Reich werden mit norwegischem System – Neuauflage

So werden Sie reich wie Norwegen in 2. Auflage (Bomsdorf/Campus Verlag)

So werden Sie reich wie Norwegen in 2. Auflage (Bomsdorf/Campus Verlag)

Nachgedruckte wurde mein Buch „So werden Sie reich wie Norwegen“ ganz schnell. Jetzt ist beim Campus Verlag auch eine überarbeitete und aktualisierte Neuauflage erschienen (kaufen z.B. im lokalen Buchladen oder hier online bei Amazon)

Die norwegische Formel ist nachhaltig und legt einmal eine Strategie fest, um dann langfristig zu agieren, statt hektisch zu re-agieren. Für den Privatanleger heißt das vor allem: Kein Stress durch ständiges Umschichten oder Nachdenken über taktische Manöver, sondern Zeit für das wesentliche – das Leben.

Treu bleiben

Dementsprechend bleibt sich dieses Buch treu und enthält im Vergleich zur Erstauflage keine grundlegenden Änderungen. Vielmehr geht es um interessante Aktualisierungen. Auf dem Markt für Finanzprodukte hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Deshalb wurden für diese Ausgabe die Tabellen mit Hinweisen auf Produkte, mit denen Sie die Strategie des Ölfonds einfach umsetzen können, auf den neusten Stand gebracht.

Selbstverständlich sind auch die jüngsten Ergebnisse des norwegischen Ölfonds enthalten. Sowohl der riesige Erfolg aus dem Jahr 2019 (plus 20 Prozent!) als auch die durch die Corona-Krise bedingte Schwäche im ersten Quartal 2020 (minus 15 Prozent) wurden berücksichtigt. Manch einer mag sich angesichts des Rückschlags Anfang 2020 gefragt haben, ob es wirklich eine gute Idee sei, langfristig in Aktien anzulegen. Wer in dieser Phase zweifelnd verkauft hat, realisierte Verluste und ließ sich die durch die Erholung bedingten Gewinne entgehen. Im zweiten Quartal wurde das Minus aus dem ersten wieder fast wettgemacht – rekordschnell also.

Desaster oder Preis für den Erfolg – das ist eine Frage der Perspektive

Was manch einem wie ein Desaster vorkam, ist langfristig betrachtet der zwischenzeitliche Rückschlag, der hingenommen werden muss. Ziel reich werden in Sicht. Über die Jahre berechnet, hat sich keine Anlageklasse so gut bewährt wie Aktien! Auch nicht Gold, das hat nur zwischendurch mal gute Zeiten, zeigen die Statistiken.  Selbst unter Berücksichtigung von Einzahlungen und Wechselkurseffekten zeigt sich hier: was kurzfristig Angst macht, gehört bei einer langfristigen Strategie einfach dazu und sollte ausgesessen werden. Das zahlt sich aus.

Nicht umsonst schrieben etliche Medien im Frühjahr 2020, dass Norwegen das Land sei, das die besten Chancen habe, auch in turbulenten Zeiten schnell wieder auf die Beine zu kommen. In den Artikeln verwiesen die Autoren auf den Global Resilience Index. Der misst, wie widerstandsfähig ein Land ist und Norwegen nimmt seit Jahren die Spitzenposition ein. Zur Stabilität des Landes trägt auch das große Finanzvermögen bei.

Tun Sie es also Norwegen gleich und werden sie noch resilienter! Damit in Zukunft für Sie dieser oft zitierte Satz nicht mehr gilt: »Die Deutschen arbeiten für ihr Geld, aber sie lassen ihr Geld nicht arbeiten.«

Hier ist Hape Kerkeling oder ist’s Gerd Kommer? Angela Merkel? Verwirrung? Total normal an der Börse

So was von rational, überlegt und sachlich und zugleich kaum besserwisserisch laut – ein wenig hat Investment-Guru Gerd Kommer („Souverän investieren..“ – wie mein Buch ebenfalls bei Campus erschienen) von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wie diese neigt er zugleich ganz selten (einmalig?) zu ungewohnt heftigen Worten mit sexueller Konnotation. Was bei der Bundeskanzlerin die „Öffnungsdiskussions-Orgien“ ist bei Kommer die „Investmentpornographie„. Total Normal.

In seinem aktuellen Newsletter hat Kommer wieder zugeschlagen. Diesmal ohne den Sex, aber erneut drastisch. Er schreibt von „eine{r] verbreitete[n] Form von Anlegerirrationalität, die an eine moderate Form von Schizophrenie erinnert“ und einem Anleger, der sich „[i]rrational, inkonsistent und zugleich völlig normal [verhält], weil die Mehrheit aller Privatanleger wohl so vorgeht“.

Es ist also total normal. Womit wir – kleiner Exkurs  – bei Hape Kerkeling wären.

Und hier wird es interessant. Denn Kommer beschreibt da als „total normal“ einen Anleger, der sich aus Angst vor (relativen) Verlusten Gewinne entgehen lässt. Oliver heißt er bei Kommer und wie Juliane, von der er vorher schreibt, hat er Angst vor der eigenen Courage und sträubt sich jetzt, genau jetzt, endlich einen Batzen Geld anzulegen. Denn beide fürchten, womöglich den falschen Zeitpunkt zu erwischen. Denn ist der Aktienmarkt nicht grade besonders unsicher, weil schon lange stark gestiegen/grade stark gefallen/in einer Seitwärtsbewegung oder weswegen auch immer?

Natürlich wäre es ein Traum gewesen, Ende Oktober diesen Jahres viel Geld zu investieren und binnen Monaten bis Juli diesen Jahres die Rendite einzufahren, für die andere Anleger Jahre gebraucht haben. Wann es diesen Zeitpunkt gab, weiß man aber immer erst hinterher. Die Statistik und die Rationalität – und für beides ist Gerd Kommer der beste Lieferant – besagen, dass es eben weil Börsenkurse in ihrem kurzfristigeren Verlauf nicht vorhergesagt werden können, immer nur einen guten Zeitpunkt gibt zu investieren: jetzt.

Angst vor der eigenen Courage zu haben, ist menschlich. Also bloß keine Selbstvorwürfe. Lieber Selbstreflektion und dann doch handeln. Wir sind alle ein wenig Oliver, können uns aber ändern.

Damit nochmal MUSIK.

Das können Kleinanleger vom Wirecard-Debakel lernen

Wirecard tief rot.

Wirecard tief rot.

Aktien? bloß nicht! – das ist wohl bei vielen die Reaktion auf den aktuellen Skandal bei Wirecard und dem damit verbundenen Kurssturz. So einen drastischen Verfall in so kurzer Zeit – das dürfte bei einem Dax-Wert wohl einmalig sein. Am 18. Juni hat sich der Kurs der Wirecard-Aktie mehr als halbiert und fiel seither tüchtig weiter. Seit der Aufnahme in den DAX im Herbst 2018 ging es mit dem Papier des Zahlungsdienstleisters zwar nicht stetig bergab, aber doch auch schon vor dem Juni-Crash eindeutig nach unten. Bereits in dem eindreiviertel Jahr zuvor hatte sich der Kurs schon einmal ungefähr halbiert.

Was da passiert ist, ist ein Lehrstück. Von den 100 Dingen, die das Wirecard-Debakel uns alle lehren kann, hier 5 besonders wichtige:

1. Shit happens – nicht nur bei Wirecard

Dieser englische Ausdruck mag angesichts der Betrugsvorwürfe arg lapidar klingen, unterstreicht hier aber aus Sicht des (Klein-)anlegers, dass etwas passiert, was er nicht in der Hand hat und das dann auch noch unvohersehbare negative Folgen hat. Schauen wir fast 5 Jahre zurück: Wer hätte damals vorhersagen können, dass dem größten deutschen Autobauer Volkswagen im Herbst 2015 Betrug vorgeworfen wird und dieser plötzlich enorme Schadensersatzforderungen und Strafzahlungen riskiert? Von einem Tag auf den anderen wurden die Gewinnerwartungen massiv nach unten korrigiert, zeitweilig wurde schon spekuliert, ob VW überhaupt überlebt. Der damalige Absturz der VW-Aktie war heftig, aber weit entfernt von dem von Wirecard, dessen Wert seit Dax-Aufnahme über 90 Prozent gefallen ist.

Wer mit VW oder Wirecard herbe Verluste erlitten hat, sollte sich sagen „shit happens“, sprich „jetzt kann ich es auch nicht mehr ändern“. Wichtig: Nun ganz schnell hinzufügen: „aber daraus lernen kann ich!“

2. Systematisch gegen unsytematische Risiken vorgehen

Lernen und zwar aufbauend  auf dieser Erkenntnis und hier zitiere ich in leicht abgeänderter Form aus meinem Buch „So werden Sie reich wie Norwegen“ (S. 86): Ein unvorhersehbares Risiko für ein einzelnes Unternehmen wie die Betrugsvorwürfe gegen VW oder Wirecard wird in der Fachspracheunsystematisches
Risiko oder Einzelwertrisiko genannt. Überraschende Ereignisse, die auf alle Aktien ähnliche Auswirkungen haben, werden als systematische Risiken oder Gesamtmarktrisiken bezeichnet. Dazu zählen zum Beispiel die Anschläge vom 11. September 2001,  die Finanzkrise 2008 oder die weltweite Verbreitung des neuartigen Corona-Viruses 2020. Diversifikation kann die Folgen von unsystematischen Risiken mindern, systematisches Risiko hingegen gilt es zu akzeptieren.“ Wer wie der norwegische Ölfonds sehr breit gestreut anlegt, hat Wirecard nur ganz geringfügig im Depot liegen – nämlich als einen von vielen tausenden internationalen Werten – und leidet damit kaum unter dem Verlust, der anderen Kleinanlegern nun den Urlaub, die private Altersvorsorge oder mehr verhagelt.

Entwicklung von Dax und S-Dax 2000 bis 2020.

Entwicklung von Dax und S-Dax 2000 bis 2020.

Zur Illustration hier beispielhaft der Dax von 3. Januar 2000 bis 27. Juni 2020 – der verlief also seit Wirecard Mitglied war (September 2018) ganz anders als die Papiere des strauchelnden Zahlungsdiensteanbieters sowie des SDax, der für noch mehr Diversifikation steht. Der MSCW ACWI diversifiziert entsprechend noch mehr, hier aber auch um zu zeigen, dass der Absturz eines Unternehmens von 30 auf den jeweiligen Index nicht zwingend große Auswirkungen hat, der Blick auf Deutschland (ein internationaler Chart in diesem Beitrag vom Mai 2020).

3. Zeitliche Perspektiven nicht außer acht lassen

Wer gleich zu Anfang – also vor gut 15 Jahren (zur Historie hier) – Wirecard-Aktien gekauft hat, war mit seiner Investition auch nach dem Absturz um über 90% immer noch deutlich im Plus! Noch am Donnerstag, 25.6.2020 kostete eine Aktie von Wirecard noch immer rund doppelt so viel wie damals und wer sich am ersten oder zweiten Tag des Absturzes von seinen Papieren, die er 2005 gekauft hatte, verabschiedete, machte noch einen satten Gewinn (der am 26.6. aber wieder futsch war). Das dürfte sehr wenige Kleinanleger betreffen, dennoch verzerrt ein Blick auf die ganz kurze Frist das Risiko. Ebenso wie dieser Blick schnell einen Kurssprung nach tollem Gewinn aussehen lässt, nur weil der vorherige Preisverfall ausgeblendet wird. Wer langfristig denkt und diversifiziert, lässt sich von diesen beiden Verzerrungen nicht täuschen – und dessen Ertrag wird auch davon kaum beeinflusst.

Wirecard fast tiefrot.

Wirecard fast tiefrot.

Dennoch ein kurzer Einwurf: Wer Wirecard wie oben beschrieben nur als eines von tausenden internationalen Unternehmen in seinem diversifzierten Depot hält, könnte sogar  bei Wirecard immer noch im Plus sein – dann nämlich, wenn dessen rasanter mehrere Jahre währender Aufstieg auf das Depot einen größeren Einfluss hatte als der jähe Abstieg (das nur als Einwurf, ob dem so ist, hängt von der Zusammensetzung der Indizes seit 2005 – als Wirecard notiert wurde – ab und ist eine aufwändigere Recherche, die Zeit und vor allem Daten braucht, könnte aber für einen beispielhaften Investor errechnet werden). Doch selbst wenn dem so ist, wäre dieses Plus bezogen auf das Gesamtdepot auch nur winzig – eben wegen der Diversifizierung.

4. Ein hoch auf die vierte Gewalt

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin scheint bei der Überwachung von Wirecard kläglich versagt zu haben. Nicht nur das. Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times hatte den Job der Bafin grob gesagt besser gemacht – und wurde dafür nicht nur angegriffen, sondern sogar angezeigt. Journalisten der FT nämlich hatten schon seit einiger Zeit Zweifel an den Zahlen des deutschen Zahlungsdienstleisters geäußert. Doch statt diese Vorwürfen von immerhin einer der renommiertesten Finanzmedien ernst zu nehmen,  reagierte die Bafin mit einer Anzeige.  Vertrauen in Institutionen wie die Finanzaufsicht ist gut, Kontrolle durch die Medien, die nicht umsonst vierte Gewalt heißen, besser. Kein Wunder, dass Claudius Seidl, die FT-Journalisten in seiner Sonntagskolumne für deren Dienst an der Pressefreiheit lobt. Denn sie haben weitergemacht, trotz Anzeige.

5. Dabeibleiben ist fast alles

Statt „Aktien? Bloß nicht!“ sollte es heißen „Aktie? Bloß nicht, Aktien ja!“. Also, möglichst viele verschiedene Wertpapiere halten und trotz zwischenzeitlichen Rückschlägen dranbleiben, dann – siehe Dax- und S-Dax-Chart oben als Beispiel – zahlt es sich aus.