Heiße Aktien-Tipps

Heiße Aktien-Tipps bei der Wirtschaftswoche. (Screenshot www.wiwo.de 11.5.2020 15.30Uhr)

Heiße Aktien-Tipps bei der Wirtschaftswoche. (Screenshot www.wiwo.de 11.5.2020 )

Nach dem Crash vom März, der schon wieder zu einem erstaunlich großen Teil ausgeglichen ist, scheinen viele Anleger weiter nervös. Zumindest wirbt die Wirtschaftswoche gerade heftig um jene, die hohe Rendite und Sicherheit wollen, heiße Aktien-Tipps also. Und wer will das nicht? Aktien, die „zehn Jahre lang stets ihre Heimatbörse geschlagen“ haben und „Die besten Aktien der Welt“ bietet die Website heute, 11. Mai 2020, an.

Interessante Untersuchungen keine Frage. Doch – die erste Überschrift deutet es nicht nur an – geht es hier um eine Rückschau. Jeder von uns kann recht schnell einige Aktien finden, die in der Vergangenheit überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben.

Doch leider ist es jetzt nicht mehr möglich, Apple oder Amazon zum Preis von 2010 zu kaufen. Was also nützt eine solche Übersicht? Sind es doch letztlich heiße Aktien-Tipps von gestern. Der sonst eher nüchterne Gerd Kommer spricht gerne von „Investmentpornographie“ (hier dazu ein Beitrag bei Christian Thiels „Großmutters Sparstrumpf“).

Lesenswert sind die Listen der Wiwo (wie die komplette Zeitschrift) sicher, aber niemand sollte davon erwarten, mit einem Investment in die dort genannten Aktien garantiert überdurchschnittlich gute Gewinne zu machen. Denn wenn das so wäre, warum wäre die Nachfrage nach diesen Papieren nicht jetzt schon so hoch, dass die aktuellen Kurse all die Erwartungen eingepreist hätten?

Allzeithoch! (in Iran)

Wer hätte das gedacht: Ein Allzeithoch an der Börse während der Corona-Krise. Nur wo? Während sich viele große Börsenplätze deutlich von den Tiefs im März erholt haben, aber noch weit von früheren Höchstständen entfernt sind, ist das im Iran anders, meldet heute die FAZ unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur.  Dort nämlich hat der Tedpix ein Allzeithoch erreicht.

Website Börse Teheran www.tse.ir

Website Börse Teheran www.tse.ir

Tedpix? Nie gehört, oder? Nicht so verwunderlich, denn der iranische Börsenindex taucht nicht einmal im All Country World Index von MSCI auf. Entsprechend schwer dürfte es für Ausländer sein, in den Tedpix und die darin enthaltenen Werte zu investieren und selbst, wer es macht: Der Index sollte nur einen sehr, sehr kleinen Anteil an einem Weltportfolio ausmachen. Wenn überhaupt. Der norwegische Ölfonds investiert dort überhaupt nicht.

Interessant ist ein kurzer Blick auf so abseitige Börsenplätze und deren Volatilität trotzdem. Schließlich hat der iranische Index sich seit Beginn dieses Jahres mehr als verdoppelt. Da möchte man doch gerne einmal schauen, was so alles im Index enthalten ist und vor allem verfolgen, wie es weitergeht mit/nach dem Allzeithoch an der Börse. Das geht hier bei der Tehraner Börse. Tradingeconomics hat auch einen Überblick. Also, ab und an aus Interesse mal reinschauen und am besten parallel vielleicht den Wechselkurs iranischer Rial-Euro im Auge behalten und damit etwas mehr über einen der extremeren Börsenplätze der Erde lernen (eine kleine Geschichte der Börse, die jahrzehntelang dicht war, bei Wikipedia).

Nachhaltig investieren? Aber breit gestreut

Grüne Bäume, klarer Himmel in Oslo. (Foto: Bomsdorf)

Grüne Bäume, klarer Himmel in Oslo. (Foto: Bomsdorf)

Geldanlage ja bitte, aber ethisch, grün und nachhaltig investieren. So lautet seit einigen Jahren ein weitverbreitetes Credo. Investments sollen nicht nur Rendite bringen, sondern mit dem guten Gewissen vereinbar sein. Hier erhalten Sie dazu ein paar Tipps. (Zum Thema gibt es übrigens auch ständig interessante Artikel in den führenden Medien – heute etwa in der FAZ (nur print) und bei Spiegel (in der Kolumne von Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen – mit ETF-Beispielen)).

Der Kapitalismus wird immer wieder gerne als Wurzel vieler Übel gesehen. An so manchem Vorwurf ist sicherlich etwas dran. Bedenken Sie aber auch, dass kein anderes Wirtschaftssystem es dem Einzelnen so leicht macht, seinen Werten Gehör zu verschaffen. Sie müssen allerdings bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und auch einmal Verzicht zu üben, statt nur zu schimpfen und ansonsten nichts tuend auf den Staat zu warten. Als Konsument haben Sie stets die Möglichkeit, nicht zu kaufen, was aus Ihrer Sicht unethisch hergestellt wurde, die Umwelt belastet und dergleichen. Das ist das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Ohne Käufer keine Umsätze – das wird den Herstellern auf Dauer zu denken geben.

Mit Geld abstimmen

Für Sie als Privatanleger gilt Ähnliches. Stecken Sie Ihr Geld nicht in Unternehmen oder Sektoren, deren Geschäftspraktiken Ihnen nicht passen, wenn Sie nachhaltig investieren wollen. Sie haben schließlich die freie Auswahl. Zudem können Sie Ihr Stimm- und Rederecht ausnutzen, um auf Hauptversammlungen zu wettern oder durch Verbände wie die Kritischen Aktionäre wettern zu lassen. Wer kein Geld mehr von Investoren bekommt oder sich von diesen anhören muss, schlecht zu handeln, wird sich seine Strategie vielleicht genauso überlegen, wie wenn die Kunden ausbleiben.

NBIM Bericht Responsible Investment 2019.

NBIM Bericht Responsible Investment 2019.

Für den Ölfonds gelten strenge ethische Richtlinien (mehr dazu in Kapitel 6 in So werden Sie reich wie Norwegen und beim Fonds selber). Es gibt eine schwarze Liste mit Unternehmen, in die kein Geld (mehr) investiert wird. Gründe dafür können sein, diese von Kinderarbeit profitieren oder Streubomben herstellen. Auch in das umfassende Geschäft mit Kohle mag der Ölfonds nicht investieren – obwohl dessen Geld aus dem nicht viel saubereren Ölgeschäft kommt. Dass im November 2017 vorgeschlagen wurde, in Zukunft auch Ölaktien abzustoßen, hat allerdings keine ökologischen Gründe. Damit soll das Risiko vermindert werden. Schließlich ist Norwegens Abhängigkeit vom Öl(preis) jetzt schon groß.

Drei Buchstaben die beim nachhaltig investieren helfen

Als Anleger haben Sie die Möglichkeit, ETFs zu wählen, die zwar immer noch sehr breit in den Markt investieren, aber bestimmte Unternehmen oder Branchen ausschließen – zum Beispiel die Tabak oder Waffenindustrie. Diese Fonds sind mit drei weiteren Buchstaben versehen.

Wählen Sie  Varianten, die bestimmte Sektoren ausschließen und zusätzlich nach dem Klassenbesten-Prinzip vorgehen. Bei ETFs, die sich auf Indizes von MSCI beziehen, steht dafür das Kürzel SRI.  ESG weist auf das Klassenbesten-Kriterium hin (dann sind die ausgewählt, die nach bestimmten ethischen Maßstäben besonders gut abschneiden). Hier zum Beispiel der MSCI All County World Index in SRI und klassischer Version im Vergleich (für das detaillierte Dokument hier entlang zu MSCI).

MSCI ACWI SRI vs. MSCI ACWI

MSCI ACWI SRI vs. MSCI ACWI. (Quelle: MSCI)

Darüber hinaus können Sie wie der Ölfonds einen geringen Anteil Ihres Zukunftsfonds gezielt in Unternehmen stecken, die Sie nach ganz bestimmten, zum Beispiel ökologischen Kriterien ausgewählt haben. Auch dafür gibt es spezielle ETFs. Der Anteil dieses Fonds (Beispiele auch in Tenhagens Artikel) im Fonds sollte aber niedrig bleiben, um der angestrebten Diversifikation nicht zu stark entgegenzuwirken.