ich finde derzeit interessantesten Angebote des deutschen Bankenmarktes auszuprobieren.

Quirion, der online-Ableger der Quirin Privatbank (die Ulrich Tukur als Werbefigur hat), legt wie der norwegische Ölfonds eine Aktienquote gemäß individuellem Risiko fest und streut dann breit. Normalerweise sollen Neukunden mindestens 10 000 Euro mitbringen, um das Angebot, das mit 0,48 Prozent Kosten pro Jahr plus ETF-Gebühren von 0,22 bis 0,28 Prozent günstig ist, nutzen zu können. Aktuell reicht die Hälfte.

Von meinen oben genannten Punkten erfüllt Quirion drei. Was mit dem Angebot nicht geht:

  • auf Nachhaltigkeit setzen,
  • gezielt Marktsegmente übergewichten (das mag Quirion für einen machen, man hat es aber nicht im Griff),
  • über die Märkte lernt auch weniger, wer sein Geld nicht gezielt selber in unterschiedliche Produkte steckt (zum Finanzverständnis bitte hier weiterlesen).

Um schnell in den Markt zu kommen ist Quirion einen Blick wert. Zudem fallen die 0,48 Prozent Kosten pro Jahr zumindest derzeit erst für Beträge ab 10 000 Euro an, alles darunter ist gratis. Wer also 20 000 Euro investiert, zahlt de facto nur 0,24 Prozent pro Jahr (wobei wie oben erwähnt die ETF-Gebühren noch hinzukommen, wer alles selber managet, zahlt nur die, muss aber auch mehr Zeit investieren). Das ist günstig. Übrigens lohnt stets – auch für komplette Selbstinvestierer –  ein Blick auf Seiten wie Brokervergleich, Finanztest und Finanztip, um Angebote zu vergleichen.

Vielleicht schwenkt die Frau rechts auf der Website deshalb die rote Sozialistenflagge. Schließlich ist jedem geholfen, preiswert vom Markt profitieren zu können.

Gerd Kommer zur Nachhaltigkeit – Was uns verbindet und trennt

Bahn-Aktien wären nachhaltig, sind aber noch nicht käuflich (Foto: Bomsdorf).

Bahn-Aktien wären nachhaltig, sind aber noch nicht käuflich (Foto: Bomsdorf).

Vor ein paar Tagen erschien auf dem Blog (und im newsletter) von Gerd Kommer ein Beitrag zum Thema nachhaltiges investieren. Wie eigentlich immer bei ihm, ist der Text lesenswert. Auch, wenn er darin zum Teil zu anderen Schlussfolgerungen kommt als ich, sind wir uns in vielen Dingen einig, zum Beispiel:

 

  • es ist eine Frage der eigenen Werte, was als nachhaltig angesehen wird,
  • es ist schwierig für Indexanbieter nachhaltig zu definieren und zu kommunizieren, was dahinter steckt,
  • das Produktangebot ist noch sehr überschaubar,
  • die Diversifikation fällt geringer aus, wenn ein Teil des Investmentsuniversums wegfällt (weil es den ethischen Kriterien eben nicht entspricht).

Auch wenn es noch nicht das optimale Angebot an nachhaltiger Geldanlage für ein breit gefächertes Portfolio gibt, ist es doch möglich auch mit ETFs möglichst ethisch anzulegen. Wie jede (Investment-)Entscheidung wird man da nie all seine Ansprüche erfüllen können. Doch besser einen Schritt weiter als Stillstand (hier geht es übrigens zu meinem vorherigen Beitrag zu Nachhaltigkeit).

Gerd Kommer Bestseller erschienen im Campus Verlag. (Abbildung: Verlag)

Gerd Kommer Bestseller erschienen im Campus Verlag. (Abbildung: Verlag)

Außerdem sollte niemand vergessen, dass jeder Einzelne von uns auch Konsument ist und Unternehmen und Geschäftspraktiken auf der Nachfrageseite zeigen kann, was er oder sie von denen hält. Wer Starbucks Steuerpolitik für zweifelhaft hält, sollte eben ins kleine Café nebenan gehen (in der Hoffnung, dass dort nicht ein Teil der Einnahmen schwarz erzielt wird) und wer  findet, Ryanair ist nicht nur für den Klimawandel mit verantwortlich, sondern behandelt seine Angestellten auch schlecht, sollte lieber mit der Bahn fahren. Ähnliche Aspekte finden sich ganz am Ende des Blogbeitrags von Gerd Kommer, der übrigens wie ich im Campus Verlag publiziert, sein Bestseller heißt: „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“.